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Krankes Kind

Baby hat Brechdurchfall

Bei Magen-Darm-Infektionen leiden Babys stärker als Kinder am Flüssigkeitsverlust. Ab wann wird es kritisch?

Wenn Babys anfangen zu erbrechen und gleichzeitig Durchfall haben, sind Eltern rasch beunruhigt. Und sie fragen sich: Wie rasch wird der Flüssigkeitsverlust für das Kind kritisch, wann reicht die übliche Pflege nicht mehr?

«Die wichtigste Frage ist, wie es dem Kind geht. Es sollte vif wirken und an seiner Umwelt Interesse zeigen», sagt Georg Staubli, leitender Arzt des Notfalls am Kinderspital Zürich. In diesem Fall wird ein Arztbesuch erst nötig, wenn der Säugling mehr als zehn Prozent seines Körpergewichts verliert, sein Gewicht zum Beispiel von zehn auf neun Kilo zurückgeht.

Ein Baby kommt zwar einige Tage ohne Nahrung aus, ein grösserer Flüssigkeitsverlust kann aber rasch gefährlich werden. Eine übermässige Entwässerung (Dehydrierung) äussert sich laut Staubli vor allem in Apathie und Passivität. Weitere Anzeichen sind eingefallene Augen, trockene Haut und eine deutliche Abnahme der Urinmenge.

Das Wichtigste ist die Hygiene

Ein Brechdurchfall wird meist durch Viren ausgelöst, vor allem Rota- und Noroviren, die sich über Tröpfchen an Händen, Türfallen oder Spielzeug verbreiten. Diese Erreger befallen die Schleimhautzellen im Darm und stören die Aufnahme von Wasser und Nahrung, verursachen sogar oft eine Mehrausscheidung von Flüssigkeit aus der Darmwand. Säuglinge und insbesondere Kinder, die gestillt werden, profitieren von einem gewissen Immunschutz.

Das Risiko einer Ansteckung steigt, sobald das Baby Spielzeug in den Mund zu stecken beginnt und engen Kontakt mit älteren Geschwistern hat. Zum präventiven Schutz vor einer Infektion sagt Staubli: «Das Wichtigste ist die Hygiene. Wenn jemand einen Brechdurchfall hatte, sollte diese Person die Hände sehr sorgfältig waschen.» Allerdings sei es schwierig, den hoch ansteckenden Erregern Herr zu werden: «Selbst im Spital können wir Ansteckungen nicht immer verhindern.»

Seit 2006 ist in der Schweiz ein Impfstoff gegen Rotaviren zugelassen. Er wird geschluckt statt gespritzt und schützt während mindestens zwei Jahren zuverlässig gegen eine Rotavirus-Erkrankung. Allerdings darf der Impfstoff nur Babys bis zur 24. Lebenswoche verabreicht werden. Die Impfung wird von den Behörden nicht generell empfohlen, in erster Linie weil die Erkrankung bei uns kaum je schwere Folgen hat.

Medikamente bringen wenig

In den Entwicklungsländern gehört das Rotavirus dagegen zu den wahren Killern: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben pro Tag 1400 Kinder daran. Magen-Darm-Infektione sind gemäss Staubli neben Krankheiten der oberen Atemwege der häufigste Grund für eine Notfallkonsultation. Im Spital wird geprüft, ob ein Kind Flüssigkeit braucht. Sobald Flüssigkeitsreserven mit einer Magensonde wieder «aufgefüllt» worden sind, darf ein Baby meist wieder nach Hause.

Staubli sagt dazu: «Nur wenn ein Kind stark dehydriert ist, wird ein intravenöser Zugang gelegt.» Kinder, die nicht in einem kritischen Zustand sind, werden sogar ganz ohne Behandlung nach Hause entlassen. Denn laut Staubli bringen Medikamente wenig. Auch eine Selbstmedikation empfiehlt sich nicht: Verschiedene frei erhältliche Produkte gegen Durchfall wie Imodium sind für Babys gar nicht zugelassen.


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