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Esther Niffenegger

Arbeitstätige Mütter

Bessere Chefin dank Baby

Trotz Baby arbeitet Esther Niffenegger zu 100 Prozent als Managerin. Ihre Angestellten sind froh, dass sie jetzt Mutter ist.

«Wenn es bei uns nicht klappt, klappt es nirgends. Ein bisschen sehe ich unsere kleine Familie nämlich als Prüfstein für gelebte Gleichberechtigung. Ich will, dass das nicht nur ein leeres Wort ist. Ich habe, bevor ich Mutter wurde, im Job oft davon gesprochen, wie man ein Leben als Familie moderner gestalten kann, habe auf Partnerschaftlichkeit gepocht und auf Emanzipation. Jetzt muss ich das auch einlösen. Und ich will es einlösen. Ich liebe Gaëlle über alles. Trotzdem gehe ich 100 Prozent arbeiten und Simon bleibt bei der Kleinen. Das Gefühl etwas mit ihr zu verpassen, tut mir weh. Aber mein Mann hat auch ein Recht darauf, mal ganz Vater zu sein. Im Mutterschaftsurlaub war ich ja auch ganz Mama. Ich gönne es ihm von ganzem Herzen. Vor dem Baby war ich generell ein bisschen streng. Mit mir, mit allem. Heute bin ich weicher. Ich bin Chefin von rund 50 Leuten. Die sind total froh, dass ich jetzt Mutter bin. Ich habe, seit Gaëlle da ist, mehr Verständnis für sie. Etwa dafür, wenn mal ein Kind krank ist und man sich anders organisieren muss. Ich bin durch mein Baby eine bessere Chefin geworden. So viel Gefühl und Empathie, ja, auch die umfassendere Sicht aufs Leben, die hatte ich vorher nicht. Manchmal habe ich den Verdacht, dass unsere Tochter mich zu einer angenehmeren Person gemacht hat. Ich bin überzeugt, dass meine Karriere davon profitiert. Ich habe jetzt ein offeneres Ohr für meine Mitarbeiter, zum Beispiel für Home Office und flexibleres Arbeiten.

Seit dem Baby bin ich gelassener. Berufliche Probleme stressen mich kaum noch.

Ich mache das auch ab und an und ich würde mir als Kader natürlich niemals Privilegien einräumen, die ich meinem Team nicht zugestehe. Überhaupt bewerte ich Home Office jetzt anders. Die Home-Office-Tage sind die anstrengendsten! Da arbeite ich ja vor allem, wenn die Kleine schläft. Etwa um 22 Uhr. Witzig ist, dass ich von meiner Umwelt positiver wahrgenommen werde, seit ich Mutter bin. Sogar beim Militär, wo ich Offizier bin. Seit dem Baby bin ich gelassener. Berufliche Probleme stressen mich kaum noch, weil sich die Prioritäten verschoben haben. Ich bin sehr organisiert, war ich immer. Aber durch mein Kind bin ich noch organisierter geworden. Zum Beispiel gelingt es mir, beruflich besser ‹Nein› zu sagen. Nicht mehr auf allen Hochzeiten tanzen zu wollen und mich nicht mehr in diversen Projekten zu verzetteln. Auch privat kann ich besser fokussieren und beschränke Kontakte auf Menschen, die mir guttun. Ich habe einen besseren Blick fürs Wichtige.
Durch die Kleine ist mein Interesse für soziale Themen gewachsen und mir ist bewusster geworden, wie wichtig es ist, gezielt zu netzwerken. Dafür engagiere ich mich sehr. Ich habe, seit ich Mutter bin, auch weniger Probleme damit, zu vertrauen und zu delegieren. Ich vertraue Gaëlles Papa beispielsweise 100%ig, dass er es mit ihr richtig macht, obwohl er es anders macht als ich. Auch meinen Schwiegereltern, die uns bei der Kinderbetreuung helfen, vertraue ich. Loslassen können, nicht alles kontrollieren zu wollen, delegieren und sich absprechen zu können – das ist für eine Führungskraft enorm wichtig. Was ich auch weiss, seit wir eine Familie sind: Ich würde meinen Mann jeden einzelnen Tag wieder heiraten. Wir sind happy. Ich hoffe, mein Team ist es auch.»

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Muttersein gibt ihr Kraft für den Job

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Claudia Argentato

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