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Kinderkrankheiten

Warum Masern und Keuchhusten zunehmen

Schutz vor Masern und Keuchhusten ist in der Schweiz problemlos verfügbar. Trotzdem nehmen die Fallzahlen zu.

Der Keuchhusten existiert bei vielen nur noch als Erinnerung. Doch die hochansteckende Infektionskrankheit nimmt seit 2006 wieder zu. Sie tritt jahrein, jahraus in unregelmässigen Abständen an verschiedenen Orten mit kleineren und grösseren Epidemien in Erscheinung. Heute erkranken durchschnittlich in der Schweiz gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) 10 000 Personen pro Jahr an Keuchhusten. 2006 waren es noch 3000 Fälle.

Die durch Bakterien verursachte Krankheit wird durch Tröpfchen übertragen. Charakteristisch sind die schweren, krampfartigen Hustenattacken, die wochenlang andauern können. Insbesondere bei Säuglingen können diese zu Atempausen oder gar zum Ersticken führen. Typische Komplikationen sind Lungenentzündung, Krampfanfälle und Mittelohrentzündung. Für Säuglinge und Kleinkinder verläuft die Erkrankung am schwersten: 30 bis 50 müssen pro Jahr hospitalisiert werden. Diese Altersgruppe macht drei Viertel aller Hospitalisationen wegen Keuchhustens aus.

Impfmüde Erwachsene

Wie kann es sein, dass eine Krankheit vermehrt auftritt, gegen die eine Impfung schützt, die zu den als unerlässlich empfohlenen Basisimpfungen im Schweizerischen Impfplan gehört? «Die Schutzwahrscheinlichkeit durch die Impfung ist nur 70 bis 85 Prozent», sagt Ulrich Heininger, Infektiologe am Universitäts-Kinderspital beider Basel und Keuchhusten-Spezialist. Ausserdem nehme der Impfschutz nach der Impfung wieder kontinuierlich ab. Jugendliche und Erwachsene könnten schon fünf bis zehn Jahre nach der letzten Impfung, aber auch nach einer durchgemachten Erkrankung, erneut an Keuchhusten erkranken – und Säuglinge und ungeimpfte Kinder anstecken. Hinzu kommt die Impfmüdigkeit: Bei Säuglingen sei die Durchimpfung zwar noch mit 95 Prozent sehr gut, sagt Heininger, danach jedoch deutlich geringer. Bis zum Alter von 15 Jahren sind ganze sechs Impfdosen empfohlen, später noch eine Auffrischimpfung bei jungen Erwachsenen im Alter von 25 bis 29 Jahren.

Die Impfung kann frühestens ab dem Alter von sechs Wochen erfolgen. Weil der Säugling in den ersten Lebenswochen über keinen ausreichenden, natürlichen Nestschutz verfügt, impft man seit 2014 auch schwangere Frauen. Auf diese Weise sind die Säuglinge durch die von der Mutter übertragenen Abwehrstoffe gut geschützt. Noch lässt sich erst weniger als die Hälfte der Schwangeren impfen.

«Masern sind unnötig»

Der Bund betreibt einen beträchtlichen Aufwand, um die Bevölkerung fürs Impfen zu sensibilisieren, seit Längerem etwa mit Masern-Kampagnen. Wären 95 Prozent der Bevölkerung geimpft, wären die Masern beseitigt. «Masern sind unnötig», sagt Infektiologe Christoph Berger vom Kinderspital Zürich.

Doch trotz teurer Kampagnen sind erst 87 Prozent der 2-Jährigen und 93 Prozent der 16-Jährigen mit den notwendigen zwei Dosen geimpft. So erkrankten 2017 immer noch mehr als 100 Personen an Masern, vor allem in der Westschweiz, im Tessin und in Graubünden. Mehr als in Vorjahren.

Die Krankheit beginnt wie eine Erkältung mit Husten und Schnupfen, gefolgt von hohem Fieber, dem typischen Hautausschlag und einem erheblich geschwächten Allgemeinzustand. In manchen Fällen treten lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungen- und Hirnentzündungen auf. Die Masernviren werden von Person zu Person durch Tröpfchen übertragen. Jede erkrankte Person kann andere Personen anstecken, schon bevor Krankheitszeichen auftreten.

Nicht nur Impfmüdigkeit verursacht eine ungenügende Durchimpfung der Bevölkerung, sondern auch zu späte und unvollständige Impfungen: «Wenn Kinder rechtzeitig und vollständig geimpft würden, wäre viel erreicht», sagt Christoph Berger. So wurden bei einer Studie Kinderarztbesuch und Impfstand der Kombinationsimpfung Masern, Mumps und Röteln verglichen. Dabei zeigte sich, dass nur gerade 60 Prozent der Kinder im Alter von zwei Jahren wie empfohlen, die notwendige, zweimalige Dosis erhalten haben. «Trotz genügend Arztkonsultationen gab es Impflücken», bilanziert Berger. Dies bedeute, dass die Kinderärztinnen und Kinderärzte die Eltern noch konsequenter auf den Impfstand hinweisen und diesen vervollständigen könnten.

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