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Stillen kann Allergien vorbeugen

Stillen schützt doch

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Allergien sind auf dem Vormarsch. Muttermilch kann das Risiko dafür senken, bietet aber keine hundertprozentige Garantie.

Kein Neugeborenes wird mit einer Allergie geboren. Sie entwickelt sich erst nach mehrmaligem Kontakt mit einem möglichen Allergieauslöser. Dabei spielen die Gene eine nicht zu unterschätzende Rolle. So liegt das Allergierisiko bei Kindern, deren Vater und Mutter bereits Allergiker sind, bei 40 bis 60 Prozent. Buben und Mädchen ohne familiäre Vorbelastung sind allerdings keineswegs vor Überreaktionen des Immunsystems gefeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Allergie entwickeln, ist mit 5 bis 15 Prozent ebenfalls sehr hoch.

Auf die Frage, warum auch diese Kinder an Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis erkranken können und deren Zahl ständig zunimmt, gibt es trotz intensiver Forschung noch keine abschliessende Antwort. Dennoch können Eltern einiges tun, um den Ausbruch einer Allergie zu verhindern oder wenigstens hinauszuzögern (siehe Kasten).

Eine der wichtigsten vorbeugenden Massnahmen ist das Stillen. Experten empfehlen Müttern, ihre Babys während vier bis sechs Monaten ausschliesslich mit Muttermilch zu ernähren. «Keine andere Milch ist so gut auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt», sagt der Kinderarzt und Allergologe Dr. med. Francis Levy. Unter anderem fördert sie die Entwicklung einer gesunden Darmflora.

Der Mehrfachzucker macht es aus

Vermutlich sind dafür in erster Linie in der Muttermilch enthaltene Mehrfachzucker, sogenannte Oligosaccharide, verantwortlich. Sie sorgen dafür, dass sich im Darm des Babys wichtige Bakterien bilden, sogenannten Probiotika. Sie beeinflussen die Darmflora positiv und schützen die Kinder möglicherweise vor Allergien. Forscher fanden nämlich im Darm von gesunden zweijährigen Buben und Mädchen mehr Laktobazillen und Bifidusbakterien, die zur Gruppe der Probiotika gehören, als bei gleichaltrigen allergiekranken Kindern.

Bei diesen konnten sie mehr Colibakterien nachweisen. Erste Studien zum Thema Darmflora und Allergien verliefen so erfolgversprechend, dass Francis Levy Müttern, die nicht (mehr) stillen können, empfiehlt, beim Kauf von künstlicher Säuglingsnahrung darauf zu achten, dass sie Oligosaccharide enthält.

Muttermilch ist auch aus einem weiteren Grund die Nummer eins: Sie enthält in geringen Mengen Substanzen aus der Nahrung der Mutter, die dafür sorgen, dass ein Kind langsam an mögliche allergieauslösende Stoffe gewöhnt wird. Das ist ein Grund, warum Experten Müttern davon abraten, während der Stillzeit auf Nahrungsmittel mit einem hohen Allergierisiko, zum Beispiel Kuhmilch, Eier, Fisch und Nüsse, zu verzichten.

Feste Kost nicht zu früh

Streichen stillende Frauen sämtliche Esswaren von ihrem Speisezettel, die solche Nahrungsmittel enthalten, leiden sie zudem schnell unter Mangelerscheinungen. Wer das Allergierisiko für sein Kind senken möchte, sollte auch nicht zu früh mit fester Kost anfangen. Das hat eine jüngere Studie erneut belegt, bei der 52 wissenschaftliche Publikationen zum Thema Nahrungsmittelallergie bei Kleinkindern untersucht wurden.

Die Wissenschaftler kamen zum Schluss, dass Säuglinge, die vor dem sechsten Monat mit fester Nahrung gefüttert wurden, ein höheres Allergierisiko haben als Kinder, die ein halbes Jahr nur gestillt wurden. Die Daten zeigten ausserdem: Je früher die untersuchten Babys Beikost erhalten hatten, umso eher entwickelten sie bis zum zehnten Lebensjahr eine Allergie.

Ältere Studien wie beispielsweise eine grosse kanadisch-neuseeländische aus dem Jahr 2002 haben damit endgültig an Aussagekraft eingebüsst. Damals wurden zahlreiche Eltern mit der Schlagzeile «Stillen schützt doch nicht vor Allergien» aufgeschreckt und verunsichert. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich das Resultat dieser Untersuchung jedoch von Anfang an als etwas fragwürdig. In der Fachwelt versteht man unter einem «voll gestillten Kind» Babys, die ausschliesslich Muttermilch trinken.

Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht

Die Studienleiter bezeichneten aber auch solche Säuglinge als voll gestillt, denen bereits in den ersten vier Lebenswochen teilweise künstliche Babymilch zugefüttert wurde. Bei allen Fakten, die für Muttermilch sprechen: Einen hundertprozentigen Schutz kann auch sie nicht bieten. Zudem scheint die präventive Wirkung nach sechs Monaten nachzulassen.

So hat eine kürzlich veröffentlichte Langzeitstudie der Universität Helsinki gezeigt, dass Kinder, die länger als ein halbes Jahr ausschliesslich gestillt werden, nicht besser vor Allergien geschützt sind als Babys, deren Mütter nach einem halben Jahr abstillen. Doch was kommt danach? Allergologen empfehlen, nicht vor Ende des vierten Monates mit fester Nahrung zu beginnen und im Abstand von drei bis vier Tagen ein Lebensmittel nach dem anderen einzuführen.

So kann ein allergieauslösendes Nahrungsmittel schnell erkannt und von Babys Speiseplan gestrichen werden. Als gut verträglich und unproblematisch gelten beispielsweise Karotten, Kartoffeln, Fenchel, Bananen, Äpfel und Birnen. Kuhmilch, Hühnereiweiss, Fisch, Soja und Nüsse sollten Kinder im ersten Lebensjahr nicht bekommen, weil ihre Darmschleimhaut noch sehr durchlässig ist und potenzielle Allergieauslöser sie leicht passieren können.

Diese Empfehlung gilt zwar vor allem für Eltern, in deren Familien bereits Allergien aufgetreten sind. Aufgrund der ständig grösser werdenden Zahl Allergiekranker macht es aber Sinn, dass alle Eltern die Empfehlungen der Fachleute beachten und die Kinder möglichst lange vor allergenen Stoffen schützen.

So können Sie vorbeugen

  • Wenn immer möglich sollten beide Eltern auf Zigaretten verzichten und falls das nicht möglich ist, zum Rauchen nach draussen gehen.
  • Nach der Geburt eines Kindes keine neuen Haustiere anschaffen. Vor allem Katzenhaare gelten als hochallergen, aber auch Haare von Meerschweinchen oder Hasen können Allergien auslösen.
  • Pflegen Sie die Haut Ihres Kindes nur mit schonenden, auf die empfindliche Babyhaut abgestimmten Produkten.
  • Badezimmer und andere feuchte Räume sollten regelmässig gelüftet werden, um Schimmelpilze zu vermeiden. Feuchte Wände müssen saniert werden.
  • Hausstaubmilben fühlen sich in Räumen, die regelmässig gelüftet werden, nicht sehr wohl. Achten Sie darauf, dass Bettwäsche mit 60 Grad gewaschen werden kann.

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