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Klar sind Kinder Ego-Projekte

Mutter mit Kind

Eltern sind egoistisch und Kinder bringen der Gesellschaft nichts, behauptet die NZZ in einem Artikel. Stimmt, wenn man es radikal rational sieht.

Vor ein paar Tagen hat dieser Artikel Kommentare provoziert wie wild.

Unter dem Titel «Kinder sind ein Ego-Projekt» erklärt die NZZ-Redaktorin, Kinder seien Ego-Projekte. Eine Provokation, aber nicht nur. Ich möchte an dieser Stelle den Artikel wohlwollend zerpflücken (und nicht, wie die meisten, sich grad zu empören):

«Niemand in der wohlhabenden Schweiz hat Nachwuchs, um der Allgemeinheit etwas Gutes zu tun, vielmehr tut er oder sie sich selber einen Gefallen.»
Absolut richtig. Ich frage mich allerdings, ob das früher anders war und man sich sagte: «Schatz, lass uns vögeln, ich möchte der Allgemeinheit etwas Gutes tun.»

«Kinder haben, um glücklich zu sein – das ist ein sehr menschlicher und verständlicher Wunsch.»
Wieder korrekt.

«Aber nüchtern betrachtet stellt sich die Frage, wieweit man für persönliche Lebenswünsche die finanzielle Unterstützung der Allgemeinheit in Anspruch nehmen kann beziehungsweise wie sich ein solcher Anspruch legitimieren lässt.» Diese Frage werfe auch der Vaterschaftsurlaub auf.
Und auch das ist verständlich, darüber kann man tatsächlich diskutieren. Genauso wie man darüber diskutieren kann, ob wir alle Gebühren zahlen für Radio- und Fernsehsender, die aber nur von einem Teil von uns genutzt werden. Oder ob wir für Autobahnen zahlen, die lediglich von Autofahrern befahren werden.

Angehende Eltern, so die NZZ-Autorin, müssten sich, in einer Zeit, in der das Kinderkriegen plan- und wählbar ist, vorgängig fragen, ob sie überhaupt «für die herausfordernde Aufgabe der Kindererziehung geeignet» seien. Und ob sie dazu den richtigen Partner hätten.
Auch dem stimme ich absolut zu und hoffe schwer, die meisten tun das. Kinder in die Welt zu setzen, soll wohlüberlegt sein.

Auch richtig: Sowohl Eltern als auch Kinderlose versprechen sich von ihrer Entscheidung Vorteile.
Klar, wir Menschen schauen zuerst mal für uns selbst.

Und schliesslich das Fazit: Nüchtern betrachtet und aus volkswirtschaftlicher oder ökologischer Perspektive ergibt es nicht viel Sinn, ein Kind zu zeugen.
Welch bahnbrechende Erkenntnis, sage ich da nur.

Im Prinzip mag ich solche Artikel und habe selbst schon welche geschrieben. Allerdings stand da jeweils Polemik darüber, mit «Kommentar» ist das vorliegende Beispiel gerade noch genügend gekennzeichnet. Die Autorin ist im Prinzip auf der sicheren Seite, denn sie schreibt «nüchtern betrachtet». Nur blöd, dass man Kinder kaum nüchtern betrachten kann. Schon beim Zeugen ist Nüchternheit fehl am Platz. Allen Dingen, die wir lieben oder uns wünschen, können wir gar nicht rein rational begegnen. Und klar sind Kinder bis zu einem gewissen Grad Ego-Projekte. Mir ist noch nie jemand begegnet, der etwas anderes behaupten würde.

Und doch frage ich mich: Wer hat denn entschieden, dass ökonomische Maximen auf einmal auf alles anwendbar sein müssen? Die Menschheit hat mit ökonomischem Denken viel erreicht, aber auch viel verloren. Vergessen wir nicht, dass wir neben homines oeconomici auch noch impulsive Wesen mit Gefühlen sind.

Mein Fazit für logisch Denkende und gleichzeitig die Pointe: Kinderlose müssen sich nicht grämen angesichts des Geldes, das sie an die Kinder anderer verlieren. Nein, sie sollten sich daran erfreuen, wie viel Geld sie ohne Kinder sparen und zur Verfügung haben. Rein nüchtern betrachtet meine ich.


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