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Wilde Wiese

Freizeit

Wild wuchern

Kindern kommt die Natur abhanden, befürchten Fachleute. Deshalb plädiert Andreas Krebs, Journalist und Vater, für mehr Verwilderung. Und verrät die schönsten Tipps für verspielte Tage draussen.

Wir waten durch einen «sumpfigen Nebenarm des Amazonas» – wir sind Forscher auf der Suche nach Wasserelfen und Wurzelwichten. Als Amira (6) eine schmerbäuchige Spinne entdeckt, setzen wir uns und beobachten das wilde Tier. Die Spinne spinnt eine Fliege ein, mit einem unendlich langen Faden, den sie mit geschickten Beinchen zum ... Popo rauszieht! Schaudernd verfolgen wir das Schauspiel, als hinter uns furchterregendes Gebrüll ertönt. Tiger-Gebrüll! Jeremias (4) verwandelt sich hier draussen in der Wildnis des Dorfbachs oft in einen Tiger. Oder in einen Löwen. Manchmal auch in ein Krokodil oder eine Schlange; und wenn das Gebüsch zu dicht wird, auch mal in einen Angsthasen, der getragen werden will. Auch Amira beherrscht die schamanische Verwandlungskunst. Meist wird sie zum Pferd, das fröhlich über die Wiese galoppiert.

Wie sagte es einst der Pfadigründer Robert Baden-Powell? «Die Wissenschaft des Waldes muss man sich aneignen, denn der Mensch, der blind für die Natur ist, hat nur das halbe Vergnügen am Leben».

Die Fliege ist eingesponnen. Der Tiger isst zusammen mit den Forschern Äpfel. Beisst in einen Löwenzahnstängel; kaut zuerst begeistert, guckt dann blöd, spuckt grünen, saftigen Matsch. «Bäääh!» «Ist gesund », sage ich und kaue einen Stängel und ein Gänseblümchen aus Amiras Sammlung dazu. «Hey, die brauche ich für meine Kette!», schimpft meine Tochter.

Wir liegen im hohen Gras. Schliessen die Augen. Horchen. Jeremias schmeisst ein paar Steine in den Bach, lässt Blätter darin treiben. Wir machen ein Blätter-Bootrennen, hüpfen von Stein zu Stein, balancieren auf einem Baumstamm über den Bach. Horchen seiner sprudelnden Sprache, dem Plätschern und Murmeln, Gluckern und Gurgeln, in der die «Natur als kleines Kind spricht», wie der französische Philosoph Gaston Bachelard (1884-1962) einst schrieb. Wir lauschen den Kadenzen der Singvögel, dem Wind, schauen Wolken hinterher, entdecken Wolkenschafe und Wolkenhunde. Ein Delphin mutiert zum Drachen.

Ich staune immer wieder, wie sehr Kinder in ihrem Spiel versinken. Beim Toben und Rennen, Planschen und Klettern entwickeln sie ein Gespür für ihren Körper, eigene Grenzen und Fähigkeiten.

Schade bleibt dafür kaum noch Zeit. Denn viele Eltern verplanen die Freizeit ihrer Söhne und Töchter, überwachen jeden ihrer Schritte in ständiger Sorge, sie könnten sich erkälten, vom Baum fallen, von einer Zecke gestochen werden. Auf eigene Faust etwas unternehmen – dazu kommen Kinder kaum noch.

Der Abschied der Kinder von der Natur aber ist nicht folgenlos. Der Philosoph und Biologe Andreas Weber schreibt in seinem Buch «Mehr Matsch!»: «Mit derselben Schnelligkeit, mit der Wildnis aus der Psyche unserer Kinder verschwindet, steigt die Häufigkeit ihrer seelischen Krankheiten.» Denn mit dem Schwinden des ungezügelten Spiels im Freien droht etwas Unersetzliches verloren zu gehen: Die Möglichkeit, seelische, körperliche und geistige Potenziale so zu entfalten, dass Kinder zu erfüllten Menschen werden.

Drum Kinder, raus jetzt! Macht euch die Wildnis zum Freund.


Insektenhotel bauen

Insektenhotel

  • Holzkasten bauen (Grösse beliebig). Material: Bretter, Winkel, Schrauben, Nägel, Schraubenzieher, Säge, Hammer. Für den Rahmen braucht man vier Bretter aus unbehandeltem Holz, Stärke mindestens 20 mm. Die Tiefe des Kastens sollte mindestens 15 cm betragen; den Rahmen mit Winkeln verschrauben; beliebig viele Trennwände einbauen, Rückwand anschrauben.

  • Nisthilfen suchen und präparieren: Stroh, Schilf, Holz, Ziegelsteine, Lehm, Holunder- und Weidenzweige, markhaltige Stängel (Distel, Königskerze, Himbeer) und weitere Nisthilfen suchen. Diese von Seitentrieben und Blättern befreien, trocknen und bündeln. Für die Nistblöcke in gut getrocknete Hartholzstücke (z.B. Eiche, Buche, Apfelbaum) möglichst tiefe Löcher bohren, 2 - 10 mm Durchmesser, Ziegelsteine mit Lehm zuschmieren; Löcher in Lehm stechen.

  • Holzrahmen mit Nisthilfen füllen. Hier kann der Fantasie freien Lauf gelassen werden.

  • Insektenhotel aufstellen: An sonniger und windgeschützter Stelle platzieren. Wenn das Insektenhotel nicht unter einer regengeschützten Stelle (Dachvorsprung o. Ä.) steht, empfiehlt es sich, an seiner Oberseite Dachpappe anzubringen. Wichtig ist, dass es in der näheren Umgebung während der ganzen Saison möglichst üppig blüht. So wird das Insektenhotel bestimmt rasch bevölkert.

    Lesetipp: Paul Westrich: «Wildbienen. Die anderen Bienen», Verlag Dr. Friedrich Pfeil, 2013


Tipps für ein glückliches Verwildern

Klettern am Baum

  • Klettern Kinder zu unabhängigen Erkundungen ermuntern, das stärkt Selbstständigkeit und Selbstvertrauen. Die Kinder auch mal ohne Aufsicht auf Bäume klettern oder im Park um die Ecke spielen lassen.
  • Raus Die Kinder öfter raus zum Spielen mit Freunden schicken.
  • Brachen Einen Lieblings-Abenteuerplatz finden. Das muss kein Wald oder Bach sein, eine Brache reicht. In jeder Stadt gibt es verwilderte Grundstücke. Engagieren Sie sich zusammen mit anderen Eltern dafür, dass Kinder diese Räume zurückerobern dürfen.
  • Feuer machen Feuerstelle anlegen, Holz sammeln, Stecken schnitzen, mit grünen Blättern Feuerzeichen geben. Schlangenbrot backen, Cervelats bräteln, Schoggibananen essen; Suppe oder Tee kochen aus Brennnesseln, Giersch, Labkraut und anderen essbaren Wildkräutern, die einwandfrei bestimmbar sind.
Baumhaus bauen

  • Baumhaus bauen in dem Kinder ungestört in ihre Fantasiewelten eintauchen können. Eine simple Plattform, bestehend aus einem stabilen Brett, reicht, um Abstand zu gewinnen und die vertraute Welt aus anderer Perspektive zu betrachten.
  • Totholz untersuchen Es wimmelt von Hundert- und Tausendfüsslern, Wanzen und Spinnen, Pilzen und Moosen, Wichteln und Gnomen. Becherlupe und Bestimmungsbuch zur Hand haben. Eine passende Geschichte erzählen.
  • Kompost anlegen Wie das Totholz vermittelt auch er wunderbaren Einblick in den Kreislauf des Lebens. Zudem liefert er fruchtbare Erde für den Gemüse- und Blumengarten. Richtig angelegt und gepflegt wird der Kompost bald bevölkert von Würmern, Schnecken, Asseln und zahlreichen anderen Tierchen, die aus Lebensmittelresten Humus machen.
Landart

  • Kunst Landart machen aus Tannenzapfen, Laub, Steinen,Moos, Wurzeln etc.
  • Natur-Tagebuch schreiben Wann ist der Storch zurückgekommen, wann der erste Schmetterling durch den Garten geflattert? Beobachtete Tiere zeichnen, Blätter einkleben, Gefühle festhalten.
  • Basteln Eine Kiste für Funde gestalten. Kinder lieben es, Dinge zu sammeln. Diskret entfernen, was verwest.
  • Wetter Ein Gewitter beobachten, im Regen tanzen.
  • Nachtwanderung bei Vollmond machen. Auf die Rufe der Tiere horchen. Nach Glühwürmchen, Fledermäusen, Salamandern und anderen nachtaktiven Tieren Ausschau halten.
  • Erde Ein Stück Wildnis in den Garten holen: Eine Ladung Erde dient als Spielhügel, ein Haufen Steine oder Holz der Beobachtung von Käfern, Spinnen und Eidechsen.
  • Gärtnern Zusammen mit anderen Eltern und Lehrern Schulgärten organisieren.
  • Buch Schenken Sie Ihrem Kind ein gutes Bestimmungsbuch. Kein «kindgerechtes», sondern ein Profiwerk, z.B. «Pareys Buch der Insekten» oder «Welches Insekt ist das?», beide vom Kosmos-Verlag oder «Essbare und giftige Wildpflanzen» vom Verlag Eugen Ulmer. Für kleine Kinder sind es wunderbare Bilderbücher, für grosse kompetente Nachschlagewerke. Ebenso die App «Essbare Wildpflanzen»; sie basiert auf dem gleichnamigen Bestseller aus dem AT Verlag. Eine Becherlupe oder besser Profi-Lupe mit Beleuchtung («Binokularlupe») gehört ebenso zum Forscherwerkzeug wie Fernglas, Notizblock, (scharfes) Taschenmesser, Insektennetz, Becher mit Deckeln und Luftlöchern.
Hängematte

  • Zelten Mit den Kindern im Garten zelten oder sie dazu ermuntern, selber im Zelt zu übernachten, wenn sie reif dafür sind.
  • Geschichten Den Kindern im Freien Naturgeschichten und Abenteuerbücher vorlesen, z.B. «Tom Sawyer & Huckleberry Finn», «Das Dschungelbuch» oder «Als die Tiere den Wald verliessen».
  • Ferien In einem Natur- oder Nationalpark Urlaub machen.

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