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Kinderfahrrad

Welches Velo ist das richtige für mein Kind?

Das Kind ist bereit dafür, vom Laufvelo auf ein Fahrrad mit Pedalen umzusteigen! Doch welches Velo ist das richtige? Mit diesen Tipps finden Eltern bestimmt das perfekte Erst-Rad.

Früher lernten Kinder mit sechs Jahren Fahrradfahren, heute steigen sie oft schon mit drei vom Laufrad auf ein richtiges Fahrrad mit Pedalen um. Doch viele Eltern sind bei der Anschaffung überfordert. Wir beantworten Elf häufige Fragen zum Thema:

  • Wann ist der richtige Moment für den Umstieg vom Laufrad aufs Pedal-Fahrrad?

  • Wie finde ich die richtige Grösse?

  • Darf das Kind ins Fahrrad reinwachsen?

  • Woran erkenne ich ein gutes Kinderrad?

  • Was ist die richtige Kurbellänge?

  • Darf man ein Occasionsvelo kaufen?

  • Sollte das Fahrrad Rücktritt oder Handbremse haben?

  • Ist es einfacher, mit Stützrädern anzufangen?

  • Welche Rolle spielt das Gewicht des Rads beim Lernen?

  • Welche Ausstattung sollte das Fahrrad haben und was ist überflüssig?

  • Was schreibt die Schweizer Strassenverkehrsordnung für Kinderfahrräder vor?

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    Mit möglichst wenig Ausstattung flott unterwegs.

    Wann ist der richtige Moment für den Umstieg vom Laufrad aufs Pedal-Fahrrad?

    Das bestimmen die Kinder. Manche wollen schon mit drei Jahren in die Pedale treten, andere erst mit vier – und manche noch später. Eltern sollten nicht ungeduldig sein. Denn: «Auch mit dem Laufrad machen Kinder schon wichtige Gleichgewichtserfahrungen», sagt Daniel Bachofner, Leiter der Verkehrssicherheit bei Pro Velo Schweiz. «Und je besser sie das Laufrad beherrschen, desto einfacher fällt ihnen später der Umstieg.» Falls bei den ersten Versuchen mit dem neuen Rad die Pedale noch stören, kann man diese zunächst abschrauben und den Sattel niedriger stellen. So kann das Kind das neue Gefährt wie ein Laufrad benutzen. Wenn das klappt: Pedale wieder dran und los.

    Wie finde ich die richtige Grösse?

    Die Grösse von Kinderfahrrädern wird über die Grösse der Räder in Zoll gemessen, nicht über die Rahmenhöhe wie bei Erwachsenen. 1Zoll entspricht 2,54 cm. Die kleinsten Pedalräder starten bei 12 Zoll. Diese sind für die meisten Kinder ab etwa drei Jahren fahrbar. Manche Hersteller geben zusätzlich Körpergrösse und Schrittlänge als Masse für ihre Räder an. Doch das sind nur Orientierungsgrössen. Denn auch Rahmenform und Lenkerausrichtung entscheiden darüber, ob das Velo zu dem Kind passt oder nicht. Deshalb gilt als Faustregel beim Fahrradkauf: Das Kind muss das Rad ausprobieren. Es sollte gut auf dem Sattel sitzen und sowohl Lenker als auch Bremsen bequem erreichen können. Ein Fachgeschäft hat eine Auswahl an Kinderrädern verschiedener Hersteller im Laden und nimmt sich Zeit für die Beratung.

    Darf das Kind ins Fahrrad reinwachsen?

    Man kennt das von den Klamotten: Hosen und Pullis werden gerne grösser gekauft, damit das Kind sie länger tragen kann. Der Gedankeliegt auch bei Fahrrädern nahe – schliesslich geht die Anschaffung ins Geld. Doch ein Rad ist kein Rollkragenpulli, die Sicherheit hat Vorrang. Deshalb raten manche Fachleute dazu, das Rad entsprechend der aktuellen Grösse des Kindes zu kaufen. Doch der Sicherheitsexperte von Pro Velo sieht das anders: «Das erste Rad darf sogar etwas zu gross sein», sagt Daniel Bachofner. «Der Fuss des Kindes muss das Pedal erreichen, aber nicht den Boden. Denn so lernen die Kinder früh, dass sie zum sicheren Anhalten vom Sattel absteigen müssen.»

    Woran erkenne ich ein gutes Kinderrad?

    Lenker und Bremsen sollten griffig und gut erreichbar sein, der Lenker etwas höher als der Sattel. So sitzen die Kinder relativ aufrecht auf dem Rad und haben eine gute Übersicht über das Strassengeschehen. Das Tretlager liegt idealerweise unterhalb der Radachse. Das lässt sich prüfen, indem man sich eine imaginäre Linie von der Vorderrad- zur Hinterradachse denkt. Je tiefer der Punkt liegt, um den sich die Kurbeln drehen, desto besser. Ausserdem sollte das Rad mitwachsen: Nicht nur der Sattel muss in der Höhe verstellbar sein, auch der Lenker sollte sich in Höhe und Position regulieren lassen.

    Was ist mit der Kurbellänge?

    Die Kurbeln sollten kurz sein, damit die Kinder beim Fahren das Knie nicht so stark beugen müssen. Wenn Kinder das Knie beim Fahren fast unter dem Kinn haben, werden sie rasch müde. Zudem machen kurze Kurbeln das Treten ergonomischer, das Velofahren braucht weniger Kraft.

    Darf man ein Occasionsvelo kaufen?

    Ja, auf jeden Fall. Der Gebrauchtmarkt für Kinder funktioniert super. Gerade die ersten Räder werden oft nur kurz gefahren und sind dadurch noch in einem sehr guten Zustand. Bei hochwertigen Kinderrädern lassen sich im Wiederverkauf gute Preise erzielen.

    Sollte das Fahrrad Rücktritt oder Handbremse haben?

    Darüber streiten sich Fachleute. Die einen monieren, dass die Bremskraft beim Rücktritt zu gering sei und dass man sich ohnehin früher oder später an zwei Handbremsen gewöhnen müsse. Zudem könnten Kinder bei Rädern ohne Rücktritt die Pedalkurbeln zum Anfahren leichter in die richtige Stellung bringen. Andere sagen, der Rücktritt sorge für Sicherheit, weil er von den Kindern intuitiv genutzt wird. Fakt ist, dass vor allem die günstigeren Kinderfahrräder meist eine eingebaute Rücktrittbremse haben – eine grosse Wahl hat man also oft nicht. Fakt ist auch, dass Kinder Meister im Umlernen sind. Falls Sie also ein gebrauchtes Rad mit Rücktritt geschenkt bekommen, benutzen Sie es ruhig. Umsteigen können Sie immer noch.

    Ist es nicht einfacher, mit Stützrädern anzufangen?

    Nein. Stützräder helfen dem Kind nicht, schneller Fahrradfahren zu lernen. Im Gegenteil, sie verzögern es. Wenn sie zum Einsatz kommen, wird aus dem Fahrrad ein Dreirad und das Kind benötigt keine Balance mehr.

    Welche Rolle spielt das Gewicht des Rads beim Lernen?

    Wer schon mal mit einem 25 Kilo schweren Hollandrad den Berg hochgestrampelt ist, weiss, dass Radfahren mit jedem Kilo weniger unter dem Hintern mehr Spass macht. Das Velo sollte daher nicht mehr als die Hälfte des Gewichts des Kindes wiegen – weniger ist besser. Die Hersteller hochwertiger Kinderfahrräder werben gerne damit, dass ihre Modelle ein besonders geringes Eigengewicht haben und somit gerade kleinen Kindern das Radfahren erleichtern. Das Argument ist nicht ganz falsch, allerdings macht es diese Räder auch teuer. «Wirklich zu Buche schlägt das Gewicht erst, wenn die Kinder die ersten, längeren Touren mit den Eltern machen », sagt Bachofner. Das ist etwa ab sechs Jahren der Fall.

    Welche Ausstattung sollte das Fahrrad haben und was ist überflüssig?

    Auch wenn Federgabel und Hupe verlockende Accessoires sind: Das erste Velo sollte möglichst wenig Ausstattung haben. Denn jedes zusätzliche Teil erhöht auch das Gewicht. Im Prinzip braucht das Rad nur zwei Räder und Bremsen – und das Kind natürlich einen Helm. Wenn das Kind regelmässig bei Dunkelheit fährt, machen auch Reflektoren und LED-Leuchten Sinn. Doch Schutzblech, Gepäckträger, Dynamo, Federgabel und Fahrradkörbchen kann man erst mal weglassen. Eine Gangschaltung ist erst ab etwa sechs Jahren sinnvoll.

    Was schreibt die Schweizer Strassenverkehrsordnung für Kinderfahrräder vor?

    Sobald Kinder sicher genug sind, auf Hauptstrassen zu fahren, müssen Kindervelos der Verkehrsordnung entsprechen. Das bedeutet, sie brauchen zwei funktionierende Bremsen, zwei ordentliche Reifen, Reflektoren vorne, hinten und an den Speichen und bei Dämmerung und Dunkelheit auch eine dauerbrennende Beleuchtung.

    Solange das Kind noch etwas unsicher auf dem Rad ist, fährt es im Strassenverkehr am besten hinter der erwachsenen Begleitung her. So kann es deren Verhalten imitieren. Fahren zwei Erwachsene mit, ist der Platz des Kindes in der Mitte. Sobald es sicherer ist, fährt es am besten voraus. Auf diese Weise lernt es, Situationen selber zu meistern und Verantwortung zu übernehmen – und die erwachsene Person sichert es nach hinten ab.

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