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Ferien, von denen man sich erst mal erholen muss

Schrecklich genervte Familie

Unser Blogger hat in den Ferien mit der ganzen Bagage drei Städte im Zug bereist. Ein Erlebnisbericht in 25 Learnings.

Um es mal vorweg zu nehmen: Wir haben es überlebt. Aber es war streng, sehr streng. Und das kam so: Meine Frau und ich fliegen nicht besonders gerne, wollten aber wieder mal etwas von der Welt sehen. Wir haben uns 10 Tage freigeschaufelt, diese galt es zu nutzen. Im petto: unsere 2,5-Jährige und ihr zehn Jahre älterer Bruder. Da wir kein Auto haben und auch nur ich Auto fahren könnte, liegt eine Zugreise nahe. Wir hielten uns für ganz schlau und legten es so, dass die Zugfahrten nicht allzu lange (sprich rund 5 Stunden) ausfielen. Konkret: kleiner Abstecher nach München, um Freunde zu besuchen, dann weiter nach Prag, wo wir noch nie waren und schliesslich nach Wien, das ich vor ca. 15 Jahren schon mal im Winter gesehen hatte. Am Ende mit dem Nachtzug zurück. Ganz plausibel. Gestaltete sich aber um einiges komplizierter und anstrengender als wir dachten. Folgendes habe ich daraus gelernt:

  • Ein Kleinkind schläft nicht zwingend dann, wenn es für seinen Energiehaushalt (und den der Eltern) strategisch richtig wäre.
  • Ein 12-Jähriger mit Smartphone und WLAN schert sich keinen Deut, ob er in Prag oder Pratteln ist.
  • Ein 12-Jähriger mit Smartphone ohne WLAN ist unausstehlich.
  • Auch Ende April kann es noch schneien. Und Eis regnen.
  • Das Schöne daran, Schweizer zu sein: Wenn man verreist, ist es immer billiger.
  • Kartenlesen ist und bleibt eine Wissenschaft für sich.
  • Man isst viel zu viel, wenn man wegen schlechten Wetters immer wieder einkehren muss.
  • Wenn es draussen schneit, regnet, windet und kalt ist, ist keine Stadt besonders schön.
  • Die ÖBB sind mindestens genauso gut wie die SBB. (Und mit Sicherheit besser als die DB).
  • Eine Städtereise mit Kleinkind ist noch anstrengender, wenn das Kleinkind partout nicht im Buggy sitzen will.
  • Abends ist in solchen Ferien nicht mehr viel zu wollen. Sex schon gar nicht.
  • Ein Erste-Klasse-Abteil im Schlafwagen der ÖBB ist sehr komfortabel.
  • Ein Erste-Klasse-Abteil im Schlafwagen der ÖBB ist nicht sehr komfortabel, wenn man mit seiner 2,5-jährigen Tochter auf derselben Pritsche schlafen muss (weil sie sonst die ganze Zeit weint).
  • Schichten-Kleidung bringt nicht viel, wenn man – mit gutem Wetter rechnend – eine Schicht zu wenig eingepackt hat.
  • Was die Sprache anbelangt, macht es keinen Unterschied, ob man Prag bereist oder Bangkok. Was die Gastfreundschaft anbelangt schon.
  • Fünf Stunden sind lange, wenn mindestens ein Kind immer nur «fägnäschted». Oder redet. Oder weint. Oder dreimal die Windeln vollkackt (Tochter).
  • Auch ein U-Bahn-Schalter, an dem man weder U-Bahn-Tickets kaufen, noch Geld wechseln kann, kann besetzt sein.
  • Ein Stück Sachertorte lässt einen für einen (kurzen) Moment alle Sorgen vergessen.
  • Der Satz «iss jetzt bitte richtig, es gibt nichts mehr bis 14.00 Uhr» perlt an einem Teenager ab wie alle anderen Befehle, Bitten oder gut gemeinten Ratschläge.
  • Um zu Starbucks, Mac Donald's, Zara oder H&M zu gehen, müsste man eigentlich nicht verreisen.
  • Ruhig ist es nur, wenn die Kinder schlafen. Und dann will man meistens auch nur schlafen.
  • Manchmal ist es ganz heilsam, sich auf einem Wiener Spielplatz anzuschreien, während sich die Kinder für einmal selbst beschäftigen.
  • Es ist schwierig bis unmöglich, den Ansprüchen aller beteiligten Reisenden zu genügen.
  • Pauschalferien sind einfacher.

Und die vielleicht wichtigste Erkenntnis:
Wenn wir solche Ferien überstehen können, dann schaffen wir alles.


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