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Trennen oder nicht?

getrennte Wege

Sollen sich Eltern von Kleinkindern trennen, wenn die Beziehung nicht gut ist? Ja, meint Buchautor Thomas Meyer. Doch so einfach ist die Sache nicht.

Vor bald einem Jahr sprach ich mit dem Zürcher Autoren Thomas Meyer über sein Buchprojekt «Trennt euch».

Nun ist das Buch erschienen. Im Grunde handelt es sich um eine ausführliche Variante der bereits im Interview erwähnten Punkte:

  • Gemäss Meyer leben ein Grossteil der Menschen in Beziehungen, die ihnen nicht gut tun.
  • Ihnen rät Meyer, sich zu trennen – um wieder glücklich zu werden.
  • Weil sie zu faul sind, Angst vor den Konsequenzen oder Hoffnung haben, tun dies viele nicht.
  • Meyer glaubt, dass nur wenige Menschen mit einem selbst kompatibel sind. Und dass wir ergo wählerischer sein sollten, mit wem wir uns binden.

Es ist klar, dass man darüber geteilter Meinung sein kann. «Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende», sagen die Anhänger Meyers. «Beim kleinsten Konflikt davonlaufen ist feige», sagen die Kritiker. Natürlich ist beides richtig und es kommt immer auf die Personen und die Situation an. Und das macht die Diskussion schwierig. Weil wir ja den Leidensdruck der anderen nicht beurteilen können, da wir ihn lediglich aus unserer Sicht wahrnehmen.

Es ist ein schmaler Grat zwischen «an unserer Beziehung arbeiten» und «sich am sinkenden Schiff festkrallen». Aber auch zwischen «sich selber treu sein/sich von einer Last befreien» und «vor sich selbst davonlaufen».

Rund um die Meyersche Provokation hat sich aber noch eine weitere Debatte ergeben. Und zwar jene, wie lange man mit dem Vater oder der Mutter seines Kindes zusammenzubleiben hat. Meyer selbst trennte sich von der Mutter seines Sohnes, als dieser vier Monate alt war. Das finden viele rückgratlos und feige. Es sei ja klar, dass sich in dieser Phase die Beziehung verändere und man müsse darum diese Zeit abwarten, die Beziehung quasi hintenanstellen und dann, wenn es sich beruhigt hat, weiterschauen.

«Warum?» kann man (oder Meyer) sich jetzt fragen, «wo ich doch im Moment unglücklich bin?». Wegen der Kinder zusammenzubleiben sei scheinheilig. Welche Kinder sind glücklicher? Jene, deren Eltern getrennt, aber zufrieden sind oder jene, deren Eltern zusammen wohnen, aber ständig streiten?

Mensch, ist das kompliziert. Auch wenn es jetzt nach Poesie-Album klingt: Ich denke, jeder sollte nach seiner Überzeugung handeln (nach reiflicher Überlegung notabene). Etwas zu tun oder nicht zu tun, bloss weil die Gesellschaft das gerne so hätte, ergibt keinen Sinn. Mein Buch hiesse darum wohl «Trennt euch – oder auch nicht».


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