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Medizin
Husten ohne Pause
Husten die Kinder über eine längere Zeit, belastet dies die ganze Familie. Eine Abklärung ist wichtig. Denn unbehandelter chronischer Husten kann die Lunge schädigen.
Seit vielen Jahren begleiten den sechsjährigen Liam hartnäckiger Husten und Atemnot. «Einmal hat er so fest gehustet, dass wir ihn ins Spital bringen mussten», erzählt seine Mutter. Er schlafe schlecht. Schon beim Aufstehen plage ihn ständiger Hustenreiz, und beim Sporttreiben sei er schnell ausser Puste. Liam ist öfters krank – mal eine Erkältung, eine Bronchitis, eine Mittelohr- oder Lungenentzündung. Er gehört zu jenen mehr als zehn Prozent der Kinder, deren Husten besondere Aufmerksamkeit benötigt.
Viele Notfallkonsultationen
«Wegen Husten kommt es zu vielen Notfallkonsultationen», sagen die Kinderlungenärzte Christian Bieli und Tina Schürmann, die zusammen die Pädiatrische Pneumologie des Kantonsspitals Aarau leiten. Husten ist eigentlich eine normale Reaktion des Körpers, um Schmutz, Schleim oder Krankheitserreger aus den Atemwegen zu befördern. Die Kunst ist es nun herauszufinden, ob es mehr ist als eine banale Erkältung. «Der akute Husten nach Infekten muss in der Regel nicht abgeklärt werden», sagt Kinderlungenarzt Christian Bieli. Jedes zehnte Kind habe nach einem normalen Atemwegsinfekt für drei bis vier Wochen hartnäckigen Husten.
Ab acht Wochen gilt der Husten jedoch als chronisch, und es braucht weitere Abklärungen, um die Ursache zu finden. Unbehandelter chronischer Husten kann je nach Ursache die Lunge schädigen, mit Vernarbungen und lebenslangen Einschränkungen der Leistungsfähigkeit. «Chronischer Husten belastet nicht nur das Kind, sondern die ganze Familie – alle können nicht mehr schlafen», ergänzt Kinderlungenärztin Tina Schürmann. Auch das schulische Umfeld sei irritiert über die Husterei. Der Druck auf die Familie sei hoch, viele Eltern sorgten sich deshalb.
Vielfältige Ursachen
Eine banale Erkältung sollte nach acht Wochen abgeklungen sein. Manchmal bleibt eine Überreizung im Halsbereich bestehen. «Je mehr gehustet wird, desto mehr verstärkt sich der Reiz», erklärt Schürmann. Ein Teufelskreis, aber nichts Gefährliches. Zudem könne Schleim aus den oberen Atemwegen in den Hals fliessen, was zu Hustenreiz führe, vor allem beim Hinlegen. Allergien könnten dies verstärken. Es gibt eine Reihe weiterer Ursachen für chronischen Husten: Asthma und die protrahierte bakterielle Bronchitis sind am häufigsten. Seltener sind Infekte mit untypischen Krankheitserregern wie zum Beispiel Tuberkulose oder andere resistente Bakterien, Einatmen eines Fremdkörpers, eine Cystische Fibrose (eine angeborene Stoffwechselerkrankung), Störungen des Immunsystems oder durch Fehlbildungen der Atemwege. Bei einigen Kindern entsteht auch ein so genannter funktioneller Husten, eine Art «HustenTick», der nach einem normalen Er kältungshusten bleibt. Typisch für den funk tionellen Husten: In der Nacht und durch Ablenkung verschwinden die Symptome. Die Kinder stören sich selbst wenig daran, im Gegensatz zu ihrem Umfeld.
Kein Blindflug, nach Plan
Der Arzt oder die Ärztin muss sich oft an die Ursache des Hustens herantasten. Aus diesem Grund erläutert Christian Bieli zu Beginn der Behandlung immer das weitere Vorgehen, um das Vertrauen der Eltern zu gewinnen. Die Krankheitsgeschichte des Kindes, Be gleitsymptome oder Risikofaktoren geben Hinweise auf eine tieferliegende Erkrankung, ebenso Abweichungen von einer altersge rechten Gewichtszunahme. Eine Diagnose stützt sich zudem auf die Art des Hustens: Trockener Husten mit pfeifenden Atemgeräu schen und Atemnot weist auf Asthma oder Hausstaubmilbenallergie, ein tiefer, bellender Klang auf eine Erkrankung der Atemwege oder feuchter Husten auf eine bakterielle Bronchitis hin. Der Husten beim Keuchhusten ist eben falls sehr charakteristisch. «Impfaufklärung ist hier wichtig», fügt Lungenarzt Bieli hinzu. Zu einer Abklärung gehören neben der klini schen Untersuchung ein Röntgenbild, ein Lungenfunktionstest und meist eine Blut untersuchung oder ein Allergietest.
Therapie nach Ursache
Die Behandlung von chronischem Husten sieht sehr verschieden aus. Bei einer bakteri ellen Bronchitis nützen Antibiotika. Korti sonhaltiger Nasenspray kommt zum Einsatz, um die Nasenschleimhäute zu beruhigen. Dadurch fliesst weniger Schleim in die Atem wege, mit weniger Husten. Bei Asthma setzt man Kortison oder andere Medikamente zum Inhalieren ein. Bei grösseren Kindern mit funktionellem Husten helfe Verhaltenstherapie, sagt Tina Schürmann. Dabei ermutigt sie die Kinder, nicht immer zu husten, wenns kratzt. Stattdessen sollten sie Wasser trinken oder eine Halstablette lutschen. So kann der Teufelskreis des ewigen Hustens unterbrochen werden. Wichtig sei überdies, dass Kinder keinem Zigarettenrauch ausgesetzt seien, be tont Schürmann. Bei Liam wurde in der Zwischenzeit mit einer Antibiotikakur die Bronchitis beseitigt. «Seit dem ist der Husten deutlich besser», sagt die Mutter. Das allergische Asthma bekämpft Liam mit regelmässigem Inhalieren. So hat der trockene, pfeifende Husten nachgelassen. Wegen der Katzenallergie hält nun die Mutter Liams Zimmer katzenfrei. Und sie ist davon überzeugt, dass das Weglassen von Weizen und Kuhmilch ebenfalls zur Besserung bei getragen hat.
Wann gehört Husten abgeklärt?
• Wenn Husten länger als acht Wochen dauert, sollte er ärztlich abgeklärt werden.
• Wenn der Husten mit Atemnot verbunden ist oder zu Gewichtsverlust führt.
