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Mamaversum
Playdates oder Tinderdates?
Mit Tinder hatte unsere Kolumnistin Maja richtig Glück. Nun hat sie einen Mann und ein Kind, keine Tinderdates mehr, dafür Playdates. Wie es ihr damit geht, lest ihr in ihrer neuen Kolumne.
Zu meinen Single-Zeiten hatte ich viele Tinder-Dates. Die meisten waren etwas zwischen sehr cool und wirklich total super. Vielleicht hatte ich einfach Glück. Oder einen guten Daumen beim Swipen. Ich weiss es nicht. Was ich aber weiss, ist, dass dieser Daumen mich auch mal in unangenehme Situationen wischte. Da war dieser Typ, der beim ersten Treffen weinte. Sein Büsi hatte am Tag zuvor das Zeitliche gesegnet. Ich hatte Verständnis. Bis ich rausfand, dass das «Büsi» seine Ex ist, die nicht gestorben ist, ihn aber verlassen hat. Ebenfalls geblieben ist mir das Treffen mit einem Mann, von dem ich überzeugt war, dass ich ihn heiraten werde. Unser Chat war Porno. Und das ganz ohne Sexting. Wir matchten in Tempo, Humor, Schlagfertigkeit. Jede Nachricht, ein Gedicht. Bis wir voreinander standen. Und uns komplett nicht riechen konnten. Wir sassen also da in der Bar. Die viel zu vollen Drinks vor uns. Und hatten uns absolut nichts zu sagen.
Als ich dann endlich den Mann traf, mit dem ich heute einen fünfjährigen Sohn habe, war ich froh, den ganzen Dating-Zirkus hinter mir zu lassen. Was mir damals nicht bewusst war, ist der Fakt, dass Playdates quasi die Fortsetzung von Tinder-Dates sind. Nur, dass ich jetzt nicht mehr selber swipe. Sondern mein Sohn entscheidet, mit welchen Gspänli er abmachen will. Und so kann es vorkommen, dass ich auf Elternteile treffe, denen ich absolut nichts zu sagen habe. Oder die ich aufgrund sprachlicher Barrieren schlichtweg nicht verstehe. Oder die mich total scheisse finden, weil ich mit roten Lippen zum Spielplatz gehe. Neulich treffe ich an einem Kindergeburtstag einen alten Freund. Sein Sohn lernte auf einem Spielplatz einen Jungen kennen, den er unbedingt wieder treffen wollte. Die Väter tauschten Nummern aus.
Pülverli, Kosmetik, Müsterli
Zwei Wochen später kams zum Playdate. Das gefühlt nie enden wollte. Der andere Vater textete meinen Freund zu. Er erklärte ihm, warum Trump das Beste sei, das der Welt passieren kann. Ein bisschen weniger schlimm, aber auch mühsam, traf es mal mich. Da war diese eine Mutter, die mir unbedingt irgendwelche Pülverli und Kosmetik-Artikel andrehen wollte. Ich könne das Zeugs auch vertickern und richtig gut verdienen. Alles Bio, alles super. Und eben, viel Geld. Total gut machbar als Mutter von daheim aus. Ich lehnte dankend ab. Was die Gute mit Bravour ignorierte. Im Zwei-Tages-Rhythmus schickte sie mir Einladungen zu Infoanlässen, an die ich unbedingt all meine Freundinnen mitnehmen soll.
Damit nicht genug: Lange Zeit stellte sie mir irgendwelche Müsterli in den Briefkasten. Aus der Nummer kam ich erst raus, als wir umgezogen sind. Derweil habe ich den Spiess ein bisschen umgedreht: Ich suche mir Mütter und Väter aus, die ich mag. Mit denen mache ich Playdates aus. Mein Sohn hat nicht immer gleich viel Freude. Aber hey, manchmal muss man etwas zu seinem Glück gezwungen werden. Dass das in grossen Happy Ends enden kann, weiss ich aus erster Hand: Hätte mich meine beste Freundin nicht motiviert, meinen Freund zu daten, gäbe es eben diesen wunderbaren Sohn gar nicht. Voilà!
Über Umwege, die sie als Reiseleiterin in die Türkei und an den Empfang von «Tele Züri» führten, landete Maja Zivadinovic im Journalismus. Zusammen mit Yvonne Eisenring und Gülsha Adilji machte sie seit 2021 den Podcast Zivadiliring. Ihr Lieblingsjob ist aber ein anderer: Seit Juni 2020 ist sie Mami eines Buben.
