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Schneeschuhwandern

Schneeschuhwandern mit Kindern

Auf Schneeschuhen wandert man oft in kompletter Stille durch die Winterlandschaft, ohne mühsam einzusinken. Ein Erlebnis, das sich auch für Familien bestens eignet. Tipps, was für eine gelungene Schneeschuhtour mit Kindern in den Rucksack muss und drei kindertaugliche Touren für jedes Wetter.

Unsere erste Schneeschuhtour war ein Experiment: Es schneite so stark, als würde Frau Holle alle Bettdecken der Welt gleichzeitig ausschütteln. Wir waren in Flims in den Winterferien, und an diesem Tag müde vom Skifahren, etwas zu faul zum Schlitteln und nicht in der Stimmung, im Hallenbad Gänsehaut zu kriegen. Gleichzeitig waren wir zu unternehmungslustig, um einfach zuhause herum zu fläzen. Wir überlegten uns eine Alternative für diesen Tag, dessen Wetter auf Schneegestöber programmiert war. Wir erinnerten uns, dass da noch ein paar Schneeschuhe im Schopf herum lagen.

Kurzentschlossen nahmen wir die Übersichtskarte des Skigebietes zur Hand. Wir fanden eine pink markierte Schneeschuhtour, die uns passend schien. Auf dieser unserer ersten Tour von Plaun bis zu den Bergbahnen Flims sass unsere Kleinste noch quietschvergnügt in der Trage auf dem Rücken meines Mannes und genoss es, mit der Zunge Schneeflocken einzufangen, während er versuchte, bergabwärts das Gleichgewicht zu halten. Zum Glück hatten wir die Wanderstöcke dabei.

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Markierte Routen werden mit Rücksicht auf Wild- und Naturschutz angelegt.

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Heute stapfen wir mittlerweile zu viert, alle mit den eigenen Schneeschuhen an den Füssen, durch winterlich verschneite Schneelandschaften und geniessen dieses entschleunigte Draussensein. Oftmals entscheiden wir spontan, ob wir auf eine Tour gehen. Je nach Wetter und Schneesituation. Was wir daran besonders schätzen: Wir sind unabhängig und können auf diese Weise sehr verspielt unterwegs sein.

Denn die Kinder haben ihre eigenen Tricks entwickelt, wie sie die vermeintlich langweilige Schneeschuhwanderung mit viel Action anreichern und so ihre eigenen Ninja-Parcours erfinden: Sie hüpfen wie die Schneefrösche mit ihren überdimensionalen Flossen unter lautem Gejohle in das weiche Weiss und bewerfen sich dabei mit frischem Pulverschnee. Dabei glitzert ein funkelndes Winter-Feuerwerk über ihren Köpfen. Oder sie rennen breitbeinig den Hang hinunter und müssen fest darauf achten, dass sie sich nicht in rollende Sushis verwandeln. Wenns etwas ruhiger werden soll, haben wir ein Seifenblasen-Röhrchen mit dabei. Je nach Temperatur, und wenn man ganz vorsichtig bläst, entstehen zauberhafte Eiskugeln.

Zu viert entschleunigt

Das Tolle und Entspannende am Schneeschuhwandern ist, komfortabel über den Schnee zu laufen ohne mühsam einzusinken. So bleibt genügend Zeit, die Stille und den Anblick der weissen, wattigen Winterlandschaft zu geniessen. Auch die Kinder werden dabei ruhiger und schalten buchstäblich einen Gang herunter.

Wenn wir zu viert auf Tour sind, erleben wir ganz unterschiedliche Reaktionen von unseren Mitmenschen. Manchmal ernten unsere Kinder mitleidige Blicke, wenn sie sich an einer Bergstation ihre Schneeschuhe anschnallen, während sich andere Kinder gewandt auf ihre Ski klicken oder sich bequem auf dem Fell im Schlitten ihrer Eltern einnisten. In den meisten Fällen jedoch grüssen uns andere freundlich und sprechen uns auf die Schneeschuhe unserer kleinsten Tochter an. Viele wissen nicht, dass es diese sogar für Kinder gibt. Nachdem wir uns gegenseitig einen guten Marsch gewünscht haben, sind wir dann wieder in unserem Tempo und meistens alleine als Viererseilschaft unterwegs.

Wenn die Kinder Mühe haben mit Gehen, dürfen sie sich ein Stück weit an einem Seil mitziehen lassen (das haben wir im Rucksack dabei), oder wir nehmen ihnen den Rucksack oder die Stöcke ab und belohnen sie auch mal mit einem extra Stück Schoggi. Pausen ergeben sich auch dann, wenn wir Tierspuren entdecken und grübeln, welchem Tier sie zuzuordnen sind. Eine andere grosse Leidenschaft der Kinder ist es, Eiszapfen einzusammeln, um damit Sträusse zu kreieren. Einzelne Zapfen sind dann auch ein Weilchen mit auf Wanderschaft, weil sie an den Handschuhen festfrieren und diese wie kleine Igel aussehen lassen. Oder sie wandeln sich zu natürlichen Lollis und werden unterwegs weggelutscht.

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Es braucht meist etwas Überredungskunst, bis die Töchter der Autorin (7 und 11) auf eine Tour mitkommen. Danach aber sind sie stets hell begeistert.

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Im eigenen Tempo unterwegs: So bleibt Zeit zum Tierspuren deuten, von Schneewechten hüpfen oder Eiskugeln blasen.

Picknick unter der Tanne

Oftmals braucht es ein wenig Überredungskunst, bis wir die Kinder davon überzeugt haben, mit uns auf eine Schneeschuhtour zu kommen. Und immer, auf den letzten zehn Metern, schwärmen sie, dass es die beste Tour gewesen sei, die sie jemals erlebt hätten. Mittlerweile sind wir gut gewappnet und wissen, was wir auf jeden Fall mit dabeihaben müssen, damit unsere Tour gelingt und die gute Laune von Dauer ist. Neben den warmen Handschuhen und dicken Socken packen wir auch eine Kanne mit warmem Tee und genügend Wasser ein.

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Die Kinder schwärmen von unseren improvisierten Picknicks, bei denen wir irgendwo unter einer Tanne unsere Brote auspacken und manchmal auch einen wärmenden Schluck Buchstabensuppe schlürfen. Wenn wir dann noch auf einem Ast ganz in der Nähe eine Haubenmeise erspähen, wenn wir unseren Atem dampfig ausatmen und zufrieden mit roten Wangen in unsere Brote beissen und sogar eine Prise Schnee in unseren heissen Tee rieseln lassen, dann ist das unbezahlbares Glück.

Unser nächstes Ziel ist es, auf eine zweitägige Schneeschuhtour zu gehen, um irgendwo in einer Hütte zu übernachten. Vielleicht kuschelt sich ja dann noch Yeti mit dazu.


So gelingt die Schneeschuhwanderung mit Kindern

Tour-Vorbereitung
Bei der Vorbereitung ist es wichtig, sich ein klares Bild zur Schneesituation zu machen: Im Pulverschnee fällt das Wandern viel leichter als im sulzigen schweren Frühlingsschnee. Während der Tour sollte man auf keinen Fall von den markierten Wegen abkommen um nicht unnötig Grosswild oder Vögel aus ihrer Winterruhe aufzuschrecken. Zudem gefährdet man dadurch je nach Schneesituation sich selbst (Lawinengefahr). Anfangs empfiehlt sich eine leichte Tour. Der Schwierigkeitsgrad ist immer angegeben. Rundwanderungen lassen sich jederzeit abbrechen und talabwärts wandert es leichter als bergauf. Mit Kindern immer doppelt so viel Zeit einplanen als angegeben, sie haben einen grossen Entdeckungsdrang. Unsere Kinder waren je sechs Jahre alt, als sie zum ersten Mal auf eigenen Schneeschuhen standen.

Gut ausgestattet
Wer sich schichtweise einkleidet, ist flexibel und kann sich frei nach dem Zwiebellook-Prinzip schälen. Diese Ausrüstung hat sich bei uns bewährt:

♦ Teleskop-Wanderstöcke (sie lassen sich bei Nichtgebrauch an den Rucksack binden)
♦ Sonnenbrille oder Skibrille
♦ Warme wasserdichte Winterstiefel (z.B. von Sorel oder Kamik)
♦ Gamaschen als Schutz vor dem Tiefschnee
♦ Hochwertige Schneeschuhe (Kinder-Schneeschuhe gibt es z.B. bei MSR)
♦ Schneehose
♦ Schneejacke
♦ Merino-Unterwäsche
♦ Warme Socken
♦ Fernglas
♦ Ein Stück Seil (um zwischendurch ein Kind ziehend zu entlasten)
♦ Erste-Hilfe-Set
♦ Kamera
♦ Seifenblasen
♦ Pro Person ein Wanderrucksack

Welche Schneeschuhe?
Entscheidet man sich für den Kauf eigener Schneeschuhe, lohnt sich eine sorgfältige Überlegung: Wer meistens mit den Kindern unterwegs ist, braucht kein steifes Alpin-Modell, sondern eines für moderates Gelände. Wir empfehlen, nicht das billigste Modell zu kaufen: Es ist ärgerlich, wenn oben am Berg die Riemen reissen oder Plastikteile abbrechen. Alles schon erlebt.

Stärkung für die Tour
♦ 1 Thermosflasche mit Buchstabensuppe
♦ 1 Thermosflasche mit heissem Tee
♦ 1 Trinkflasche mit Wasser pro Kind
♦ 2 Sandwiches pro Person
♦ Bananenbrot
♦ 1 Tüte Gummibärchen
♦ 1 Tüte gedörrte Mangos
♦ ein paar Riegel
♦ 1 Tafel Schokolade


Schneeschuhtour: Vorschläge für jedes Wetter

Schneeschuhwandern bei Neuschnee und Sonnenschein

Laax, Falera
Schneeschuhtour Nr. 200 Curnius – Falera (talwärts); 4 Kilometer, angegebene Dauer: 1:45

Wir fahren mit dem Sessellift von Falera (GR) oder mit dem Gondeli von Laax bis zur Station Curnius und wandern von dort den pinken Schildern mit der Nummer 200 entlang in Richtung Falera ins Tal. Die Tour ist sehr abwechslungsreich und die Wege führen einmal quer über die Piste, ein anderes Mal durch den Wald oder auf speziell fürs Schneeschuhwandern abgesteckten Pfaden. Auf dieser Tour scheint einem bei schönem Wetter die Sonne herrlich ins Gesicht (Sonnenbrille nicht vergessen) und man kann den Weitblick ins Val Lumnezia geniessen.

Schneeschuhwandern bei Tiefschnee und Schneegestöber

Flims
Schneeschuhtour Nr. 205 Plaun – Runcahöhe (talwärts); 3,6 Kilometer, angegebene Dauer: 1:15 bis hinunter nach Flims

Mit dem Gondeli fahren wir von den Bergbahnen Flims (GR) nach Plaun und wandern zuerst über die flache Ebene an der Langlaufloipe vorbei in Richtung Tal um dann in den Schneeschuhpfad Nummer 205 einzuspuren. Unser Ziel ist die Runcahöhe.

Diese Tour ist unser persönlicher Liebling bei Schneegestöber. Denn sie führt herrlich durch tief verschneite Wälder und über weiche Hügel. In der Runcahöhe kehren wir ein, stärken uns und streicheln – wenn er sich zeigen will – den gutmütigen Bernhardiner. Mit wohligem Gefühl im Bauch gehts danach auf dem Winterwanderweg Nummer 3 in Richtung Bergbahnen Flims.

Schneeschuhwandern bei Sonne und Wind

Arven bei Amden
Arvenbüel – Egg, Schneeschuh-Rundtour 4,3 Kilometer, angegebene Dauer: 2:00

Wir starten bei der Busstation Arvenbüel, Arven bei Amden (SG), durchqueren die Piste und spuren auf die Schneeschuh-Rundtour in Richtung Egg ein. Anfangs gehts ein Stück bergauf. Die Kinder sollten mit vollem Magen starten. Falls doch mal eines einknickt, haben wir ein paar Joker im Ärmel, mit denen wir es unterwegs motivieren können. Zum Beispiel mit Seifenblasen, etwas Süssem oder mit einem Spiel. Hier gehts ein Stück durch den Wald. Wer gut aufpasst, entdeckt immer wieder Spuren von Wildtieren. Der Schneeschuhpfad ist zum Teil eng und wir schreiten hintereinander den Berg hinauf.

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