Menü
BGDKGF(1)

Wandern

5 Gletschererlebnisse für Familien

Die Gletscher schmelzen. Höchste Zeit, unseren Kindern die Naturwunder zu zeigen. «wir eltern» erkundete die schönsten Gletscherwanderungen für Familien. Tipps für Erlebnisse im Val Roseg, beim Morteratschgletscher, beim Triftgletscher, dem Oberaargletscher und im Eispavillon Saas Fee.

Der Klimawandel macht den Gletschern in der Schweiz zu schaffen, bis ins Jahr 2100 wird es in der Schweiz kaum mehr Eisflächen geben. Bedauerlich, dass die Generation unserer Kinder und Enkel womöglich die letzte ist, welche die gewaltigen Eisbrüche und Eiszungen noch erleben kann! Weil die Kinder von heute aber auch die Naturschützerinnen und Umweltaktivisten von morgen sind, liegt es an uns Eltern, ihnen die Natur nahezubringen. Überzeugungskraft braucht es dafür nicht viel: Blauzerklüftete Eismassen, Moränen und Gletschertische faszinieren Kinder ohnehin.

Bei einigen Wanderungen ist der Zugangsweg zum Gletschertor kinderwagentauglich. Für Gletscherüberquerungen sollten die Kinder im Schulalter und trittsicher sein. Eltern ohne Erfahrung im alpinen Gelände wird empfohlen, einen Bergführer zu buchen.

  • Val Roseg (GR)

    Val Roseg (GR)

    Gletscherpfad und Pferdekutsche

    Mit der Corvatsch-Seilbahn geht es im Nu zur Mittelstation Murtèl, wo wir die Wanderschuhe schnüren. Die Fuorcla Surlej ist bereits in Sichtweite und ein idealer Ort für ein Picknick vor der grandiosen Kulisse des Piz Bernina. Der Höhenweg eröffnet mit jedem Schritt mehr Einblick ins hintere Val Roseg und seine Gletscherwelt. Auf einer Aussichtskanzel thront die Coazhütte und versprüht den Charme der 1960er-Jahre. Trotz Hüttennostalgie ist auch hier die Zeit nicht stehen geblieben und seit 2018 gibt es einen Erlebnispfad, der die Besucher von der Hütte bis zum Gletschertor führt.

    Neugierige Kinder können orangefarbenen Punkten folgen, über die vom Gletscher geschliffenen Felsen und vorbei an Schmelzwasserseen. Der Weg bietet Gelegenheiten zum Kraxeln, Plantschen und Spielen. Auf dem Abstieg ins Val Roseg verzücken pfeifende Murmeltiere, am Talboden lädt der türkisfarbene Lej da Vadret zum Verweilen und «Sändelen» ein. Beim Hotel Roseg Gletscher vertreiben wir die Zeit bis zur Abfahrt des Pferde-Omnibusses wunderbar beim legendären Kuchenbuffet, derweil sich die Kinder mit noch erstaunlich viel Energie auf dem Spielplatz austoben.

    Françoise Funk-Salami

    Highlights: Gletscherpfad bei der Coazhütte und Pferdekutsche im Val Roseg

    Alter: ab 6–8 Jahren

    Dauer der Wanderung: 1. Tag: 2–3 Stunden (T2)/ 2. Tag: 3–5 Stunden (T3)

    Hinweis: Trittsicherheit erforderlich, beim Gletscherpfad empfiehlt es sich, für jüngere Kinder eine Reepschnur mitzunehmen.

    Verpflegung: Berghaus Fuorcla Surlej, Chamanna Coaz, Hotel Roseg Gletscher

    Unterkunft: Chamanna Coaz (2610 m)

    ÖV/Parkplatz: Seilbahn Corvatsch, Pontresina

    Infocoaz.ch, roseg-gletscher.ch

  • Triftgletscher (BE)

    Hängebrücke ersetzt Gletscher

    Nach einer kurzen Seilbahnfahrt durch die Triftschlucht gehts steil den steinigen Bergweg hoch. Vorbei an weidenden Schafen und aromatischen Heidelbeeren; Letzteren können wir kaum widerstehen und so dauert der Aufstieg zum Etappenziel etwas länger als die angegebenen eineinhalb Stunden. Plötzlich liegt er vor uns, der Gletschersee, in milchigem Türkisblau und erst bei genauem Hinsehen erkennen wir weit über dem See die mickrigen Reste des Triftgletschers, der ihn speist.

    Die Show stiehlt dem Gletscher aber ein anderes Monument, ein von Mensch und Maschine erschaffenes: Da der Gletscherschwund den Zugang zur Trifthütte zur anspruchsvollen Kletterpartie machte, baute die Kraftwerke Oberhasli AG vor zehn Jahren eine Hängebrücke über die Schlucht am Ende des Sees. Mit 750 kg Stahl und 6500 Schrauben. Wir setzen den Fuss auf die erste von 340 Holzplanken. 100 Meter unter uns zwängt sich der Triftbach durch den Felsen. Alles schwankt. Wer die 170 Meter bis zum anderen Ende schafft, hat Nerven wie Stahlseile.

    Statt weitere dreieinhalb Stunden zur Trifthütte zu wandern, kehren wir um und sind bereits in 40 Minuten bei der Windegghütte. Hier gibt es ebenfalls tolle Aussicht, hausgemachten Apfelkuchen und wer mag, bleibt über Nacht. Beim Abendessen helfen die Kinder freiwillig beim Auftragen und Abräumen – liegts an der Bergluft oder an den freundlichen Hüttenwartinnen?

    Veronica Bonilla Gurzeler

    Highlights: Das federnde Gefühl im Magen beim Überqueren der Hängebrücke. Übernachten in der Windegghütte und vor allem die unendlich vielen Sterne am Himmelszelt beim nächtlichen Gang auf die Aussentoilette.

    Alter Kids: ab ca. 6 Jahren. Alpingebiet und immer wieder rutschig, also unbedingt Wander- oder Trekkingschuhe tragen.

    Dauer der Wanderung: Bergstation Triftbahn–Hängebrücke–Windegghütte (Familienweg) 2h10min. Bergstation Triftbahn–Trifthütte 4,5–5 h.

    Verpflegung und Übernachtung: Windegghütte, Trifthütte.

    Ausgangspunkt: Talstation der Triftbahn, Parkplätze vorhanden. Mit ÖV bis Nessental, Triftbahn.

    Info: Reservation Triftbahn online möglich und an Wochenenden dringend empfohlen. Hüttenübernachtung Erwachsene Fr. 40.–, Kinder bis 5 J. gratis, bis 11 J. Fr. 21.–, Online-Reservation möglich. ➺ grimselwelt.ch/bahnen/triftbahn, windegghuette.ch, trifthuette.ch

    Triftgletscher (BE)
  • Morteratsch (GR)

    Morteratsch (GR)

    Der Gletscher schrumpft, der Weg wächst

    Der Gletscherweg Morteratsch wird jährlich länger, denn das Eis zieht sich zurück: etwa 18 Meter, Jahr für Jahr. Auf dem gut ausgebauten, Kinderwagen- und Laufvelo-tauglichen Schotterweg passieren Besucher 16 Pfosten mit Zahlen und Informationen aus vergangenen Jahrzehnten. Sie zeigen, bis wohin der Gletscher im jeweiligen Jahr reichte. Gletscherschwund anschaulich und eindrücklich dargestellt!

    Ist der Anblick des Bergpanoramas aus der Ferne noch eisig-glitzernd, übernimmt der Eindruck von Grau in Grau, je näher man dem Gletscher kommt: Wo er sich zurückzieht, hinterlässt er erst einmal eine Geröllhalde. Unterwegs zieht ein Bächlein die Kinder an, auch das Suchen nach den sieben Stempeln, die das Rätsel im Pixi-Büchlein über Berggeist Sabi auflösen, bietet ihnen Kurzweil auf dem Pfad.

    Zuvorderst im Bereich der Schwemmebene warnen Schilder vor Steinschlag. Tatsächlich rutschen ab und an Steine die Seitenmoräne hinunter. Das leuchtend blaue Tor in der gigantischen Eiszunge, aus dem das milchige Schmelzwasser in den Gletschersee schiesst, macht aber auch vom sicheren Weg aus Eindruck.

    Karen Schärer

    Highlights: Die Wanderung zum Morteratschgletscher lässt sich bestens mit einer Zugfahrt im Bernina Express nach Cavaglia verbinden, wo es tiefe Gletschermühlen zu sehen gibt, die vom Palügletscher gestaltet wurden.

    Alter Kids: Ab 0 Jahre

    Dauer der Wanderung: 2 x ca. 50 Minuten, denselben Weg zurück

    Verpflegung: Restaurant Morteratsch beim Ausgangspunkt

    ÖV/Parkplatz: Zug-Haltestelle Morteratsch, Parking beim Hotel/Restaurant Morteratsch (Fr. 1.–/Std.)

    Infopontresina.ch, bernina-glaciers.ch

  • Oberaargletscher (BE)

    Am Ursprung der Aare

    Es sind gleich vier gewaltige Eisströme, die von den östlichen Berner Alpen in das Haslital hinabsteigen. Einer davon ist der Oberaargletscher, dort, wo die Aare als junger Fluss entspringt. Wir als Solothurner wollen den Geburtsort «unseres» Flusses besuchen und reisen ins Berner Oberland.

    Angekommen bei unserem Ausgangspunkt, dem Berghaus Oberaar, tauchen wir ein in die Welt von Urgestein und Urgewalt. Der Mensch wird hier auf das Wesentliche reduziert, man wird still: atmen, riechen, schauen. Über uns gewaltige 4000er Berner und Walliser Berggipfel, unter uns die Wassermassen des Oberaar-Stausees. Die Route führt uns vom Berghaus über die Staumauer am Nordufer des Sees entlang und wird zum gemütlichen Wanderweg. Wir geniessen die wärmende Sonne, treffen auf flinke Murmeltiere, die sich flugs in ihren Höhlen verstecken, wenn das Wächtermurmeltier mit einem lauten Pfiff die Genossen warnt.

    Am Ende des Wanderweges kommen wir dort an, wo einst meterdicke Eisschichten waren und heute eine weite Geröllhalde ist, mit Steinen und Steinblöcken, und den Wasserläufen, die sich formieren und irgendwann zu jener Aare werden, die wir kennen.

    Die Kulisse ist atemberaubend, das Naturwunder Gletscher schmiegt sich weit hinten breit zwischen den Bergen auf die Felsen. Weitere rund 30 Minuten dauert der Weg auf der Geröllhalde bis zur Gletscherzunge. Und dann sind wir angekommen. Beim ewigen, aus einer anderen Zeit stammenden Eis.

    Anita Zulauf

    Highlights: Der Ursprung der Aare, die Murmeltiere, der klare See, die Bergwelt und natürlich der eindrückliche Gletscher.

    Alter Kids: Ab 6 Jahren. Alpingebiet; Trittsicherheit; Wander- oder Trekkingschuhe.

    Dauer der Wanderung: Ein Weg rund 70 Minuten; bis zur Gletscherzunge weitere 30 Minuten.

    Verpflegung: Berghaus Oberaar.

    Parkplatz/ÖV: Berghaus Oberaar; die Panoramastrasse ab Grimsel-Passhöhe ist nur in einer Richtung befahrbar und alle 30 Minuten offen. ÖV: mit dem Zug nach Meiringen, per Postauto bis Haltestelle Grimsel Passhöhe, Fussmarsch zum Berghaus ca. 1,5 Stunden.

    Info: grimselwelt.ch/grimselhotels/oberaar

    Oberaargletscher (BE)
  • Eispavillon Saas Fee (VS)

    Eispavillon Saas Fee (VS)

    Der Zauber tief im Berg

    Es würde einen nicht wundern, wenn Elsa aus «Frozen» gleich um die Ecke wirbeln würde. Hier spiegelt sich farbiges Licht im Eis, dort glitzern Kristalle... Magisch und zauberhaft wirkt die Eiswelt oben im Inneren des Allalin-Gletschers. 40 Meter unter der Gletscheroberfläche warten im Eispavillon auf 5000 Kubikmeter Eisformationen, Tierskulpturen aus Eis gefertigt, ein Eisprinzessinnen-Thron – und auch eine Eisrutsche für Kinder, die es weniger mit Staunen und Magie, dafür aber mit Geschwindigkeit und Spass haben. Wichtig: Auch im Hochsommer nicht vergessen dicke Jacken und feste Schuhe anzuziehen, denn im Inneren des Pavillons herrschen 3 Grad.

    Klar sind Gletscher an sich schon ein Wunder, das ein bisschen zu betonen, wird aber doch erlaubt sein. Kleiner Wermutstropfen: Billig ist das kühle Vergnügen nicht (siehe Homepage). Naja, darüber kann man sich ja dann im auf 3500 Metern gelegenen Allalin-Drehrestaurant hinwegtrösten. Am besten mit einem Eis.

    Caren Battaglia

    Highlights: Der Blick auf die 4000erBergwelt ringsum. Und dass nicht nur Kinder ganz still werden, wenn es vom hellen Sommer-Sonnenlicht ins glitzernde Eis im Inneren des Berges geht.

    Alter Kids: ab 6 Jahre (mit Jacke und festen Schuhen!)

    Dauer der Wanderung: 2 bis 4 Stunden einplanen, es gibt ja nicht nur den Eispavillon zu sehen.

    Verpflegung: Drehrestaurant Allalin auf 3500 Metern. 360-Grad-Blick

    ÖV/Parkplatz: Saas Fee ist autofrei. Bus oder Parkhaus vor dem Ort.

    Infosaas-fee.ch/berge/aktivitaetenamberg/eispavillon

Auch lesenswert