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Massnahmen und Behandlung

Schielende Babys

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Je früher Schielen behandelt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Doch nicht bei jeder Art von Schielen.

Es mag zynisch klingen, doch Babys, die ganz offensichtlich schielen, haben Glück im Unglück. Die Eltern werden darauf aufmerksam und konsultieren meist schon im ersten Lebensjahr einen Augenarzt. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Fällt die Augenfehlstellung kaum auf, wird sie häufig erst im Kindergarten bemerkt.

Für eine erfolgreiche Therapie ist es dann schon fast zu spät. Weil es wichtig ist, früh zu reagieren, raten Augenärzte allen Eltern, die Augen ihres Kindes zwischen dem ersten und zweiten Geburtstag untersuchen zu lassen. Das Sehvermögen entwickelt sich erst nach der Geburt. Neugeborene nehmen die Welt ziemlich verschwommen wahr, sie können ihre Augenbewegungen noch nicht koordinieren und keine Gegenstände fixieren. Beides lernen sie in den ersten 4 bis 6 Monaten.

Dabei schielen fast alle gelegentlich. Hören sie damit wieder auf, sprechen Fachleute von «Bébéschielen», eine Behandlung ist nicht nötig. Die Sehschärfe liegt nach der Geburt bei 3 bis 5 Prozent und nimmt bis zum Schulalter kontinuierlich zu. Bleibt das Schielen in dieser wichtigen Entwicklungsphase unbehandelt, beeinträchtigt es in 9 von 10 Fällen die spätere Sehleistung. Wenn die Augen nicht in dieselbe Richtung sehen, empfängt das Hirn zwei Bilder, die es nicht zu einem stimmigen dreidimensionalen Gesamtbild verarbeiten kann. Die Folge ist, dass eines der beiden Bilder unterdrückt wird.

Erfolg hängt vom Durchhaltewillen der Eltern ab

Bevorzugt das Hirn dabei immer das gleiche Auge, kann sich beim anderen die Sehschärfe nicht richtig entwickeln; es wird, wie es im Fachjargon heisst, amblyob oder sehschwach. Stoppen lässt sich diese Fehlentwicklung nur mit Massnahmen, die das Hirn dazu zwingen, auch das andere Auge zu gebrauchen. Als erstes bekommen viele schielende Kinder eine Brille, da sie häufig an einer ausgeprägten Weitsichtigkeit leiden.

Der nächste Schritt, das sogenannte Okkludieren, klingt komplizierter als es ist. Dabei wird das stärkere Auge über mehrere Stunden pro Tag mit einem speziellen Pflaster abgedeckt. Das Hirn passt sich dieser Veränderung blitzschnell an. Obwohl es Bilder aus dem nicht zugeklebten Auge normalerweise ausblendet, sieht es nun mit diesem: So kann sich seine Sehschärfe normal entwickeln. Wie lange das bessere Auge abgedeckt bleiben muss, bestimmt der Augenarzt.

Ungefähr alle sechs Wochen kontrolliert er die Fortschritte und passt den Behandlungsplan an. Ohne Mithilfe der Eltern geht dies allerdings nicht, der Erfolg hängt vor allem von ihrem Durchhaltewillen ab. Sie sind dafür verantwortlich, dass ihr Kind die Brille ununterbrochen trägt. Sie müssen es über Jahre hinweg immer wieder zum Arzt bringen, sieben Tage die Woche Pflaster aufkleben und wieder entfernen – und das oft gegen den Willen des Kindes, das viel zu klein ist, um den Sinn dahinter zu begreifen.

Operation erst, wenn Kind zuverlässig Brille trägt

Eine Operation wird bei rund der Hälfte aller schielenden Kinder empfohlen. Dabei handelt es sich in erster Linie um einen kosmetischen Eingriff, bei dem die Augenmuskeln auf der einen Seite verlängert und auf der anderen verkürzt werden. Kinder werden unter Vollnarkose operiert und zwar erst dann, wenn sie zuverlässig eine Brille tragen können. Das Auge sieht danach geradeaus, aber an der Sehkraft verändert die Operation nichts. Auf die Brille können die Mädchen und Buben danach ebenso wenig verzichten wie auf die Weiterführung der Behandlung mit Abdeck-Pflastern.

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