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Familie Lämmle

Familie / Expats

«Zuerst hatte ich Heimweh»

Alexander Lämmle (39), Kinderarzt, forscht als Postdoctoral Research Scholar in einem wissenschaftlichen Labor. Natalie Lämmle (34), in der Schweiz Pflegefachfrau, in den USA Hausfrau. Felix (4), Klara (3)

Seit: 2016

Bis: 2018

«Alexander hat sich durch die langen Arbeitstage als Kinderarzt und Forscher schnell integriert in Kalifornien. Für mich war es schwieriger.

Der abrupte Wechsel von der intensiven Teilzeitarbeit als Pflegefachfrau auf dem Kindernotfall hin zur «Nur-Hausfrau» ist eine Herausforderung. In Amerika ist espraktisch unmöglich, einen Job als Nurse zu finden. Ich war deshalb isoliert und hatte oft Heimweh. Bis ich mich nach etwa sechs Monaten in der Preschool der Kids als sogenannte Teaching Parent engagieren konnte. An einem Vormittag pro Woche bin ich in der Schule und unterstütze die Kinder beim kreativen Spiel. Zudem bin ich jetzt Board Member der Schulleitung und habe weitere freiwillige Ämter übernommen, zum Beispiel das Garten-Komitee.

Felix und Klara gehen von Montag- bis Mittwochmorgen jeweils drei Stunden in die Preschool. Beide haben viele gute Freunde gefunden, Amis und andere Expat-Kinder. Sie lernten schnell Englisch und seit einigen Wochen sprechen sie sogar ab und zu Amerikanisch miteinander.

Wir wohnen in einer überteuerten, kleinen 2-Zimmerwohnung für 2700 Dollars pro Monat. Dafür liegt diese in einem ruhigen und sicheren Viertel im Sunset District, nahe der Ocean Beach und dem wunderschönen Golden Gate Park. Leider ist es in diesem Quartier aber oft sehr neblig. Wir hätten wohl die Wohngegend vor unserer Ankunft auskundschaften sollen! Auch die Nahrungsmittel sind deutlich teurer als in der Schweiz. Seit wir uns vor einem halben Jahr ein Auto gekauft haben, fahren wir häufig zum weiter entfernten, dafür billigeren Trader Joe’s.

Die Kalifornier sind sehr offen und freundlich, man kommt rasch ins Gespräch. Für uns Schweizer fühlt sich das Ganze aber manchmal etwas oberflächlich an. Bedrückend ist, dass man in dieser schönen und multikulturellen Grossstadt auf viel Elend trifft. Obdachlosen und psychisch kranken Menschen fehlt es offensichtlich an Hilfe.»


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