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Die häufigsten Stillprobleme

Trink schön, mein Baby!

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Stillprobleme sind der häufigste Grund fürs Abstillen. Mit der richtigen Beratung können Schwierigkeiten jedoch überwunden werden.

Stillprobleme sind der häufigste Grund zum Abstillen. Mit der richtigen Beratung und Begleitung können Schwierigkeiten jedoch überwunden werden. Stillen ist ein inniges, intimes und bereicherndes Erlebnis. Sofern nicht wunde Brustwarzen, Stress oder die Angst, das Kind bekomme nicht genug Milch, die Harmonie stören. Schwierigkeiten mit der Brusternährung treten meist in der ersten Zeit auf, wenn für die Mama und ihr Baby alles noch neu ist.

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die zum Misserfolg führen. Deshalblohnt es sich, bei Problemen die Wochenbetthebamme oder eine Still- und Laktationsberaterin beizuziehen. Die Fachfrauen erkennen oft auf den ersten Blick, was schlecht läuft. Bezahlt wird ihr Einsatz von der Krankenkasse. Die Grundversicherung übernimmt während der gesamten Stillzeit drei Beratungen, mit einem ärztlichen Rezept oft auch mehr.

ÜBEREMPFINDLICHE ODER WUNDE BRUSTWARZEN

Ursache ist fast immer eine falsche Stillposition. Liegt das Kind nicht nah genug an der Brust, muss es stärker an der Warze ziehen, was diese unnötig reizt oder gar verletzt. Doch Stillen darf nicht weh tun. Wichtig ist, dass die ganze Brustwarze und ein Teil des Warzenhofes mitten im Babymund liegt. Gleichzeitig sollte das Kind so gehalten werden, dass es das Köpfchen zum Trinken nicht drehen muss.

Zudem sollte die Stillposition für Kind und Mutter bequem sein. Hat das Kleine fertig getrunken, die Brust nicht einfach wegziehen! Lässt das Baby nicht von alleine los, den kleinen Finger in seinen Mundwinkel schieben und leichten Druck ausüben, damit sich das Vakuum löst. Für eine bessere Heilung wunder Brustwarzen empfehlen Fachfrauen, nach dem Stillen Reste von Muttermilch auf der Brustwarze an der Luft trocknen zu lassen.

Weil in seltenen Fällen auch andere Ursachen wie eine Allergie, eine Soorinfektion, oder ein zu kurzes Zungenbändchen des Babys zu wunden Brustwarzen führen, sollten Frauen sich mit diesem Problem relativ schnell an eine Stillberaterin oder Hebamme wenden. Wenn jedes Anlegen zur Qual wird, liegt der Gedanke ans Abstillen verständlicherweise nahe.

ZU WENIG MILCH

Viele Frauen befürchten, sie hätten zu wenig Milch. Doch solange das Kind gedeiht und zunimmt, besteht kein Grund zur Sorge. Dass Stillkinder im Vergleich zu Schoppenkindern häufiger trinken, ist völlig normal. An der Brust zu trinken ist für das Kleine anstrengender als aus der Flasche. Nicht selten schläft es ein, bevor es sich wirklich satt getrunken hat und wird deshalb schneller wieder hungrig. Bei einem Wachstumsschub kann es tatsächlich passieren, dass ein Baby kurzfristig zu wenig Milch bekommt.

Doch die Natur hat dafür gesorgt, dass sich das Angebot der Nachfrage anpasst. Deshalb reicht es, das Kind häufiger anzusetzen, damit die Mutterbrust mehr Milch produziert. Stilltees können dabei helfen. Wirkt das Kind trotzdem immer hungrig, nimmt es nicht richtig zu oder verliert gar an Gewicht, ist es ratsam, eine Stillberaterin oder die Kinderärztin zu kontaktieren.

Da auch Stress den Milchfluss bremsen kann, sollten Mütter sich nicht scheuen, Hilfe und Unterstützung anzunehmen. Grossmütter und Nachbarinnen sind oft gerne bereit, einige Zeit aufs Baby aufzupassen, damit sich die Mutter ein Entspannungbad oder eine wohltuende Massage gönnen kann. Trinkt das Baby auch aus der Flasche, können Frauen ihren Partnern durchaus zutrauen, das Kind nachts hin und wieder mit abgepumpter Milch zu füttern. Das entlastet nicht nur die Mutter und gibt ihr mehr Schlaf, sondern führt zu einer tiefen Vater-Kind-Beziehung und tut ausserdem der Partnerschaft gut.

ZU VIEL MILCH

Trinkt das Baby an der einen Brust, tropft in den ersten Wochen bei fast allen Müttern Milch aus der anderen Brust. Viele Frauen haben eher zu viel als zu wenig Milch. Wer die Milchmenge reduzieren möchte, bietet dem Baby pro Mahlzeit nur eine Brust an und nimmt es weg, sobald es nicht mehr richtig trinkt.

Kühle Kompressen, Quarkwickel oder ein feuchter Waschlappen auf der Brust helfen, Spannungsgefühle zu mindern und können die Milchproduktion drosseln. Auch Salbei- und Pfefferminztee sollen die Milchbildung hemmen. Viel Milch hat auch Vorteile: Abpumpen ist einfacher. Allerdings wird dadurch die Milchproduktion eher noch angeregt.

MILCHSTAU / BRUSTENTZÜNDUNG

Schmerzende, gespannte oder gerötete Brüste und leichtes Fieber können Anzeichen für einen Milchstau sein. Der häufigste Grund dafür ist, dass das Baby die Brust nicht richtig leer trinkt. Ein Milchstau muss schnell behoben werden. Erste Massnahme: Sämtliche Hausarbeit liegen lassen und sich ins Bett legen.

10 Minuten lang warme Kompressen auf die schmerzende Stelle auflegen und danach das Kind trinken lassen. Sein Kinn sollte auf die gestaute Stelle gerichtet sein. Nach dem Stillen 15 bis 20 Minuten kühle Umschläge oder Quarkwickel auflegen. Klingen die Symptome nicht innert zwei Tagen ab, Hebamme, Stillberaterin oder Ärztin kontaktieren. Aus einem Milchstau kann leicht eine Brustentzündung entstehen, daraus im schlimmsten Fall ein Abszess.

ARBEITEN UND STILLEN

Viele Frauen stillen ab, bevor sie wieder arbeiten gehen. Das muss nicht sein. Der Arbeitgeber ist von Gesetzes wegen verpflichtet, Müttern Zeit zum Stillen einzuräumen und muss ihnen diese Zeit sogar als Arbeitszeit anrechnen. Grössere und fortschrittliche Firmen haben ein separates Stillzimmer, in welches sich die Mutter mit ihrem Baby zurückziehen kann, wenn es ihr zum Stillen gebracht wird. Oder sie kann dort Milch abpumpen, die die Betreuungsperson dem Baby am nächsten Arbeitstag gibt. Nach Feierabend und an Freitagen kann das Kind normal gestillt werden.

UNTERSTÜTZUNG

Mit dem Stillen verhält es sich ähnlich wie mit der Schwangerschaft. Viele Frauen haben eigene Erfahrungen und glauben deshalb, Ratschläge erteilen zu können. Dennoch (oder gerade deshalb) wenden sich Stillende mit konkreten Fragen besser an die wirklichen Expertinnen wie Still- und Mütterberaterinnen oder Hebammen. Vieles, das vor einigen Jahren gesagt wurde, gilt heute nämlich als veraltet.

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