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Grundlagen im Wasser

Schwimmen lernen: So helfen Eltern Kindern

Eltern können viel dazu beitragen, dass ihre Kinder einen vertrauensvollen Umgang mit Wasser entwickeln. Worauf ist zu achten, wenn man dem Nachwuchs grundlegende Elemente des Schwimmens näherbringen will? Die besten Tipps.

  1. Kernelemente schulen statt Schwimmstil vermitteln
  2. Schweben: Eigenschaften vom Wasser spüren
  3. Gleiten: Wie ein Pfeil durchs Wasser schiessen
  4. Antreiben: Jetzt kommen noch die Beine dazu
  5. Atmen: Gleichmässig und rhythmisch
  6. Und zum Schluss ein paar Sprünge
  7. Je mehr Spass, desto besser
  8. Schwimmbrille: ja oder nein?
  9. Wie lange und mit welchem Material?

Kernelemente schulen statt Schwimmstil vermitteln

Eltern sollten sich als Erstes vom Ehrgeiz verabschieden, Kindern im Vorschulalter einen Schwimmstil wie Brust oder Kraul beizubringen. In diesem Alter und Entwicklungsstadium muss es vor allem darum gehen, die Kernelemente im Schwimmen zu festigen: Schweben, Gleiten, Antreiben und Atmen. Diese Komponenten bilden die unverzichtbaren, elementaren Grundlagen für einen sicheren Aufenthalt im Wasser und die Voraussetzung zum späteren mühelosen Erlernen aller vier Schwimmarten Brust, Kraul, Rückenkraul und Delfin.

Schweben: Eigenschaften vom Wasser spüren

Beim Schweben lernen Kinder die physikalischen Eigenheiten von Wasser kennen und für die eigene Sicherheit nutzen. Ziel muss sein, mit gespanntem Körper und zur Seite ausgestreckten Armen eine kurze Dauer ruhig und flach auf dem Wasser zu liegen und zu realisieren: Mit Körperspannung sinkt man nicht.

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Mit Körperspannung sinkt man nicht.

Eltern, die ihre Kinder darin anleiten wollen, üben zunächst die «Seerose» (in Rückenlage), dann das «Flugzeug» (in Bauchlage) mit folgenden Anweisungen: Körper wie ein Zinnsoldat steif machen, den Kopf ganz gerade in Verlängerung der Wirbelsäule halten, Blick zum Himmel bzw. zum Boden, ruhig auf dem Wasser liegen.

Zur Unterstützung legen sie eine flache Hand unter den Nacken und bei Bedarf auch unter die Fersen. Später reichen als Hilfe zwei Finger, dann ein Finger, und plötzlich klappt es ganz allein. Weil bei Kindern der Körperschwerpunkt höher liegt als bei Erwachsenen, schneidet der Nachwuchs bei diesen Übungen übrigens meist besser ab als die Eltern!

Gleiten: Wie ein Pfeil durchs Wasser schiessen

Das Gleiten macht Kindern vor allem dann Spass, wenn sie sich von einer Wand oder einem Mäuerchen abstossen können. Die Arme in Hochhalte gestreckt, den Kopf fest zwischen den Oberarmen eingeklemmt, geht es darum, nach dem Abstossen so weit wie möglich in einer gestreckten Pfeilposition an der Wasseroberfläche zu gleiten. Die korrekte Körperspannung ist bereits vom Schweben bekannt.

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Gelingt das Gleiten in Pfeilposition?

Als Hilfestellung bietet sich an, mit den Kindern «Skilift» zu spielen: Ihnen also zwei Finger anzubieten, an denen sie sich zu Beginn festhalten dürfen, um die Gleitbewegung zu erfahren. Auch hier gilt: Sowohl in Bauch- und Rückenlage üben. Je gespannter und gestreckter der Körper, desto einfacher und weiter gelingt das Gleiten.

Ist die Bewegung erlernt und gefestigt, dürfen Kinder ihre Eltern oder die älteren Geschwister auch mal zu einem Wettbewerb herausfordern. Wer gleitet am weitesten in Pfeilposition, ohne dass die Beine absinken?

Antreiben: Jetzt kommen noch die Beine dazu

Wenn aus der Pfeilposition heraus nun noch ein lockerer Wechselbeinschlag hinzukommt, wie man ihn etwa vom Kraulschwimmen abschaut – rechten und linken Fuss locker abwechselnd auf- und abbewegen, – so ist bereits ein Antrieb vorhanden. Die Herausforderung besteht darin, eine sinnvolle Dosis an Beinschlag zu finden. Oftmals gerät er bei Kindern und Anfänger* innen zu Beginn viel zu ausladend. Gerade kleine Kinder spritzen stark und veranstalten meterhohe Wasserfontänen. Eltern sollten dann mit korrigierenden Bildern eingreifen.

Zum Beispiel: Der Beinschlag ist kein Springbrunnen, sondern ein Spaghettitopf. Das Wasser an den Füssen darf gerade so fest sprudeln wie beim Spaghettikochen. Oder: Der «Motor» des Beinschlags befindet sich in den Fussgelenken, nicht in den Knien. Und: Die Beine bewegen sich wie lange, geschmeidige Wasserpflanzen auf und ab. Diese Anweisungen verhindern, dass die Knie zu stark angewinkelt werden und das Kind sich vor lauter Spritzen und Zappeln stark verausgabt.

Es bringt viel, den Wechselbeinschlag am Anfang erst einmal in Rückenlage zu üben. So ist immer ausreichend Luft vorhanden und das Kind nimmt den eigenen Beinschlag aus den Augenwinkeln selber wahr. Wieder kann als Hilfestellung auf die Skilift-Position zurückgegriffen werden oder die flache Hand unter das Kreuz gelegt werden.

Atmen: Gleichmässig und rhythmisch

Atmen im Wasser ist ein Thema, das Kinder und auch erwachsene Anfänger* innen lange beschäftigt. Zunächst muss es darum gehen, den Mund, dann die Nase, die Augen und am Ende den ganzen Kopf unter Wasser zu bringen und dabei durch Mund und Nase ins Wasser auszuatmen, sodass Blasen sichtbar werden. Eingeübt werden muss vor allem folgender Reflex: Im nassen Element über Wasser kurz und kräftig einatmen und die Luft unter Wasser langsam und gleichmässig ausatmen.

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Beim Ausatmen unter Wasser sind Blasen sichtbar.

Im nächsten Schritt geht es darum, dieses Atemmuster zu rhythmisieren. Am Anfang soll dies ruhig stehend im brusttiefen Wasser passieren: Wer kann fünfmal hintereinander untertauchen und jedes Mal sicht- und hörbar ein- und ausatmen? Gelingt ein derartiges Atemmuster vielleicht auch mit Händegeben unter Wasser?

Und zum Schluss ein paar Sprünge

Ins Wasser springen macht Kindern Spass; und das Springen gehört ebenfalls zu den grundlegenden Elementen der Wassersicherheit. Voraussetzung ist, dass sie zu Beginn zuverlässig Hilfestellung erhalten, wenn sie dies wünschen. Das Hilfestehen findet immer im Wasser statt. Das Kind springt also zu Beginn vom Rand erst direkt in die Arme der Eltern, später vielleicht mit Festhalten an einer Hand, dann einem Finger, bevor es allein klappt.

Je mehr Spass, desto besser

Die erläuterten Kernelemente können von Erziehungsberechtigten mit ein wenig Fantasie in abwechslungsreiche Spielzüge und Bilder verwandelt werden, die das Kind herausfordern und ihm Spass bereiten. Wer nach dem Motto «lernen, leisten, lachen» verfährt, macht kaum was falsch. Am meisten ist Kindern übrigens gedient, wenn Eltern, Erziehungsberechtigte und auch ältere Geschwister und wassersichere Freund* innen, die Freude am Wasser vorleben und sich Spiele und Aufgaben überlegen.

Schwimmbrille: ja oder nein?

In den Schweizer Grundlagentests wird Kindern das Tragen einer Schwimm- brille explizit untersagt. Zum einen, weil Anfänger* innen – auf jeder Altersstufe – lernen müssen, die Augen unter Wasser zu öffnen, um sich zu orientieren. Zum anderen, weil Augenärzt* innen vor erhöhtem Druck warnen, der beim Abtauchen oder dann entsteht, wenn die Brille satt in den Höhlen sitzt.

Gleichwohl ist beim Thema Schwimmbrille Augenmass gefragt: Wenn Kinder nach dem Baden Rötungen und Juckreiz aufweisen oder wegen einer Fehlsichtigkeit eine korrigierte Brille benötigen, spricht nichts gegen eine Schwimmbrille, solange das Öffnen der Augen unter Wasser auch ohne Brille geübt wird.

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Augen öffnen unter Wasser auch ohne Brille üben.

Wichtig ist, dass eine Schwimm- und keine Taucherbrille verwendet wird. Letztere bedeckt nicht nur die Augen, sondern oft auch die Nase. Das Ausatmen ins Wasser ist aber ein elementarer Lernschritt auf dem Weg zur Wasserkompetenz. Beim Kauf der Brille daher auf verstellbare Kopfbänder und flexible Nasenstege sowie Dichtungen aus weichem Schaumstoff statt hartem Silikon achten. So lassen sich Druckstellen und Augenringe vermeiden.

Wie lange und mit welchem Material?

Wer mit seinen Kindern gezielt an den Kernelementen arbeiten will, tut dies am besten zu Beginn des Aufenthalts in der Badi, am See oder im Pool. Zehn bis fünfzehn Minuten im brusttiefen Wasser und unter steter Beobachtung und Anleitung sind eine ausreichende Dosis. In dieser Zeit werden keine Hilfsmittel wie Flossen, Ringe, Brettchen, Schwimmflügel eingesetzt.

Diese kommen nach Wunsch danach, im freien Spiel, zum Zuge. Wenn das Kind schon deutliche Zeichen der Unlust, vielleicht auch Erschöpfung oder Kälte – je kälter die Wassertemperatur, desto kürzer die Übungseinheit! – signalisiert, unbedingt aufhören.

Wichtiger als Schwimmbewegungen zu beherrschen, ist es, dass sich Kinder jederzeit im und am Wasser wohlfühlen. Nur so entwickeln sie Vertrauen in jene Fertigkeiten, die sie am Ende sicher über Wasser halten.

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