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Mutter mit Kind am Flughafen

Familie / Expats

Expats: Ausländer auf Zeit

Eine Weile als Expats im Ausland zu leben, ist ein Traum für viele Familien. Was macht die Reise ins Ungewisse mit den Eltern als Paar? Was mit den Kindern? Einblicke in ein Leben zwischen Heimweh und Horizonterweiterung.

Wir sind dann mal weg. Abheben zur Reise ins Ungewisse.

«Ich bin die Kulturschockabsorberin»

Familie Urbain in Tokio, Japan

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«Es darf links und rechts überholt werden»

Familie Goepfert Schuhmacher in Dubai, Vereinigte Arab. Emirate

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«Es gibt kaum Jobs für die Einheimischen»

Familie Claes in Dar es Salaam, Tansania

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«Zuerst hatte ich Heimweh»

Familie Lämmle in San Francisco, USA

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«Ich vermisse die Leichtigkeit des Seins»

Familie Russ, zurück aus Singapur

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Eltern können den Kindern ein 'transportables' Gefühl von Heimat vermitteln.

Die Wohnung ist geräumt, das Kätzchen bei Verwandten untergebracht, die Container verschifft – die Reise kann beginnen. Was bevorsteht, ist keine Abenteuerreise in Schrumpfform, keine Wildtier-Safari mit Sicherheitsgarantie, sondern eine mehrjährige Expedition in den Alltag einer fremden Kultur.

Rund 90 000 Schweizerinnen und Schweizer jährlich wagen den Trip.

Singapur, Serbien oder Senegal – wohin auch immer auf dem Globus es eine Familie verschlägt, sie muss das Land und die Menschen wie ethnologische Feldforscher auskundschaften. Denn die aus der Heimat mitgebrachten Werte und Normen krümmen und dehnen sich, als stünde man vor einem Zerrspiegel. Wer stur seiner Herkunftskultur verhaftet bleibt, hat es schwer. Alle anderen aber nehmen Erfahrungen mit nach Hause, von denen sie ein Leben lang zehren.

Der Kulturschock

Nach einer anfänglichen Euphorie, der sogenannten Honeymoon-Phase, erleben Reisende oft einen Kulturschock – den Sturz in das Gefühl, sich «im falschen Film» zu bewegen. Man versteht die Welt nicht mehr: Weshalb erlaubt sich der Geschäftspartner eine halbe Stunde zu spät zu erscheinen – und nicht den Anflug einer Entschuldigung bereitzuhalten? Warum tritt die neue Nachbarin unangekündigt und ohne anzuklopfen in unser Haus? Und weshalb wird das eigene Handeln misstrauisch beäugt oder gar kritisiert? Ein Kraftakt für die Neuankömmlinge. Allmählich aber entwickelt man Verständnis für das Gastland und die zur Heimatkultur abweichenden Normen. Willkommen in der neuen Normalität!

Die Familiendynamik

Eine Expat-Familie verpflanzt sich sozusagen als ganzes System. Zuhause Eingespieltes funktioniert plötzlich nicht mehr, die Dynamik unter den Familienmitgliedern verändert sich.

Häufig ist die Situation der begleitenden Mutter eine der grössten Herausforderungen. Während auf den Mann – die meisten Entsandten sind Männer – oft kurz nach Ankunft ein Arbeitsplatz und ein Team warten und die Kinder zur Schule gehen, sieht sich die Frau einem strukturlosen Alltag gegenüber. Ihr Job, das soziale Umfeld, die vertraute Routine sind weggebrochen wie morsche Äste.

Hinzu kommt, dass Expat-Partnerinnen in den meisten Ländern zwar eine Aufenthalts- aber keine Arbeitsbewilligung erhalten. Wenn dennoch eine solche zur Verfügung steht, scheitert ein Arbeitsvertrag an nicht anerkannten Abschlüssen oder fehlenden Sprachkenntnissen. Ein Kunststück, sich in dieser Situation eine neue Struktur aufzubauen.

Die Kinder

Sie werden auch «Third Culture Kids» oder Drittkulturkinder genannt. Denn die Kinder der Expats müssen sich nicht nur mit einer neuen Sprache und einer anderen Schulkultur abmühen – sie stecken je nach Alter mitten in der Suche nach der eigenen Identität. Mode, Slang und Trends unterscheiden sich im Gastland manchmal grundlegend und es braucht Zeit, auch die subtilen Unterschiede zu verinnerlichen.

Die Ablösung von den alten Freunden im Herkunftsland schmerzt, das Vertrauen zu neuen muss zuerst wachsen. Um den Kulturschock bei den Kindern etwas abzufedern, empfehlen Fachleute, den Kindern ein «transportables» Gefühl von Heimat zu vermitteln: im Ausland weiterhin einen Sonntagszopf zu backen, Fotos und Zeichnungen aufhängen, die bereits im Wohn- und Kinderzimmer in der Schweiz Geborgenheit vermittelten.

Nichtsdestotrotz: Kinder saugen die neue Umgebung auf wie Schwämme. Zur Sozialisierung im Heimatland gesellt sich die «Zweitsozialisation» im Gastland – und verschmilzt zu einem dritten, sehr persönlichen Kulturempfinden.

Die sozialen Netzwerke

Christoph Kolumbus segelte zwei Jahre um die Welt, ohne ein Lebenszeichen in die Heimat schicken zu können, die Weltenbummler der 70er-Jahre liessen ihre Angehörigen noch immer zwei Monate im Ungewissen. Heute aber bedeutet ein Auslandaufenthalt nicht mehr, komplett von zuhause abgeschnitten zu sein.

Grosseltern und Freunde in der Schweiz sind zu jeder Tages- und Nachtzeit innerhalb von Minuten erreichbar – dank Facebook, Skype, WhatsApp & Co. Fachleute empfehlen deshalb auch, virtuelle Treffen mit den Lieben in der Schweiz zur regelmässigen Routine werden zu lassen. Mit einem Blog oder Instagram-Fotos kann man den Daheimgebliebenen sogar das Gefühl vermitteln, am fernen Alltag und Abenteuer teilzuhaben.

Rechtliche Aspekte

Ein Aufenthalt im Ausland dauert in der Regel maximal vier Jahre. Danach könnten Expats meist nicht mehr im Schweizerischen Sozialversicherungssystem verbleiben und es würden Deckungslücken bei AHV und Pensionskasse entstehen.

Arbeitgeber gleisen im Vorfeld vieles für den Entsandten und seine Familie auf und kümmern sich um Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen, um Steuer- und Sozialversicherungsfragen.

Was junge Expat-Eltern manchmal überrasche, sei die Aufforderung zur Heirat, erklärt Sabrina Vogelsang, Leiterin Global Mobility Services bei Siemens: «Ich muss vermehrt Paare darauf hinweisen, dass in vielen Ländern nur verheiratete Mitreisende ein Visum erhalten.»

In der Schweiz ist das Konkubinat mittlerweile normal, nicht aber in arabischen Staaten oder den USA. Umgekehrt allerdings, erklärt Sabrina Vogelsang, müssten auch ausländische Expats-Partner verheiratet sein, um in der Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten.

Die Rückkehr

Irgendwann ist das Abenteuer zu Ende, die Container mit den Möbeln in die Heimat verschifft, die neue Wohnung bezogen, das Büsi wohlauf. Sprache und Kultur sind kein Problem mehr, die alten Freunde noch da – und doch fühlt man sich irgendwie bedrückt.

Dass auch die Heimkehr einen sogenannten Eigenkultur-Schock auslösen kann, wird häufig unterschätzt. Die Dinge werden anders wahrgenommen, Expats müssen sich nach der Rückkehr erneut zurechtfinden. Auch wenn die Firma sie unterstützt oder eigentliche «Repatriation-Programme» angeboten werden – es bedarf Zeit und Geduld, sich wieder in der Herkunftskultur einzunisten.


Die Schweizer Bloggerin Claudia Jucker (Hoi Berlin) hat mit ihrem Mann und den zwei kleinen Kindern drei Jahre in Berlin gewohnt. Im Sommer 2017 sind sie nach Zürich zurückgekehrt. In einem Beitrag auf ihrem Blog hoiberlin.com arbeitet sie ihr Ausland-Abenteuer auf, schildert Ernüchterung und Heimweh wie auch Ankommen und Berlin-Verliebtheit.


«Besser sich nicht nur Schweizerclub bewegen»

Familie / Expats

Expat-Experte Samuel van den Bergh erklärt, weshalb es wichtig ist, sich auf die fremde Kultur einzulassen.

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