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Geburt

So gebären Sie selbstbestimmt

Die Soziologin Christina Mundlos hat mit ihrem Buch «Gewalt unter der Geburt» Missstände in der Geburtshilfe aufgedeckt. Nun gibt sie zehn Tipps, wie Schwangere sich auf eine selbstbestimmte Geburt vorbereiten können.

Am Gebärvorgang an sich hat sich seit Urzeiten nichts geändert, in der Geburtshilfe schon. Sie ist medizinischer, kontrollierter geworden – mit dem Resultat, dass interventionsfreie Geburten in den Spitälern kaum noch stattfinden und viele Frauen enttäuscht sind über die Art, wie sie geboren haben. Die Soziologin und Geburtsaktivistin Christina Mundlos untersucht, wieso die heutige Geburtshilfe einer Frau körperlich und seelisch Schaden zufügen kann und zeigt, wie sie sich davor schützen kann. Mundlos ist überzeugt, dass Information und Eigenverantwortung der Schlüssel sind zu einem positiven Geburtserlebnis.

Vorweg: Kein Tipp der Welt garantiert, dass sich sämtliche Wünsche und Vorstellungen der Gebärenden erfüllen. «Wer sich aber gut auf die Geburt vorbereitet, erhöht die Chance, dass sie zum stärkenden Erlebnis wird», sagt Christina Mundlos.

10 preisgekrönte Bilder von Geburten

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So schön und emotional ist die Geburt!

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  • Traumas aufarbeiten

    Ohne einen Blick zurück geht es nicht: Wer bei einer vorangegangenen Geburt auf irgendeine Art traumatisiert worden ist, tut gut daran, die belastende Erfahrung anzuschauen– am besten noch vor der Schwangerschaft, spätestens aber bis zur Geburt. Dies gilt auch für Verletzungen, die durch Fehlgeburten, Stille Geburten, Schwangerschaftsabbrüche, Missbrauch in der Kindheit, sexuelle oder körperliche Gewalt entstanden sind. Sind die Wunden der Vergangenheit aufgearbeitet, ist das Risiko geringer, dass einen während der Geburt unerwartet das alte Trauma einholt. Dadurch fällt es einfacher, sich stark und selbstbestimmt für die eigene Sache einzusetzen. ➺ geburtsverarbeitung.ch

  • Hebamme suchen

    Frauen haben seit 2017 die Wahlfreiheit, ob sie sich in der Schwangerschaft vorwiegend von einer Gynäkologin, einem Gynäkologen oder von einer Hebamme betreuen lassen wollen. Studien zeigen, dass bei gesunden Frauen sowohl in der Schwangerschaft als auch unter der Geburt weniger Untersuchungen und Interventionen durchgeführt werden, wenn sie sich für das Hebammenmodell entscheiden. Darüber hinaus stärkt die Hebamme das Vertrauen der Frau in ihren Körper sowie den Kontakt zum Kind. Bei Auffälligkeiten oder Risiken wird die Schwangere an einen Arzt überwiesen. Manche Frauenarztpraxen und Spitäler haben mittlerweile ihr Angebot durch eine Hebammensprechstunde erweitert. ➺ hebamme.ch

  • Beleghebamme wählen

    Eine besonders persönliche Betreuung bietet die Beleghebamme. Sie begleitet die Frau vor und nach der Geburt und übernimmt auch die Geburtsleitung im Spital. Dies hat mehrere Vorteile: Die Beleghebamme ist nur für «ihre» Gebärende da, vom Eintritt ins Spital bis zur Geburt des Kindes; Schichtwechsel gibt es keine. Die Kontinuität in der Betreuung entspannt die Frau und fördert das Gefühl, sicher und gut aufgehoben zu sein, was wiederum den Geburtsverlauf positiv beeinflusst.

  • Doula engagieren

    Ähnlich wie bei der Hebammengeburt: Ist eine Geburtsbegleiterin, eine Doula, dabei, kommt es zu deutlich weniger Interventionen. Studien zeigen 50 Prozent weniger Kaiserschnitte, 41 Prozent weniger Saugglocke/Zange, 39 Prozent weniger Wehenmittel, 28 Prozent weniger Schmerzmittel. Die Wahrscheinlichkeit, mit der Geburt zufrieden zu sein, ist ein Drittel höher, wenn eine Doula dabei ist. ➺ doula.ch

  • Geburtsort umsichtig wählen

    Wo möchten Sie Ihr Kind auf die Welt bringen, zu Hause, im Geburtshaus oder im Spital? Viele Frauen entscheiden sich für die Klinikgeburt, weil sie glauben, sie sei sicherer. Allerdings sind heute nur noch fünf Prozent der Spitalgeburten interventionsfrei. Eingriffe in den natürlichen Geburtsverlauf, etwa medikamentöse Einleitung oder Dammschnitt, gehören zum Klinikalltag. Im Geburtshaus und zu Hause ist die Chance für eine natürliche Geburt deutlich höher. Für die Klinik sprechen dagegen Vorerkrankungen, auffällige Befunde in der Schwangerschaft oder wenn medikamentöse Schmerzbekämpfung gewünscht wird.

  • Fragen stellen

    Der Infoabend einer Geburtsklinik ist eine gute Möglichkeit, die Atmosphäre einer Gebärabteilung kennenzulernen und Fragen zu stellen, die einem wichtig sind, etwa: Wie oft kommen Dammschnitt oder Kaiserschnitt vor? Wie häufig werden Geburten medikamentös eingeleitet oder beschleunigt? Gehören Dauer-CTG (Wehenschreiber) und Venenkatheter zum Pflichtprogramm? Gibt es die Hebammen-geleitete Geburt und was sind die Kriterien dafür? Lässt man die Nabelschnur nach der Geburt auspulsieren und wie lange? Eine Minute genügt definitiv nicht.

  • Geburtsplan formulieren

    Es ist schlau, seine Vorstellungen und Wünsche zum Beispiel bezüglich Schmerzlinderungsmethoden, Dammschnitt oder Stillen in einem Geburtsplan festzuhalten. Denn weiss frau nicht genau, was sie will, gibt sie unbewusst die Verantwortung für die Geburt ans Klinikpersonal ab – und ist hinterher nicht selten enttäuscht darüber, wie es gelaufen ist. Ein Geburtsplan soll mit der Person besprochen werden, die einen zur Geburt begleitet. Ebenso mit dem Spital. ➺ Vorlage herunterladen: wireltern.ch/geburtsplan

  • Kurs besuchen

    Ein Geburtsvorbereitungskurs stärkt das Selbstvertrauen, die Zuversicht und unterstützt die Selbstbestimmtheit. Inhalt, Dauer und Teilnehmende sind je nach Kurs sehr unterschiedlich. Zum Glück gibt es heute Angebote für jeden Geschmack, von Hypnobirthing über Haptonomie, der Begleitung durch die Doula bis zu Schwangerschaftsyoga und -meditation. Am besten lässt man sich bei der Wahl vom eigenen Bauchgefühl leiten.

  • Informieren

    Wer seine Rechte kennt, wer über die Physiologie der Geburt und über Klinikabläufe Bescheid weiss, schafft sich eine gute Basis für eine selbstbestimmte Geburt. Eine gebärende Frau muss vor jeder Untersuchung und vor jedem Eingriff um Einwilligung gebeten und über den Zweck der Massnahme aufgeklärt werden. Es lohnt sich zum Beispiel, die Wehenüberwachung mittels Dauer-CTG in Frage zu stellen, wenn man weiss, dass von 1000 CTG-Aufzeichnungen 550 falsch sind. Auch werden Geburten oft medikamentös beschleunigt, was äusserst schmerzhaft sein kann.

  • Partner miteinbeziehen

    Wer kommt mit zur Geburt – der Partner, die Partnerin, die Mutter oder die beste Freundin? Es ist nicht die Aufgabe der schwangeren Frau, die Begleitperson auf die Geburt vorzubereiten. Gut ist jedoch, wenn für beide klar ist, welche Rolle die Begleitperson spielen soll. Beispielsweise kann sie darauf achtgeben, dass keine Eingriffe ohne explizites Einverständnis der Gebärenden gemacht werden oder dass die im Geburtsplan formulierten Wünsche und Vorstellungen nach Möglichkeit respektiert werden. Mehr zum Thema auf ➺ christina-mundlos.de

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