Menü

Blog

Zu müde zum Erziehen? Niemals!

Eltern massregeln Teenie.

Auch wenn die Kinder uns den letzten Nerv rauben, im Ernstfall müssen wir die letzten Reserven mobilisieren können.

Auf die Gefahr hin, mich (wieder einmal) unbeliebt zu machen: Ich bin der Ansicht, dass man nie zu müde ist, zu erziehen. Selbst wenn man schon halb ohnmächtig ist vor Müdigkeit oder man noch so wenig Nerven hat, dass einem das nächste Widerwort zum Heulen bringt. Oder anders gesagt: Auch dann, wenn wir denken, wir schaffen es nicht mehr, konsequent zu sein, sollten wir es noch versuchen. Ansonsten, so bin ich überzeugt, müssen wir eine Niederlage einstecken, die schwerer wiegt als bloss ein zugedrücktes Auge.

Ich erkläre mich: Ich bin ein grosser Prinzipienreiter, der der Meinung ist, dass Erziehung vor allem auch im Kleinen geschieht. Und dass es Präzedenzfälle braucht und es Situationen gibt, in denen man keinesfalls nachgeben sollte. Natürlich zählt am Ende die Stossrichtung, ein liebevolles Vorleben von Werten blablabla, wir können nicht nonstop erziehen und nicht permanent konsequent sein, aber es gibt wichtigere Schlachten und weniger wichtige. Und wichtig wird es in meinen Augen immer, wenn die Kinder das Gefühl bekommen, sie hätten uns im Griff. Und das ist eben dummerweise genau dann der Fall, wenn wir schwächeln. Kinder spüren das und sehen den Moment gekommen, an dem sie uns den Rest geben können.

Und das funktioniert auch viel zu oft, wir geben nach, weil wir keine Energie mehr haben, noch länger Contra zu geben. «Also gut, dann schaust halt noch dieses Youtube-Video zu Ende», «okay, okay, nimmst dir halt noch ein Glacé», «aber in 20 Minuten bist du dann aber zuhause.» Genau das sollten wir aber nicht tun. Weil wir so nämlich eine schicksalsträchtige Schlacht verlieren. Der nächste Angriff wird doppelt so hart kommen und wir werden uns noch intensiver verteidigen müssen.

Denn Konsequenz verlangt Konsequenz. Geben wir nach, vermitteln wir, dass es jeweils Verhandlungsspielraum. Und wenn Kinder Verhandlungsspielraum wittern, dann löchern sie uns noch mehr. Darum: Keine Schwäche zulassen, nicht mal dann, wenn wir am Boden sind.

Natürlich müssen wir uns auch fragen, ob es sich lohnt, in dieser Angelegenheit konsequent zu bleiben. Aber diese Überlegung muss zu Beginn stattfinden. Haben wir uns einmal entschieden, konsequent zu sein, müssen wir es durchziehen. Ohne Wenn und Aber.

Und alle, die jetzt denken «So ein Idiot, der hat ja keine Ahnung von Kindern, kommt mit so einer martialischen Sprache und unsäglichen Vergleichen, wo bleibt denn da die Liebe und das Verständnis, wir sind doch keine Tiere und Kinder sind keine Bösewichte», denen sage ich: Wartet mal ab, bis euer Kind in die Pubertät kommt. Falls ihr schon eines habt und es macht keine Probleme, herzliche Gratulation, ihr habt einen Teenager (von schätzungsweise 5 weltweit), der nicht anstrengend ist.

So, das musste mal raus. Denn jetzt kann ich es jederzeit mantra-mässig durchlesen, wenn ich mir mal wieder einbilde, ich sei zu müde, um konsequent zu sein.


Das könnte Sie auch interessieren: Sieben Punkte, die sich im Leben unserer Bloggerin Claudia Joller verändert haben, seit sie Mutter geworden ist. Lesen Sie den Blogbeitrag hier.

Auch lesenswert