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Elternkolumne

Wer glaubt schon einer Erstlingsmutter

Das erste Mal Mama zu werden hat so seine Tücken: Fachleute zweifeln gerne mal am Verstand der Neo-Mama. Die Autorin Serafina Di Bella empört sich über ignorante Ärzt* innen.

Nach der Geburt unseres Sohnes kamen wir elf Monate lang nicht zur Ruhe. Alle 20 Minuten hat er geschrien. Tag und Nacht. Es dauerte immer ein bis zwei Stunden, bis er wieder einschlief, um nach 20 Minuten wieder loszubrüllen.

Die schöne Vorstellung mit Baby auf dem Bauch auf der Couch zu liegen und einfach die Zeit zu geniessen – weg! Aus der Traum. Mit dunkeln Augenringen, übermüdet und so gereizt, dass selbst der Tod Angst vor mir hatte, kratzte ich immer wieder meine letzte Kraft zusammen. Das Gefühl, mein Kind könnte ein ernsthaftes Problem, Schmerzen haben, wurde immer stärker.

Als Erstlingsmama bei Ärzten um Hilfe zu bitten, ist aber etwa so, als würde man sich mit einer Stunde Wartezeit fünf Minuten aufs Klo setzen. Am Ende kommt das Gleiche raus.

Denn die Antwort auf die ärztliche Frage, ob es mein erstes Kind sei, war der Anfang vom Ende. Ich wurde von den Fachpersonen in eine Schublade gesteckt. Drauf stand: ahnungslose, hysterische und überforderte Erstmama. Ohne mein Baby ernsthaft zu untersuchen, lauteten die Diagnosen: Dreimonatskoliken oder Schreikind (wegen unfähiger Eltern). Wie geht das? Haben die eine Glaskugel irgendwo im Hinterzimmer? Röntgenaugen oder den sechsten Sinn? Ich weiss nur, dass ich mit einem schreienden Baby und voller Verzweiflung immer wieder nach Hause geschickt wurde.

Die Zeit der Dreimonatskoliken war irgendwann mit einer Toleranz von zwei Monaten bereits verstrichen. Nächster Schritt, eine Schreiambulanz. Hier sind Spezialisten, die werden helfen, habe ich mir gedacht. Aber wieder wurde meine Hoffnung mit der Frage zerstört: Ist es Ihr erstes Kind? Ja, ja und noch mal ja. Was spielt das für eine Rolle? Für die Spezialisten dort anscheinend eine sehr grosse. Keine weiteren Fragen. Keine Untersuchung. Mit nur einem Blick wurde mein Sohn für gesund befunden. Dafür wurde mir eine psychologische Beratung empfohlen. Wie konnte ich es als unwissende und unfähige Erstlingsmutter auch nur wagen, vorstellig zu werden mit der reinen Vermutung, mit meinem Sohn könnte etwas nicht stimmen?

Man gab mir den Rat, mein weinendes Baby bitte nicht immer auf den Arm zu nehmen, mein Kind so lange schreien zu lassen, bis es vor Erschöpfung einschläft. Wow! Na, hier gaben sich die Fachleute aber mal richtig Mühe! Ich war geplättet von deren Fähigkeit und Expertise.

Wir halten fest: Mein Baby weint und schreit alle 20 Minuten, kein Arzt und keine Ärztin weiss wirklich warum. Aber laut den Medizinern ist mein Sohn ein Schreibaby, weil ich eine hysterische Hypermami bin. Konnte es wirklich sein, dass wir ein Schreibaby wegen elterlichem Versagen haben? Bin ich einfach nicht für das Muttersein gemacht? Mit einem Arschtritt trieb mir meine Intuition diese Gedanken aus – weitersuchen war die Devise.

Hallo Welt der Naturheilkunde. Von der Geburtstrauma-Behandlung bis hin zur Geisteraustreibung war alles dabei. Das Geld war weg, das Problem noch da. Aber aufgeben? Niemals! Mein Baby hatte ein Problem und ich fühlte es.

Ein letzter Versuch noch. Ein Osteopath. Er hörte zu und fand das Problem. Verschiebung der unteren Schädelbasis. Mein Baby hatte Tag und Nacht fürchterliche Schmerzen. Meine Intuition hatte recht behalten. Mein Sohn schläft seither 12 Stunden am Stück. Und ich auch.

Ein Hoch auf die Mama-Intuition!

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