Lili Holdener
Pedro Lenz
«Ich verliere die Nerven sehr regelmässig»
In unserem Eltern-Fragebogen erzählt Autor und Schriftsteller Pedro Lenz, was er als Papa supergut kann, was er rückblickend anders machen würde, was er von Strafen hält und welche Eltern ihn nerven.
Name: Pedro Lenz
Beruf: Schriftsteller, Autor
Kinder: Nicanor 7, Salvador 5, Valentina 4
Familienmodell: Aufgeteilt, je nach beruflicher Belastung, jeder mehr oder weniger, und mit GrosselternUnterstützung. LiveProgramm «Zärtlechi Zunge» und «Mit Linggs»;
Infos unter https://pedrolenz.ch
Das hätte ich gerne früher gewusst:
Gewusst habe ich schon vieles, aber Wissen ist nichts gegen das eigene Erleben!
Da bin ich richtig auf die Welt gekommen ...
… als ich merkte, wie unheimlich schlafraubend ein Kleinkind sein kann.
Seit ich Kinder habe, bin ich ...
… viel organisierter und strukturierter als früher. Ausserdem bin ich lieber zu Hause bei der Familie, wogegen ich als Kinderloser lieber unterwegs war.
Da habe ich komplett die Nerven verloren:
Ich verliere die Nerven sehr regelmässig, aber ich versuche, sie schnell wiederzufinden.
Da verliere ich immer noch die Nerven:
Wenn wir eilig auf den Zug müssen und unsere Vierjährige beschliesst, sie wolle jetzt noch in aller Ruhe ihre Kleider wech seln. Oder wenn ich, bevor wir das Haus verlassen, jedes Kind gefragt habe, ob es noch auf die Toilette muss und keines muss. Aber kaum sind wir an einem Ort, wo es keine Toiletten hat, müssen alle drei dringend.
Das würde ich meinem 14jährigen Ich raten:
Vertrau darauf, dass die Eltern dich aus jedem Problem herausholen werden, weil sie gar nicht anders können.
Wenn ich keine Kinder hätte, wäre ich heute ...
… vielleicht schon vorzeitig gealtert. Das kann ich als Papa supergut: Zuhören, trösten, Geschichten erzählen, vom 5MeterTurm springen, Fragen mehrmals beantworten, mich zu nutz losen Käufen überreden lassen.
Das wollte ich als Papa nie tun und tue es trotzdem:
Laut werden. Das könnte ich noch besser machen: Vielleicht müsste ich konsequenter sein. Generell kann man sich immer verbessern, aber wichtiger, als besser zu werden, ist es, authentisch zu bleiben.
Das würde ich heute anders machen:
Ich würde wohl zuversichtlicher in das Abenteuer Vaterschaft eintauchen, ganz nach dem Motto, «chunnt scho guet!»
Solche Eltern gehen mir auf die Nerven:
Diejenigen, die alles nur mit Worten er ledigen wollen. Manchmal muss man ein Kind auch auf den Arm nehmen oder ihm die Hand geben und nichts sagen. Und manchmal ist es besser, ihm etwas vorzuzeigen, als von der Bank auf dem Spielplatz aus Anweisungen zu geben.
Dieses Vorurteil über Eltern stimmt:
Eltern reden gerne und viel über ihre Kinder. Dieses Vorurteil stimmt nicht: Es stimmt nicht, dass Eltern nur immer über ihre Kinder reden, manchmal reden sie auch über andere Dinge.
Mein wichtigster ElternHack …
… den suche ich noch. Das ist mir wichtig: Rituale etablieren.
Das ist mir unwichtig ...
Mir ist alles wichtig, was die Kinder betrifft.
Ich belohne mich ...
… indem ich in meine Welt eintauche, sobald die Kinder schlafen.
Strafen sind ...
… erfahrungsgemäss nie zielführend.
Da bin ich entspannt:
Wenn sie sich die Kleider verdrecken.
Das stresst mich unglaublich ...
… Schlafmangel, gepaart mit Stress.
Zu Hause bin ich für …
… alles zuständig, aber meine Frau ebenfalls.
Das muss sich für Familien in der Schweiz dringend ändern:
Das soziale Gefälle betrifft alle Menschen, aber wer zu wenig verdient und dazu noch Kinder hat, leidet doppelt. Also mehr Lohngerechtigkeit.
