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Praktische Helfer – nicht immer ohne Schadstoffe

Wie gut sind Feuchttüchlein?

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Früher wars ein Waschlappen. heute greifen Eltern zu Feuchttüchern. Es gibt jedoch grosse Unterschiede, nicht nur beim Preis.

Nicht etwa Babyshampoos, -cremes oder -badezusätze sind die meistverkauften Kinderpflegemittel, sondern feuchte Pflegetücher. Sie lassen sich überallhin mitnehmen und eignen sich nicht nur zum Reinigen der Kinderpopos, sondern auch von verschmierten Glacehändchen und Schokolademündchen. Während früher ein feuchter Waschlappen genügte, ist heute der Griff in die Feuchttücherpackung selbstverständlich.

Ganz billig ist das nicht, denn ein einziges Tüchlein kostet zwischen 6 und 16 Rappen. Da fürs Wickeln etwa 3 Stück benötigt werden, fallen bei jedem Windelwechsel 20 oder 30 Rappen an – dazu kommen Kehrichtsackgebühren, denn die Tüchlein dürfen nicht im WC entsorgt werden. Wer Geld sparen will, kann sich jedoch getrost an die Aussage der Mütterberaterin Anna Urben aus Zürich halten: «Feuchttücher sind nicht nötig, Watte oder Einwegtücher, in warmes Wasser getaucht, sind fürs Putzen des Popos absolut ausreichend.»

Ausserdem wird Wasser von jedem Kind vertragen. «Manche Inhaltsstoffe der Feuchttücher sind hingegen nicht unbedenklich für Babys Haut», sagt Heinz Knieriemen, Autor des Buches «Kosmetikinhaltsstoffe von A bis Z» und Vater von 6 Kindern, die ohne Feuchttücher gewickelt wurden. Anna Urben bestätigt, in ihrer Tätigkeit als Mütterberaterin immer wieder Babys zu sehen, welche auf Feuchttücher mit Rötungen oder Ausschlägen reagieren.

Heikle Stoffe

Um solchen vorzubeugen, wählen viele Eltern sensitive Feuchttücher. Sie werben mit Bezeichnungen wie «ohne Alkohol», oder «parfümfrei» und sollen – gemäss Beschreibung– besonders hautfreundlich sein.

Nimmt man die in der Schweiz meistverkauften Tücher unter die Lupe, fällt auf, dass einige dennoch Substanzen enthalten, die die empfindliche Haut reizen könnten. Beispielsweise PEG-Derivate, welche das in den Tüchlein enthaltene Fett mit Wasser verbinden und so als Emulgatoren dienen. Sie sind in den Nivea-, Penaten- und Pampers-Feuchttüchern enthalten und können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Der Kosmetikexperte Knieriemen bemängelt weitere Inhaltsstoffe: «Die in den Milette Sensitive enthaltenen Konservierungsstoffe Benzoesäure und Sorbinsäure könnten bei entsprechend veranlagten Kindern Allergien hervorrufen.» Sorbinsäure ist auch in den Nivea-Feuchttüchern zu finden.

Pampers- und Niveafeuchttücher enthalten zudem Parabene, welche in mehreren Studien sehr unterschiedlich abgeschnitten haben. Zum einen könnten sie ebenfalls Allergien auslösen, und zum anderen ist bis heute nicht klar bewiesen, ob Parabene eine hormonähnliche Wirkung haben oder nicht. Bei der Herstellung von Naturkosmetika (am Label BDIH erkennbar), sind Parabene jedenfalls verboten.

Im Test der deutschen Zeitschrift «Ökotest» vom April 07 wurde auch der Einsatz von Paraffinöl bei den Penaten- Feuchttüchern bemängelt. Dieses Öl, welches ein Erdölprodukt ist, lasse sich nicht so leicht ins Gleichgewicht der Haut integrieren wie die Bestandteile natürlicher Öle. Yves Weber, der Product Manager von Johnson&Johnson ist sich dieser Problematik bewusst. Er weist darauf hin, dass das von Penaten verwendete Paraffinöl dem höchsten Qualitätsstandard für Arzneimittel entspreche und sogar dort eingesetzt werde, deshalb sei es besonders gut verträglich. «Dennoch», so Weber, «das Resultat von Ökotest hat uns veranlasst, unsere Feuchttücher den gewünschten Richtlinien anzupassen. Die neuen Feuchttücher werden ab nächstem Jahr erhältlich sein, frei von umstrittenen Inhaltsstoffen.»

Praktisch und günstig

Unproblematisch sind die Inhaltsstoffe der Naturkosmetikfeuchttücher Rosenmandel, welche allerdings mit über 16 Rappen pro Stück die mit Abstand teuersten sind. Ebenfalls frei von bedenklichen Inhaltsstoffen ist jedoch das billigste Produkt unserer Testauswahl: die eben erst neu lancierten Coop-Feuchttücher «My Baby sensitive».

Abgesehen von den Inhaltsstoffen unterscheiden sich die Pflegetücher nur wenig: Alle fühlen sich weich und sanft an und sind feucht genug, um ein Kinderfudi sauber zu kriegen. In der Regel sind sie auch einfach der Box zu entnehmen, wobei diejenige von «Milette Sensitive» besonders gut abschliesst. Bezüglich der Grösse der Tüchlein tanzen zwei aus der Reihe und überrunden die anderen um einige Quadratzentimeter: das teuerste und das billigste.

Tipps für einen gesunden Babypo

  • Waschen Sie Ihr Kind immer wieder nur mit Wasser, vor allem, wenn Sie zu Hause sind. Entscheidend bei problematischen Stoffen ist ja, wie oft ihnen das Baby ausgesetzt ist.
  • Wenn Sie bei Ihrem Kind Unverträglichkeitsreaktionen beobachten, wechseln Sie das Produkt.
  • Für unterwegs sind eine Thermoskanne mit warmem Wasser und Einwegtüchlein eine gute Alternative zu den Feuchttüchlein.

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