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Steffi im Glück

Liebes Christkind: reingelegt!

Illustration: Mutter und Tochter an Weihnachten mit vielen Geschenke

«Schadensbegrenzung» ist eigentlich kein Begriff, den ich zur Kindererziehung zählen würde, aber in diesem Fall macht er Sinn.

Denn jetzt, in der Vorweihnachtszeit, habe ich das Gefühl, dass ich nichts anderes mache, als die Weihnachts-Wunsch-Wut meiner Kinder zu dechiffrieren. Und schuld daran bin ich. Ich habe einen Erziehungsfehler gemacht, als ich Mia und Lily eine lustige Anekdote aus meiner Kindheit erzählte. Diese handelt davon, dass ich als neunjähriges Mädchen dem lieben Santa Claus (ich bin in Kalifornien aufgewachsen und habe deshalb eine grosse Schwäche für orangefarbenen Toast-Käse) einen Brief geschrieben habe, auf dem ich mit Absicht zuerst ganz viele Dinge aufgelistet habe, von denen ich sicher war, dass ich sie sowieso nicht bekommen würde. Dazu gehörten unter anderem «ein Korb voller Kätzchen» und «eine Reise nach Hawaii». Auf jeden Fall überlegte ich mir damals, dass sich der Santa Claus so schlecht fühlen würde, dass er mir diese grossen Wünsche nicht erfüllen könnte, dass er direkt bei Punkt 5 auf meiner Liste einhaken würde, wo sich «Designer-Jeans» und «richtig gute Filzstifte» befanden – denn die waren meiner Meinung nach doch einigermassen realistisch. Leider ging der Plan aber nicht auf – die innig erwünschten Jeans musste ich mir viel später selber kaufen, genauso wie einige weitere Highlights aus dem Brief, den meine Eltern mir heute noch gerne zeigen.

Mia und Lily fanden die Story erwartungsgemäss wahnsinnig lustig. Und treiben mich damit jetzt in den Wahnsinn. Denn ich habe schon mindestens zwölf verschiedene Wunschlisten erhalten, von denen ich überhaupt nicht sicher wissen kann, welche Wünsche ernst gemeint sind und welche nicht. Lily hat netterweise mehrheitlich Zeichnungen gemacht, da sich ihre Schreibkünste noch immer ziemlich im Rahmen halten. Ist das ein Dreirad? Oder ein Barbie-Velo? «Beides wäre super», meint sie dazu und rennt davon. Mia hingegen wünscht sich laut Post-it-Zettel-Mitteilung Reitstunden. Doch als ich sie frage, ob sie sich bewusst sei, dass sie zuerst wirklich reiten lernen müsste, und nicht gleich wie im «Horseland»-Trickfilm herumgaloppieren könne, sagt sie: «Ach nö, dann nicht. Dann wünsche ich mir eben ein Tim und Struppi-Buch.» Doch der lustigste Weihnachtswunsch bisher kommt von Lily: Sie zeichnet einige verschrumpelte Kreise und schreibt mithilfe von Mia darüber: «Gornfleks zum Znacht». Sie können sicher sein, dass ich ihr DEN Wunsch erfüllen werde! Oder war das auch nur eine clevere Ablenkungsmasche, um doch noch die «Baby Born»-Puppe im Hochzeitskleid zu kriegen? Ich bleibe dran. Und kaufe schon mal eine Grosspackung Cornflakes für Heiligabend.

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