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Freiwilligenarbeit

«Ich lerne durch ihn auch einiges»

Gesine Tempke (36), ist hochschwanger, arbeitet 100 Prozent bei der Bank, macht nebenher noch ihren Master und hilft freiwillig in der Arche Zürich dem 13-jährigen Luca beim Hausaufgabenmachen. Ist ein Tag bei ihr aufblasbar?

Ich komme jeden Mittwochnachmittag und arbeite mit Luca. Die Stunden feiere ich von meinen Überstunden ab. Ich empfinde die Zeit mit Luca nicht als Arbeit, es macht mir riesigen Spass. Ich lerne durch ihn nämlich auch einiges: Er hat so eine fröhliche italienisch-lebendige Art und ist hochmotiviert. Er ist jetzt in der ersten Sek und tut sich in Mathe schwer, aber er lässt sich nie unterkriegen und gibt nie auf. Ich finde, man sollte sich ein Beispiel an ihm nehmen.

Dieses Füreinander-Dasein hat mich beeindruckt.

Was mich auf den Gedanken gebracht hat, mich in der Arche zu engagieren? Vielerlei. Während meines Chinesisch-Studiums habe ich einige Zeit in China gelebt und mit Kindern gearbeitet, das hat mir gefallen. In China halten die Familien fest zusammen. Das wirkt sich sogar in ihrem Finanzverhalten aus: Chinesen machen risikoreichere Anlagegeschäfte als Schweizer. Gewinnen sie: gut. Gehen sie bankrott: steht halt die Familie ein. Da bauen sie drauf. Dieses Füreinander-Dasein hat mich beeindruckt.

Mein Mann hat mich ebenfalls beeinflusst. Er ist Mexikaner und wir haben zwei Jahre in Mexiko gelebt. Auch bei den Mexikanern – zumindest kann ich das von meiner Familie dort sagen – steht man immer für Schwächere ein. Vielleicht muss das so sein, wenn die Sozialsysteme nicht so gut sind. Meine Bank fördert soziales Engagement. Es gibt Newsletter, in denen soziale Projekte, für die man sich einsetzen kann, vorgestellt werden. So hab ich die Arche gefunden. Wenn man dann der Bank schriftlich begründet, weshalb das eigene Engagement der Gesellschaft nützt, kann man einen Preis gewinnen. Natürlich nicht für einen selbst. Ich habe den «Volunteer Plus 2017» gewonnen und die Bank hat der Arche deshalb 1000 Franken gespendet. Darüber habe ich mich riesig gefreut.

Luca ist ein lustiger Vogel.

Es ist wichtig, was die Leute hier tun. Kindern zu helfen, deren Eltern sich keine teure Nachhilfe leisten können. Luca ist ein lustiger Vogel. Gestern hatte er einen Eintrag im Kontaktheftchen: «Luca hat einen Stift im Haar». Er ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ausserdem erfahre ich durch ihn etwas über die Pubertät. Wer weiss: Vielleicht kann ich das ja bei meinem Kind, das bald kommt, in 13 Jahren mal gebrauchen.

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