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Je früher ein Kind die Windpocken durchmacht, desto harmloser ist deren Krankheitsverlauf

Kinderkrankheit

Wilde Blattern: Wild und harmlos

Wilde Blattern sind meist ungefährlich und immunisieren ein Leben lang. Dennoch gilt es einiges zu beachten.

Rund 95 Prozent der Kinder unter 10 Jahren erkranken an wilden Blattern, bis zum Erwachsenenalter sind es 99 Prozent. Wer sie einmal hatte, ist lebenslang immun dagegen. Je früher ein Kind die wilden Blattern durchmacht, desto harmloser der Verlauf.

Die ersten Symptome zeigen sich erst etwa 10 bis 28 Tage nach der Ansteckung. Dann tauchen die typischen wässrigen und juckenden Bläschen auf, häufig von Fieber und Müdigkeit begleitet. Solange es juckt, ist Vorsicht geboten. Denn wer sich kratzt, riskiert Narben. Daher ist es ratsam, eine Lotion aufzutragen, welche die Bläschen austrocknet. Bei starkem Juckreiz hilft zudem ein Antihistaminikum. Ansonsten ist es wichtig, sich möglichst auszuruhen, allenfalls hohes Fieber mit entsprechenden Medikamenten (z.B. Zäpfchen) oder Hausmitteln zu senken und viel zu trinken.

Nach zwei, drei Tagen meldet sich das Wohlbefinden zurück, und die Bläschen sind mittlerweile am Austrocknen und jucken kaum mehr. Schliesslich: «Fünf bis spätestens sieben Tage nach Auftauchen der ersten Bläschen ist die Ansteckungsgefahr vorüber, selbst wenn später noch vereinzelt neue Bläschen auftauchen», sagt Professor Ulrich Heininger, Impfspezialist am Universitäts-Kinderspital beider Basel. Aufgrund des häufig milden Krankheitsverlaufs gelten die wilden Blattern als vergleichsweise harmlose Kinderkrankheit.

Komplikationen sind nicht ausgeschlossen

Dennoch kann es – wenn auch selten – zu schweren Komplikationen wie Lungen- oder Hirnhautentzündung kommen. Ein besonderes Risiko besteht bei Schwangeren, Säuglingen oder Personen mit einem geschwächten Immunsystem. Infiziert sich eine werdende Mutter, drohen Fehlbildungen oder eine Fehlgeburt. Daher empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) Jugendlichen, Erwachsenen bis zum Alter von 40 Jahren und insbesondere Frauen im gebärfähigen Alter, welche die wilden Blattern noch nicht hatten, sich dagegen impfen zu lassen.

Generell gilt: Eine Impfung ist auch sinnvoll bei chronisch Kranken mit geschwächtem Immunsystem und deren Angehörigen, dabei werden bereits Kinder ab neun Monaten geimpft. Impfkandidaten sind laut Ulrich Heininger zudem Neurodermitis-Betroffene, da deren Haut besonders empfindlich ist und für sie die juckenden Bläschen eine zusätzliche Qual bedeuten würden. Für einen langfristigen Schutz wird die Impfung nach vier bis sechs Wochen wiederholt.

Im Zweifelsfall vor der Schwangerschaft impfen

Frauen mit Kinderwunsch, die nicht sicher wissen, ob sie die wilden Blattern je hatten, rät Ulrich Heininger zur Impfung, da während der Schwangerschaft ein ungünstiger Zeitpunkt für eine Varizellen-Impfung ist.

Auch wenn die wilden Blattern überstanden sind und die lebenslange Immunität vor erneuter Erkrankung schützt, bleiben die Varicella-Zoster-Viren im Körper und können auch noch viele Jahre später, nach langer Ruhepause, eine weitere Herpes-Erkrankung hervorrufen: Gürtelrose, auch Herpes Zoster genannt, tritt besonders dann auf, wenn die Leistung des Immunsystems nachlässt, mehrheitlich bei älteren Menschen. Typisches Merkmal dafür ist ein Ausschlag, der an die wilden Blattern erinnert, sich jedoch in der Regel gürtelförmig ausbreitet und erst nach Wochen abheilt. Im Bereich der betroffenen Hautpartien kommt es häufig zu starken Nervenschmerzen. Seit einiger Zeit können sich ältere Personen gegen Gürtelrose impfen lassen.


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