Kurz gefragt
«Ich war fasziniert von dieser Energie»
Winterolympiade in Italien, das bedeutet hierzulande: mitfiebern vor dem Fernseher. Und manchmal bedeutet es: eine neue Liebe der Kinder. Vielleicht zum Eishockey? Lars Weibel kennt sich da bestens aus.
wir eltern: Während der Olympischen Spiele werden sicher wieder einige Kinder mit dem Eishockey-Virus infiziert. Ab welchem Alter können sie anfangen zu trainieren?
Lars Weibel: In der Schweiz können Kinder meist ab vier bis fünf Jahren mit den ersten Eishockeykursen beginnen. In diesem Alter stehen der Spass am Eislaufen und das spielerische Kennenlernen des Sports im Vordergrund.
Wie war das bei Ihnen? Gab es da auch einen speziellen Auslöser für die Schlittschuhbegeisterung?
Mein Vater hat mich damals zu einem Eishockeyspiel mitgenommen – das war mein erster Kontakt mit dem Sport. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich war sofort fasziniert von der Energie, der Geschwindigkeit und der Leidenschaft auf dem Eis. Kurz darauf war für mich klar: Das will ich auch machen. Also habe ich mich nach meiner Erstkommunion beim Verein angemeldet – und seither hat mich der Sport nicht mehr losgelassen. Eishockey – und Mannschaftssport generell – hat mir unglaublich viel fürs Leben gegeben. Ich habe Disziplin gelernt, Teamgeist, Durchhalte vermögen und auch, wie wichtig es ist, sich an neue Situationen anzupassen. Diese Erfahrungen prägen mich bis heute, im Beruf wie im Alltag. Wenn man nun ein eishockeybegeistertes Kind zu Hause hat, gibt es irgendwelche körperlichen Voraussetzungen für den Sport? Für Basket- und Volleyball sollte man ja gross sein, fürs Geräteturnen eher klein ... Grundsätzlich sind keine speziellen Voraussetzungen nötig. Der Spass sowie die Motivation und Freude für einen Teamsport stehen im Vordergrund. Im Gegensatz zu Basketball ist Grösse nicht grundsätzlich entscheidend. Sowohl kleinere als auch grössere Spielerinnen und Spieler können erfolgreich sein. Koordination, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Reaktionsfähigkeit und taktisches Verständnis sind wichtiger.
Nun ist Eishockey noch immer eher ein Jungs-Sport. Was tun die Verbände, um mehr Mädchen in den Sport zu bekommen?
Die Swiss Ice Hockey Federation fördert Mädchen gezielt, unter anderem durch separate Mädchen und Frauenförderkonzepte, Schnupperkurse, Mädchen ligen und Turniere sowie durch Öffentlichkeitsarbeit.
Fürs Eishockey braucht es viel Equipment. Was ist notwendig? Und – kann man das, um Geld zu sparen, auch secondhand kaufen?
Notwendig sind: Helm mit Gesichtsschutz, Schulter , Ellbogen und Beinschoner, Handschuhe, Eishockeyhose, Brustpanzer, Stock, Schlittschuhe. Und ja, viele Eltern kaufen eine gebrauchte Ausrüstung, insbesondere Schlittschuhe. Wichtig ist dabei, dass die Passform geprüft wird, da eine schlechtsitzende Ausrüstung Verletzungen begünstigen kann.
Mit welchen Kosten zusätzlich zur Ausrüstung müssen Eltern rechnen?
Die Kosten für Kinder-Eishockey in der Schweiz setzen sich zusammen aus einem Mitgliederbeitrag von etwa 500 bis 1000 Franken pro Saison, der Anschaffung einer kompletten Ausrüstung für 800 bis 1000 Franken. Gebrauchtes gibt es natürlich deutlich günstiger. Sowie möglichen zusätzlichen Ausgaben für Trainingslager, Turniere und Auswärtsspiele.
Apropos Einstieg: Was ist beim Schlittschuhlaufenlernen von den Pinguinen auf öffentlichen Eisbahnen zu halten?
Viele Vereine nutzen spielerische Hilfsmittel wie Pinguine oder Hocker für Anfänger. Für Kinder ist das eine gute Ergänzung, solange es von Fachpersonen beaufsichtigt wird. Alleine auf öffentlichen Eisbahnen ohne entsprechende Schutzausrüstung ist das aber nicht zu empfehlen.
Eishockey sieht, man kann es nicht anders sagen, oft sehr grob aus. Ist das nicht ein gefährlicher Sport für Kinder?
Eishockey ist zwar äusserst intensiv, aber mit moder ner Schutzausrüstung und kindgerechtem Training ist das Verletzungsrisiko überschaubar. Verletzungen wie Prellungen oder kleinere Stürze passieren schon mal, schwere Verletzungen sind selten. Ausserdem kommt das körperbetonte Spiel nicht auf unteren Stufen vor.
Ich habe gehört, dass schon die Kleinsten Kraftsporttraining machen müssen. Stimmt das?
Nein, Krafttraining ist für Kinder unter zwölf Jahren nicht notwendig. Wichtig sind spielerisches Training, Gleichgewicht, Koordination und Ausdauer. Krafttraining kommt erst später, altersgerecht und unter professioneller Anleitung.
Worin besteht die grosse Faszination?
Die Faszination am Eishockey liegt in der Kombination aus Tempo und Action auf dem Eis, Teamgeist und Zusammenarbeit, taktischem Verständnis und technischer Fertigkeit sowie der Mischung aus Spiel, körperlicher Herausforderung und Erfolgserlebnissen.
Ist Ihre Eishockeybegeisterung auch auf Ihre Kinder übergesprungen?
Mein Sohn und meine Tochter treiben beide Sport. Aber Eishockey spielen sie nicht.
Lars Weibel, ehemaliger Goalie der Schweizer Eishockey-Nati und Meister mit HC Lugano und HC Davos, arbeitet heute beim Schweizer Eishockeyverband als Direktor für die Nationalmannschaften. Der 51-Jährige ist Vater eines Sohnes und einer Tochter.
