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Interview

Frauen und ihr Stress mit dem Busen

Autorin Paula Lambert weiss, warum 83 Prozent der Frauen ihren Busen nicht mögen. Sie hat ein Buch über Brüste geschrieben.

Wir Eltern: Frau Lambert, Sie haben zusammen mit Helmut Ziegler ein, sozusagen, D-Körbchen dickes Buch über Brüste geschrieben. Warum das Thema?
Paula Lambert: Soll ich ehrlich sein? Das war die Idee des Verlags. Nach dem Motto: Brüste gehen immer.

Bei wem? Männern oder Frauen?
Ich vermute fifty-fifty. Aber wahrscheinlich kaufen eher Frauen das Buch.

Laut Studien finden die meisten Männer die Brüste ihrer Partnerin schön. Aber 83 Prozent der Frauen mögen ihren Busen nicht. Merkwürdig, oder?
Nö. Männer sind diesbezüglich gutmütig. Die freuen sich grundsätzlich schon mal, wenn sie Brüste sehen. Frauen dagegen haben eine überzogene Idee von einem Busen, der in der Natur überhaupt nicht vorkommt. Und haben natürlich null Chance, diesem Ideal zu entsprechen.

Warum eigentlich ist das Verhältnis zum Busen so kompliziert? Mit Ohren und Füssen haben wir es doch recht gut …
Weil Brüste so herausstechen. Und weil schon junge Mädchen schnell merken, welchen beachtlichen Effekt ihre Brüste auf die Umwelt haben. Sogar Königinnen haben bei ihren Ränkespielen machtbewusst ihren Busen ins Feld geführt, um zu erreichen, was sie wollten. Von Katharina der Grossen ist das klar dokumentiert.

Frauen wehren sich seit Jahrhunderten dagegen, als blosses Deko-Objekt wahrgenommen zu werden, aber ihre Brüste machen sie fröhlich zum Modeaccessoire. Ist das nicht widersinnig?
Klar, ist das widersinnig. Auch scheinheilig. Die Frage war und ist: Wie präsentieren wir unsere Weiblichkeit? Und welche Konsequenzen hat das? Aber um es klar zu sagen: Keine noch so offensiv dargebotene Brust darf Anlass für einen Übergriff sein.

Wie Verona Pooth mal so schön gesagt hat: Wenn ich im Café ein super lecker aussehendes Törtchen esse, gibt das niemandem das Recht, an meinen Tisch zu kommen und davon abzubeissen.
Exakt. Ich finde nicht, dass ein enges T-Shirt verpönt sein muss. Ich will in einem Land leben, in dem ich mich kleiden kann wie ich will.

Sie selber haben als Teenie, schreiben Sie in dem Buch, Probleme damit gehabt, Ihre grosse Brust zu akzeptieren.
Ja. Ich war ein jungenhaftes Kind, hatte Jungs als Freunde und hab mit denen gespielt. Und auf einmal, peng, kaum hatte ich einen Busen, gehörte ich nicht mehr dazu, war eine andere Spezies. Dazu kamen doofe Witzchen über meine Oberweite. Ich habe mich jahrelang nur geschämt.

So wirken sie heute nicht mehr.
Nein, glücklicherweise wurde das Verhältnis zu meiner Brust im Laufe meines Lebens besser und besser. Getreu meiner Devise: Finde dich gut, sonst findet dich keiner. Heute mag ich die beiden richtig gern.

Wie ich gelesen habe, sind aber heute kleine Brüste angesagt, der Push-up ist out.
Klein, gross – es muss zur Gesamtfigur passen. Ausserdem ist alles rund um die Brust kulturell geprägt. In Japan darf nirgendwo auch nur ein Hauch von Nippel zu sehen sein, bei uns mag man die. In arabischen Ländern bevorzugen Frauen bunte, blumige Unterwäsche. Wir einfarbige und schwarze … Ausserdem gibt es Trends wie bei Kleidern. Damit es nicht langweilig wird. Dass der Push-up ausgedient hat, wundert mich übrigens nicht. Das war ja grotesk, wie die Brüste da bis unters Kinn hochgequetscht worden sind. Ich bin keine Moralapostelin, ich verurteile auch keine Silikonbrüste. Aber Frauen müssen aufpassen, dass sie selbst nicht zur Karikatur von Weiblichkeit werden. Selbstliebe, egal ob gross oder klein, das wärs.

Sie haben zwei Söhne. Ist da das Thema Busen in der Erziehung aussen vor?
Nun, die beiden könnten mich alles dazu fragen. Tun sie aber nicht. Ausserdem versuche ich natürlich, sie zu respektvollem Umgang mit Menschen zu erziehen. Auch mit Frauen und allem, was an denen dran ist. Was meine Jungs aber später mal mit Brüsten anfangen, das ist nun wirklich ihre Sache.

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