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Schwangere Frau mit Nahrung auf dem Bauch

Schwangerschaft & Baby

Essen Sie mit Verstand in der Schwangerschaft

Verboten oder empfohlen? Die Schwangerschaft verändert auch den Speisezettel. Ein paar einfache Regeln für eine gesunde Ernährung.

Frühe Prägung: Rosenkohlgeschmack im Fruchtwasser.

Die Ernährung bekommt in der Schwangerschaft eine neue Bedeutung. Die werdende Mutter isst nicht nur für sich, sondern versorgt über Plazenta und Nabelschnur auch das Baby; qualitativ hochwertige Nahrungsmittel begünstigen dessen gesunde Entwicklung. Vitalstoffreiche Kost ist aber auch für die schwangere Frau wichtig, ihr Organismus vollbringt in den neun Monaten eine wahre Höchstleistung.

Essen für zwei heisst nicht, dass jetzt regelmässig doppelt so viel Apfel-Crumble oder Cheesecake geschlemmt werden soll, auch wenn manche Schwangere hin und wieder von Heisshungerattacken heimgesucht werden. Der Kalorienbedarf ist nämlich erst nach den ersten drei Monaten erhöht und auch dann nur um 200 bis 300 Kalorien täglich. «Ausserdem ist während der Schwangerschaft der Stoffwechsel angeregt», sagt Angela Kuck, Chefärztin Gynäkologie und Geburtshilfe im Paracelsus-Spital Richterswil ZH. «Die Nahrung wird also besser verwertet als sonst.»

Aufs Bauchgefühl hören

Ernährungsfachleute gehen heute davon aus, dass die «richtige» Ernährung individuell ist. Ein Beispiel: Menschen mit einem stabilen Insulinspiegel fühlen sich nach einem üppigen Teller Pasta pudelwohl, während Gluten-Sensible nach der gleichen Mahlzeit mit Bauchgrimmen und Flatulenz zu kämpfen haben. Der Körper weiss und signalisiert also, was er braucht und was ihm guttut oder schadet. Deshalb darf der unbändigen Lust auf Hirsebrei oder Oliven in der Schwangerschaft ruhig nachgegeben und dem Bauchgefühl vertraut werden. Viele Schwangere haben auch eine natürliche Abneigung gegen Kaffee oder Alkohol. Ein bis zwei Tassen Kaffee sind allerdings unbedenklich, während auf Alkohol unbedingt ganz verzichtet wird.

Laut Angela Kuck soll die Ernährung in der Schwangerschaft folgende drei Kriterien erfüllen:

  1. Vielseitigkeit. Die Lebensmittelpyramide dient der Orientierung, das heisst, Gemüse, Obst und Beeren machen den Löwenanteil des Speisezettels aus. Wenig Raum an der Spitze der Pyramide nehmen Snacks, Süssigkeiten oder Süssgetränke ein.
  2. Verarbeitete Nahrung meiden. Konserven, Fertiggerichte oder denaturierte Lebensmittel enthalten wenig Vitalstoffe, dafür oft ungünstige Zusatzstoffe, viel Salz, Zucker oder ungesunde Fette.
  3. Frische saisonale und regionale Lebensmittel aus verantwortungsbewusster Produktion. Sonnengereiftes Gemüse und Obst enthalten deutlich mehr wertvolle Inhaltsstoffe als unreif geerntetes. Lange Transportwege und Massentierhaltung begünstigen die Vermehrung von Keimen und können zu Lebensmittelvergiftungen führen.

Schwangere Frauen sind anfälliger für krankmachende Keime. Infektionen mit Toxo plasmose, Listerien und Salmonellen, die durch das Essen übertragen werden, können auch das ungeborene Kind schädigen oder zu einer Frühgeburt führen. «Wer auf die Herkunft der Nahrungsmittel und die Hygiene achtet, kann jedoch das Risiko einer Ansteckung praktisch ausschliessen», sagt Angela Kuck. Folgendes gilt es zu beachten:

  • Toxoplasmose. Jeder zweite Erwachsene ist durch eine vorgängige Infektion bereits immun. Deshalb ist es sinnvoll, zu Beginn der Schwangerschaft einen Test zu machen. Bei fehlender Immunität muss auf rohes oder halbgegartes Fleisch verzichtet werden. «Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass man sich durch den Verzehr von Salami oder Bündnerfleisch ansteckt», sagt Kuck. Weil Toxoplasmose auch über Katzenkot übertragen wird, soll Salat immer gründlich gewaschen werden. Wer eine Katze hat, bleibt dem Katzenklo fern.
  • Salmonellen. Diese Keime sind bei Temperaturen zwischen 10 und 40 Grad aktiv und kommen vor allem in rohen Fleischwaren, besonders in Geflügel vor. Ebenso in Speisen, die aus rohen Eiern hergestellt werden wie Mayonnaise oder manche Desserts. Wichtig ist, dass diese Lebensmittel nur kurze Zeit ungekühlt sind und ihre Herkunft beachtet wird. Hühner aus grossen Geflügelfarmen sind deutlich krankheitsanfälliger als solche, die in kleinen Populationen leben.
  • Listerien. Diese Bakterien sind praktisch überall zu finden und vermehren sich sogar noch bei Kühlschranktemperaturen. Anfällig sind geschnittene und abgepackte Salate oder Früchte, rohe Fleischerzeugnisse sowie Weichkäse aus Rohmilch. Kuck: «Unbedenklich ist Hartkäse aus Rohmilch, ebenso Camembert.»

Die Ernährungsweise der Mutter hat noch einen weiteren Einfluss auf das Kind: Der Geschmack des Fruchtwassers und des Nabelschnurbluts verändert sich je nachdem, was die Mutter gegessen hat. So lernt das Kind Fenchel oder Rosenkohl beispielsweise schon im Mutterbauch kennen und die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass es durch die frühe Prägung diese Gemüse später mögen wird.


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