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Einfluss der Psyche auf die Fruchtbarkeit

Der Stress mit dem Kinderwunsch

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Der Kinderwunsch kann so stark sein, dass er den Körper blockiert. Ein Teufelskreis oder nur ein Mythos?

Der Körper reagiert auf die Psyche, das hat die moderne Medizin inzwischen längst anerkannt. Stress ist nebst hormonellen und organischen Störungen ein weiterer Grund, wieso eine Frau nicht schwanger wird. Das kann Stress sein in der Beziehung, mit dem Job oder andere Probleme, die die Psyche belasten. Während bei der Frau Stress dazu führt, dass die Eireifung ausbleibt und der Zyklus somit unregelmässig wird, vermindert Stress bei Männern die Samenqualität.

Einige Mediziner vertreten gar die Theorie, dass eine Frau, obwohl sie sich ein Kind wünscht, unbewusst Angst haben kann vor einer Schwangerschaft und einem Kind und deshalb ihr Körper gar nicht erst Eizellen heranreifen lässt – als Schutzmassnahme sozusagen.

Paaren, die erfolglos versuchen, ein Kind zu zeugen, raten Ärzte, auch mal ihre Beziehung zu überdenken. Auch die Sitzungen bei einer Psychologin oder einem Psychologen könnten helfen.

Abgesehen von unterbewussten Ängsten oder ungelösten Beziehungsproblemen kann auch der Kinderwunsch selbst ein Paar massiv unter Druck setzen. Jedes Mal wenn bei der Frau die Regel einsetzt, macht sich beim Paar Enttäuschung breit. Das Warten auf das Kind geht weiter. Und die Enttäuschung und der Schmerz können sich weiter auf die Unfruchtbarkeit auswirken.

Stress irritiert Hormone

Paare, die auf ein Kind warten, stehen nicht selten unter hohem Erwartungsdruck, den sie sich auch selber auferlegen. Ein andauernder Zustand innerer Spannung löst Stress aus. Und je mehr sich Mann und Frau unter Druck setzen, desto stärker können die an der Fruchtbarkeit beteiligten Hormone irritiert werden.

Wie können sich Paare aus dem Teufelskreis befreien? Ein Medikament gegen den Erwartungsdruck gibt es keines. Der Verein kinderwunsch.ch rät Paaren den Kinderwunsch und ihre Beziehung anhand der folgenden Fragen zu besprechen. Dabei sollten Paare einander gegenüber so offen wie möglich sein, auch wenn das vielleicht weh tut:

  • Was bedeutet uns ein Kind?
  • Was bedeutet das Kind für unsere Partnerschaft
  • Wer von uns beiden leidet mehr unter der Kinderlosigkeit?
  • Wie stehen wir zur Adoption?
  • Wie könnte unser Leben ohne Kind aussehen?

Ist die psychische Blockade nur ein Mythos?

Einige Experten behaupten, durch Unfruchtbarkeit wehre sich eine Frau unbewusst gegen ein Kind. Der deutsche Psychologe Tewes Wischmann sagte dagegen im Deutschen Ärztebatt: «Das konnte wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen werden». Seit Jahren untersucht und berät er Paare, die ungewollt keine Kinder bekommen. Die Ergebnisse seiner Studie räumen mit Vorurteilen auf, die sich um diese Paare ranken.

- Vorurteil 1: Ungewollt kinderlose Paare haben psychische Probleme, die Unfruchtbarkeit zur Folge haben. Nein, sagt Pschologe Wischmann. Ungewollt kinderlose Paare sind psychisch nicht auffälliger als Eltern. Doch können Unfruchtbarkeit und reproduktionsmedizinische Behandlungen kinderlose Paare auf Dauer sehr belasten. So sind unfruchtbare Frauen auf Dauer ängstlicher und depressiver. Wischmann kommt zum Schluss, dass psychische Probleme häufig die Folge und nicht die Ursache von Kinderlosigkeit sind.

- Vorurteil 2: Ungewollt kinderlose Paare sind mit ihrer Partnerschaft unzufriedener: Auch das stimmt nicht, sagt Wischmann. Diese Paare sind in ihrer Partnerschaft nicht unzufriedener als Eltern. Sie erhoffen sich auch nicht unbedingt, dass ein Kind ihre Partnerschaft verbessert

- Vorurteil 3: Wenn unfruchtbare Paare ihren Kinderwunsch aufgeben oder sich nicht mehr so darauf fixieren, wird die Frau schwanger. Laut Wischmann bringt es einem Paar kaum etwas, seinen Kinderwunsch aufzugeben. Denn Untersuchungen haben ergeben, dass sich bei unfruchtbaren Paaren, die ihren Kinderwunsch aufgegeben haben, nicht häufiger «spontan» eine Schwangerschaft einstellte als bei Paaren, die sich noch Kinder wünschten.

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