Menü
Familie Claes

Familie / Expats

«Es gibt kaum Jobs für die Einheimischen»

Ronald Claes (44), Anwalt für Wirtschaftsrecht, Firmeninhaber, Kira Lynn Thomas Claes (36), Beraterin bei der Weltbank, Layla Jazzlyn (5), Robin Rhys Jax (2)

Seit: 10 Jahren

Bis: in frühestens 5 Jahren

«Wir wussten schon während des Studiums, dass wir eines Tages gerne in Afrika leben und arbeiten würden. Als Ron vor zehn Jahren die Gelegenheit hatte, sich in ein Handelsunternehmen einzukaufen und dafür in Dar es Salaam ein Manager gesucht wurde, zogen wir nach Tansania. Rons Job wurde je länger desto anspruchsvoller – heute arbeitet er 12–14 Stunden pro Tag.

Ich fühlte mich zu Beginn ziemlich nutzlos, denn ich hatte schlicht nichts zu tun. Den Haushalt in Ordnung halten, Küchenutensilien kaufen, mich um das damals noch absturzanfällige Internet kümmern – ich hasste es. Nach ein paar Anläufen fand ich aber einen Traumjob bei einer NGO, die ein Kinderspital betreibt. In diesem werden Kinder mit Augenkrankheiten, Klumpfüsschen, zerebralen Lähmungen oder anderen angeborenen Krankheiten kostenlos behandelt. Mittlerweile bin ich aber weitergezogen und arbeite bei der Weltbank – in einer Abteilung, die sich im Gesundheitsdienst ebenfalls um die Verletzlichsten kümmert.

Layla besucht die Internationale Französische Schule und Robin geht fünf halbe Tage pro Woche in die Krippe.Beide wachsen hier auf, Tansania ist ihre Heimat.

Wir leben in einem 4-Zimmerhaus mit Garten und Swimmingpool und haben einen Gärtner, eine Haushälterin und zwei Nannys. Unser Koch kauft die Früchte und das Gemüse jeweils frisch auf dem Markt. Uns ist bewusst, dass wir eigentlich zu viele Angestellte haben. Aber wir haben sie lieb gewonnen und können sie nicht einfach so auf die Strasse stellen. Alle haben bis zu fünf Kinder und ernähren ausser der eigenen Familie meist noch weitere Verwandte. In Tansania gibts kaum Jobs, 80 Prozent der Leute arbeiten ausserhalb des offiziellen Arbeitsmarkts.

Von unseren Angestellten sind zwei Muslime und drei Christen. Die Tansanier sind sehr respektvoll, was andere Religionen betrifft. Noch nie erlebten wir Reibungen wegen der unterschiedlichen Glaubensrichtungen! Klar, es gibt manchmal irritierende Momente, die aber die Kultur und nicht die Religion betreffen.

Als wir beispielsweise in unser neues Haus einzogen, installierten zwei junge tansanische Handwerker für uns das Internet. Wir waren doch ziemlich überrascht, als wir sahen, dass sie das Modem und die Kabel kurzerhand an unseren nigelnagelneuen Esstisch genagelt hatten!

Ein anderer Handwerker fixierte einen Spiegel schief. Als ich ihn darauf hinwies, zeigte er mir, wie ich mich positionieren müsse, damit ich mich sehe: «Schau, kein Problem – du siehst dich im Spiegel!» Für ihn machte es keinen Unterschied, ob der Spiegel schief oder gerade hing. Hauptsache, man sieht sich darin. Ein schönes Beispiel dafür, dass wir Menschen die Welt eben aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten!»


Zurück zum Hauptartikel «Expats: Ausländer auf Zeit».

Auch lesenswert