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Geburtsgewicht und seine Gefahren

Wonneproppen oder Federgewicht

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Neugeborene sind heute häufig entweder zu schwer oder zu leicht. Ist das ein Grund zur Beunruhigung?

In England, so berichtete «Spiegel-Online» kürzlich, hat eine 24-jährige Frau ein 6,7 Kilo schweres Baby auf die Welt gebracht. Eine Madrider Klinik vermeldete vor nicht allzu langer Zeit die Geburt eines 7-Kilo-Mädchens. Laut Statistik wurde die 6-Kilo-Marke in der Schweiz noch nie überschritten. Doch auch hierzulande stellen Geburtshelfer fest, dass immer häufiger überdurchschnittlich schwere Babys auf die Welt kommen.

Trotzdem ist das mittlere Geburtsgewicht aller Kinder zwischen 1994 und 2002 jährlich um 3 Gramm gesunken, wie das Bundesamts für Statistik kürzlich meldete. Dies scheint ein Widerspruch zu sein. Doch der Rückgang hat verschiedene Gründe: Der Anteil der Kinder, die mit einem Geburtsgewicht von unter 2500 Gramm auf die Welt kommen, hat seit 1994 um 11 Prozent auf 5,9 Prozent zugenommen. Das liegt daran, dass heute in Kliniken mit spezialisierter Neonatologie auch sehr kleine Frühgeborene reelle Überlebenschancen haben. Zugenommen haben in den letzten Jahren auch Zwillings- und Mehrlingsgeburten; diese Babys sind in der Regel leichter als «Einzelkinder». Zudem entscheiden sich immer mehr schwangere Frauen in Situationen mit erhöhtem Risiko für einen Kaiserschnitt; dieser wird in der Regel zehn Tage vor dem errechneten Geburtstermin gemacht.

«Kinder, die einige Tage vor dem Geburtstermin geboren werden, sind naturgemäss leichter als solche, die vielleicht sogar noch ein bisschen länger als 40 Wochen auf sich warten lassen», sagt Dr. med. Irene Hösli, Abteilungsleiterin Geburtshilfe und Schwangerschaftsmedizin an der Universitäts-Frauenklinik Basel. Wird jedoch nur das Geburtsgewicht von Termingeborenen angeschaut, lässt sich ein deutlicher Trend zu grösseren und schwereren Kindern feststellen. «1979 wog ein Baby bei der Geburt im Schnitt 3315 Gramm, 2006 brachte es bereits 3372 Gramm auf die Waage», so die Basler Gynäkologin. «Das tönt nach wenig, ist aber eine deutliche Aufwärtsbewegung.»

Ernährung hat grossen Einfluss

Das Geburtsgewicht ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum einen ist es genetisch bedingt. Wie etwa bei der Frau, die bei ihrer eigenen Geburt 4 Kilo wog – wie schon ihre Mutter und nun auch ihr Sohn. «Einen grossen Einfluss hat auch die Ernährung», sagt Irene Hösli. In der Zeit der extremen Hungersnot nach dem Zweiten Weltkrieg seien deutlich mehr leichtere Babys geboren worden. «Seither ist der Body- Mass-Index stetig gestiegen. Parallel dazu hat auch das Geburtsgewicht der Neugeborenen zugenommen.»

Zu fett, zu süss, zu viel – so ernähren sich auch viele schwangere Frauen. Dr. med. Gundula Hebisch, ärztliche Leiterin der Geburtshilfe im Spital Wetzikon, empfiehlt: mehr Salat, Gemüse, Früchte und ungesättigte Fettsäuren wie in Olivenöl enthalten, dafür weniger Pommes Chips oder Schweinefleisch. Denn ungesunde Ernährung birgt sowohl für die Mutter wie auch für das ungeborene Kind Risiken. «Je nach ethnischer Herkunft entwickeln 5 bis 20 Prozent der werdenden Mütter Schwangerschaftsdiabetes», weiss Gundula Hebisch.

Die Blutzuckerwerte normalisieren sich nach der Geburt wieder. Achten die Frauen jedoch nicht auf ihr Gewicht, erkrankt die Hälfte später an Typ-2-Diabetes. Schwangerschafts-, medizinisch Gestationsdiabetes genannt, schadet aber auch dem Ungeborenen. Das Zuviel an Glukose im Blut der Mutter gelangt über die Plazenta in den Blutkreislauf des Kindes. «Dies wiederum stimuliert Wachstumshormone, so daß das Baby, beziehungsweise gewisse Organe, bei der Geburt nicht nur zu schwer, sondern auch zu gross sind», erklärt Irene Hösli.

Unterzuckerte Kinder

Die eingangs erwähnten Rekordmeldungen von Riesen-Babys sind also durchwegs Kinder von Müttern mit unbehandeltem Schwangerschaftsdiabetes. Und die meisten von ihnen kommen bereits mit einem Handicap auf die Welt. «Anpassungsprobleme häufen sich. Die Neugeborenen sind unmittelbar nach der Geburt unterzuckert, brauchen Glukose und müssen überwacht werden», so Hösli. Zudem haben sie ein erhöhtes Risiko, später übergewichtig zu werden und an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Dr. Hebisch: «Um dies zu vermeiden, achten wir bei den Vorsorgeuntersuchungen gezielt auf Schwangerschaftsdiabetes und behandeln diesen konsequent, wenn nötig mit Insulin.» Schwere, grosse Babys sind ja auch schwieriger zu gebären.

Grosse Babys bleiben deutlich häufiger mit der Schulter im Becken stecken – eine gefürchtete Notfallsituation. «Bei Kindern ab geschätztem Geburtsgewicht über 4 1⁄2 Kilo müssen wir die Frauen deshalb auf das erhöhte Risiko der Schulterdystokie hinweisen», so Geburtsexpertin Hebisch. «Viele Frauen entscheiden sich in einer solchen Situation für einen Kaiserschnitt.»

FEINSTAUB, RAUCHEN UND GEBURTSGEWICHT

Wenn schwangere Frauen viel Feinstaub aus dem Strassenverkehr einatmen, kann das Geburtsgewicht ihrer Kinder geringer ausfallen. Zu diesem Ergebnis kam eine deutsch-französische Studie. Ein ähnlicher Effekt hat Zigarettenrauch. Eine bis fünf Zigaretten täglich können das Geburtsgewicht um 150 Gramm mindern. Bei mehr als 20 Zigaretten täglich können es 350 Gramm sein. Abgesehen davon schadet Rauchen dem Ungeborenen auf vielfältige Weise, zum Beispiel bei der Organentwicklung.

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