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Coronavirus

Besondere Gefahr für Schwangere und Babys?

Was bedeutet der Erreger COVID-19 für Schwangere, Gebärende und Neugeborene? Ist eine Ansteckung mit dem Coronavirus über Muttermilch möglich? Erkenntnisse und Empfehlungen.

Der Erreger COVID-19 breitet sich weltweit aus. Schwangere oder Eltern von Säuglingen dürften verunsichert sein. Bedeutet das Coronavirus für sie eine besondere Gefahr? Darf der Partner bei der Geburt trotz besonderen Sicherheits- und Hygienevorkehrungen in den Spitälern dabei sein? Kann eine Frau, die mit dem Coronavirus infiziert ist, ihr Baby stillen? In diesem Artikel finden Sie Informationen zu folgenden Themen und Fragen:

  1. Was bedeutet das Coronavirus für Schwangere?
  2. Kann das Baby vorgeburtlich angesteckt werden?
  3. Geburt mit Coronavirus
  4. Ist das Coronavirus für Neugeborene gefährlich?
  5. Stillen trotz Coronavirus?

Was bedeutet das Coronavirus für Schwangere?

Für schwangere Frauen reichen die vorbeugenden Massnahmen aus, welche das Bundesamt für Gesundheit der Bevölkerung nahelegt. Gut ist, wenn die Schwangere gegen das Influenzavirus geimpft ist – so kann sie nicht gleichzeitig an beiden Infektionen erkranken. Noch ungeimpfte Schwangere können ihre Gynäkologin oder ihren Gynäkologen fragen, ob es sinnvoll ist, die Grippeimpfung auch jetzt noch nachzuholen.

Gemäss der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe SGGG kann bei Schwangeren mit besonderen Vorerkrankungen oder bei Risikoschwangerschaften ein erhöhtes Risiko durch die COVID-19 Erkrankung bestehen. Die SGGG empfiehlt Gynäkologinnen und Gynäkologen allenfalls spezielle Massnahmen festzulegen. Ein Test auf eine Sars-CoV-2-Infektion ist bei Schwangeren sinnvoll, wenn sie typische Symptome einer Infektion zeigt.

Kann das Baby vorgeburtlich angesteckt werden?

Das Coronavirus gehört zu einer Virusfamilie, bei der gemäss Experten nicht mit einer vorgeburtlichen Schädigung zu rechnen ist. Bislang geht man davon aus, dass das Virus im Mutterleib nicht auf den Fötus übertragen wird.
Weder im Fruchtwasser noch in der Plazenta konnte bisher der Virus nachgewiesen werden.

Laut der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe gibt es bisher auch keine Hinweise, dass das Kind vor der Geburt durch eine COVID-19 Infektion geschädigt werden könnte (z.B. Fehlbildungen), wenn die Frau im 3. Trimester der Schwangerschaft infiziert wurde. Bislang gibt es keine Daten zu Erkrankungen von Schwangeren im 1. oder 2. Trimester der Schwangerschaft. Empfohlen wird, die weitere Schwangerschaft engmaschig zu betreuen, falls dieser Fall eintritt. So kann man mögliche Komplikationen früh erkennen.

Geburt mit Coronavirus

Könnte das Baby bei der Geburt mit dem Coronavirus angesteckt werden? Was ist bei der Geburt zu beachten, wenn die Schwangere positiv auf das Coronavirus getestst wurde?

Gemäss führenden Fachorganisationen aus Deutschland, vereint im German Board and College of Obstetrics and Gynecology, gibt es derzeit keine Anhaltspunkte dafür, dass eine Schwangere nicht vaginal gebären kann oder dass ein Kaiserschnitt sicherer ist, selbst wenn eine Coronavirus-Infektion bei der Mutter vermutet oder bestätigt wurde.

Ein Kaiserschnitt kann empfohlen werden, wenn die Atemwegserkrankung der Schwangeren darauf hindeutet, dass eine dringende Entbindung erforderlich ist. Auch eine PDA ist für Frauen mit Verdacht auf oder mit bestätigter Coronavirus-Infektion möglich und durch die SGGG empfohlen, um in einer Notfallsituation auf eine Narkose verzichten zu können.

Wo kann eine Schwangere mit Coronavirus gebären? Gemäss Empfehlungen der SGGG soll die Geburt in der Klinik stattfinden, wo sie von der Frau gewünscht wird, respektive wo sie geplant war. Das Spital sollte telefonisch über die Erkrankung informiert werden, damit das Vorgehen besprochen und entsprechende Massnahmen vorbereitet werden können.

Laut SGGG ist eine Sars-CoV-2 Infektion alleine kein Grund, die Frau an eine Zentrumsklinik zu überweisen, ausser wenn Geburtshilflich-medizinische Gründe oder ein schwerer Verlauf der COVID-19-Erkrankung dies notwendig machen. Sogar eine Geburt im Geburtshaus oder eine Haugeburt sind denkbar. Wichtig ist hier, das Vorgehen mit der Hebamme abzusprechen. Eine frühzeitige Information über die Diagnose ist wichtig.

Strikte Schutzmassnahmen müssen eingehalten werden um das Neugeborene und das Personal bei der Geburt vor einer Übertragung zu schützen. Insbesondere muss das Neugeborene unmittelbar nach der Geburt vor einer Übertragung z.B. durch kontaminierte Schutzanzüge oder Handschuhe von Hebammen oder Ärztinnen geschützt werden. Bei der Geburt sind chirurgische Schutzmasken für das Personal empfohlen.

Darf der Partner trotzdem bei der Geburt dabei sein? Das Besuchsverbot in den Kliniken gilt nicht zwingend auch für Geburten. Während in deutschen Kliniken zum Teil keine Geburtsbegleitung mehr erlaubt ist, erlauben in der Schweiz viele Kliniken eine Begleitperson bei der Geburt, aber danach nicht auf der Wochenbettstation.

Sofern der Partner also keine Symptome einer COVID-19-Erkrankung zeigt, darf er dabei sein, denn die Anwesenheit des Partners bei der Geburt ist wichtig für die Unterstützung der Frau. Ist die Gebärende mit COVID-19 infiziert, muss der Partner eine Schutzausrüstung mitsamt Gesichtsmaske tragen und die Bestimmungen der Geburtsklinik befolgen.

Ist das Coronavirus für Neugeborene gefährlich?

Nach den bisherigen Erfahrungen ist die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf und Todesgefahr bei Säuglingen, wie auch bei Kindern und gesunden Erwachsenen sehr gering. Besteht bei der Mutter ein Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus oder hat ein Test dies bereits ergeben, wird auch das Baby auf das Virus getestet.

Sollte die Mutter eine bestätigte Coronavirus-Infektion haben, kann sie nach der Geburt bei ihrem Baby bleiben, wenn dieses nicht auf der Neugeborenenstation gepflegt werden muss. Eine generelle räumliche Trennung wird zurzeit weder von der WHO noch von der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie empfohlen.

Doch muss das Kind nach der Geburt bei Frauen mit COVID-19-Infektion von einer Übertragung durch die Mutter geschützt werden. Die Massnahmen bespricht das Fachpersonal mit der Mutter. Generell empfiehlt die SGGG im Falle eines Rooming-in einen Abstand zwischen Mutter und Kind von 2 Metern, ausser während dem Stillen, um das Risiko der Ansteckung des Neugeborenen möglichst klein zu halten.

Stillen trotz Coronavirus?

Der Erreger wurde bislang nicht in der Muttermilch infizierter Frauen nachgewiesen. Dies bedeutet, dass ein Weiterstillen möglich ist, selbst wenn die Mutter mit COVID-19 infiziert ist oder als Kontaktperson einer infizierten Person gilt und damit selbst als Verdachtsfall eingestuft ist.

Um eine Übertragung auf ihr Kind zu vermeiden, sollte sie vor dem Stillen ihre Hände gründlich waschen/desinfizieren und einen geeigneten Mundschutz tragen. Beim allfälligen Abpumpen der Muttermilch sollte sie auf intensive Handhygiene achten und die Gefässe und Pump-Sets nach jedem Gebrauch sterilisieren.

Wenn sich das Wissen über das neue Coronavirus weiterentwickelt, können die Empfehlungen angepasst werden.

Quellen: stillen-institut.com, frauenaerzte-im-netz.de, sggg.ch. Letztmals aktualisiert am: 3.4.20

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