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Drei genetische Eltern für ein Kind: Wie das geht

In Mexiko ist ein Bub zur Welt gekommen, der drei genetische Eltern hat. Fünf Fragen und Antworten.

  • Ein Kind hat drei genetische Eltern. Wie ist das möglich?

    Im Fall in Mexiko haben Mediziner bei der Mutter den Zellkern einer Eizelle entfernt. Diesen haben sie in die entkernte Spender-Zelle einer anderen Frau eingesetzt. Im Labor wurde die neu entstandene Eizelle mit dem Samen des Vaters befruchtet. Dies nennt sich Spindeltransfer-Methode.

  • Warum wurde diese Methode angewendet?

    Die Mutter leidet an einer seltenen mitochondrialen Erbkrankheit, die bei Kindern das Leigh-Syndrom, eine schwere Stoffwechselkrankheit, auslösen kann. Mit der Spindeltransfer-Methode wird also der gesunde Zellkern der Mutter in die entkernte Zelle mit gesunden Mitochondrien eingesetzt. Sie sind wichtig, weil sie in unseren Zellen für den Energiehaushalt zuständig sind. Sie sind die Kraftwerke unseres Körpers und enthalten 37 Gene.

  • Hat das Baby in Mexiko also wirklich zwei Mütter?

    «Es sind die Gene im Zellkern, welche unsere Eigenschaften bestimmen», sagt Christoph Rehmann-Sutter, Professor für Theorie und Ethik der Biowissenschaften an der Uni Lübeck. Gemäss Rehmann definieren die Gene im Zellkern unser Aussehen und unsere Persönlichkeit. Weil diese Gene unverändert bleiben, wenn gespendete Mitochondrien dazukommen, sei es nicht angemessen von einem «Drei-Eltern-Baby» zu sprechen. Deshalb ist die wirkliche Mutter die, von der der Zellkern stammt.

  • Was halten Experten davon?

    Laut Rehmann weiss man noch zu wenig, wie sicher der Kerntransfer ist, der bei der Spindeltransfer-Methode angewendet wird. «Das Kind in Mexiko ist zum Glück gesund zur Welt gekommen, aber man weiss nicht, was alles schiefgehen kann», sagt der Ethiker. Es sei ein Versuch an einem Menschen. Dabei gebe es Alternativen. Die Eizellenspende (in der Schweiz verboten) sei besser erprobt und sicherer. Adoption wäre eine andere Möglichkeit.

    Die Eltern gehen für das Kind ein Risiko ein, wenn sie den Wunsch, mit dem Kind genetisch verwandt zu sein, höher bewerten. Das ist laut Rehmann ethisch nicht unproblematisch.

    Gemäss Dorit Barlevy vom Institut für Bio- und Medizinethik der Universität Basel ist es ein medizinischer Durchbruch. Frühere Versuche dieser Technik haben zu Frühgeburten und einem frühzeitigen Tod des Kindes geführt. Aber aus einem ethischen Blickwinkel gesehen, blieben die Fragen die gleichen wie bei der Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik. Und dabei geht es um den Wunsch nach dem perfekten Kind. Wie stark die Behinderung eines Kindes ist, kann nicht vor dessen Geburt festgestellt werden.

  • Wäre ein solcher Fall in der Schweiz vorstellbar?

    Die Methode ist im Gegensatz zu Mexiko in der Schweiz nicht legal. Aber gemäss Barlevy ist in der Schweiz das Verfahren in Zukunft denkbar. Aber dies wohl nicht in absehbarer Zeit. Wir haben erst kürzlich die Präimplantationsdiagnostik-Initiative angenommen, während andere westliche Länder diese Technik schon lange anwenden.

Ein Beitrag von Denise Fricker, Nordwestschweiz

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