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Familie Goepfert Schuhmacher

Familie / Expats

«Es darf links und rechts überholt werden»

Susanne Goepfert Schuhmacher (47), Historikerin, nicht erwerbstätig, Christian Schuhmacher (44), Jurist, Spitaldirektor, Luzius Naseem (12), Julia Aisha (10)

Seit: 2015

Bis: unbestimmt

«Wir wohnen etwa 20 Minuten ausserhalb des Zentrums, unser Haus ist Teil einer Überbauung mit eigenen Sportund Einkaufsmöglichkeiten. Hier leben hauptsächlich Expats mit ihren Familien. Die Kinder können sich innerhalb der Siedlung frei bewegen und zu Fuss oder mit dem Velo Freunde besuchen. Garten und Pool sind vor allem in der heissen Jahreszeit ein Segen.

Am Wochenende kochen Christian und ich gemeinsam und wir haben Freunde bei uns. Fürs Putzen und andere Haushaltsarbeiten werden wir von einer Angestellten unterstützt. Sie kommt jeden Tag für ein paar Stunden zu uns, wohnt aber in einem eigenen kleinen Appartement in der Stadt.

Dubai ist eine tolle Stadt mit schönen Hotels, Restaurants, Stränden. 85 Prozent der Bevölkerung sind Expats, nur 15 Prozent Einheimische. In der internationalen Schule werden die Kinder bilingual auf Englisch und Deutsch unterrichtet. Zusätzlich lernen sie Arabisch. Luzius und Julia haben Kontakt zu Kindern aus aller Welt, ihre Freunde sind aus Syrien, Indien, der Schweiz, China, Italien und Bulgarien. Wir haben sehr früh mit den Kindern über den Umzug gesprochen und sie in viele Entscheidungen einbezogen. Ich glaube, es ist wichtig, dass Kinder wissen, wieso man ins Ausland geht und dass alle offen sind für die neue Umgebung. Die Einstellung, dass «das Gras auf der anderen Seite des Zauns grüner ist», erweist sich als kontraproduktiv. Uns war es wichtig, viel von der Stadt und dem Land zu sehen. Wir machen Ausflüge in die Berge oder in die Wüste und campieren auch dort.

Auf den grossen Autobahnen hier in Dubai darf links und rechts überholt werden, das ist gewöhnungsbedürftig. Auch das Nebeneinander von neuen 4x4-Autos und zahlreichen klapprigen Lastwagen, die wegen geplatzter Reifen oft am Strassenrand stehen, ist ein ungewohntes Bild. Richtig gefährlich sind Raser, die mit wenigen Zentimetern Abstand vorbeipreschen und aufgeregt lichthupen, damit man aus dem Weg geht. Da gilt es, die Nerven zu behalten!

Für Männer ist es nicht üblich, einheimischen Frauen bei der Begrüssung die Hand zu geben. Ein höfliches Kopfnicken und die rechte Hand aufs Herz legen, bekundet dem Gegenüber Respekt. Wir, die wir immer sofort die Hand reichen, müssen uns manchmal ein Zucken verkneifen und schnell umschalten. Aber das Verständnis für andere Kulturen und Sitten ist gross und ein Fehler wird nicht als dramatisch angesehen.

Klar vermissen wir Freunde und Familie. Manchmal ist es schön, in Schweizerdeutsch über Sorgen und Probleme reden zu können. Das lässt sich über Skype bestens lösen. Rivella, Senf oder Salami lassen wir uns jeweils von Gästen aus der Schweiz mitbringen!»


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