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11 Zahnpflege-Mythen auf dem Prüfstand - Cover

Kinderzähne

11 Zahnpflege-Mythen auf dem Prüfstand

Es geistert vielerlei Halbwissen durch den Alltag junger Eltern – auch bei der Pflege von Kinderzähnen. 11 Zahnpflege-Mythen auf dem Prüfstand.

  • Zähneputzen beginnt mit dem ersten Zahn.

    Richtig. Babys bekommen in der Regel mit etwa sechs Monaten das erste Zähnchen. Dieses sollte abends vor dem Schlafengehen mit einer kleinen Zahnbürste mit weichen Borsten und einer erbsengrossen Menge Kinderzahnpasta geputzt werden. Dabei sollte von Anfang an eine Zahnpasta mit Fluorid verwendet werden, dieses wirkt lokal an den Zähnen und macht sie widerstandsfähiger gegen Karies. Wattestäbchen vermögen fest haftende Plaque übrigens nicht zu lösen, wie Zahnmediziner Adrian Lussi, Professor und Direktor der Klinik für Zahnerhaltung, Präventivund Kinderzahnmedizin an der Universität Bern, sagt. Sie eignen sich nicht als Zahnbürstenersatz.

  • Kinder sollten Kinderzahnpasta benutzen.

    Richtig. Zahnpasta für Kinder enthält weniger Fluorid als solche, die für Erwachsene geeignet ist. Babys und Kleinkinder können Zahnpasta noch nicht ausspucken und schlucken sie. Schädlich ist Fluorid auch in etwas höherer Dosis nicht, aber es kann zu weissen Flecken auf den Zähnen führen.

  • Einjährige reinigen einmal, Zweijährige zweimal pro Tag ihre Zähne

    Richtig. Natürlich würden schon die Kleinen am besten nicht nur abends, sondern auch morgens und mittags ihre Zähnchen schrubben. Wer mehrere Kinder hat, weiss aber, dass es eine ziemlich aufreibende Angelegenheit sein kann, mehrmals allen die Zähne zu reinigen. Bis die Kinder etwa zwei Jahre alt sind, reicht einmal Zähneputzen pro Tag deshalb aus. Danach sollte man ihnen aber mindestens zweimal täglich die Zähne reinigen und dies jeweils zwei Minuten oder länger. Übrigens: Zahnbürsten müssen nicht zwingend nach drei Monaten ausgewechselt werden, sondern einfach, wenn die Borsten abgenutzt sind.

  • Tägliches Zähneputzen bei Kindern ist ein Drama in drei Akten

    Muss nicht sein. Kinder verfügen in der Regel über ein beachtliches Repertoire an Gründen, weshalb Zähneputzen gerade keine gute Idee sei. Bei einem gibt Lussi ihnen recht: Kinderzahnbürsten sind oft zu hart und schmerzen. Eltern sollten des-halb unbedingt auf weiche Borsten achten; sie reinigen Zähne genauso gründlich wie harte. Und wenn das Töchterchen immer noch nicht will? Vielleicht kann ein spielerisches Ritual helfen: Wenn Papi ein Lied vorsingt zum Beispiel, eine Geschichte erzählt oder das Zähneputzen mit einem Verslein begleitet.

  • Können Kinder die Zahnbürste alleine führen, kann man das Putzen ihnen überlassen

    Falsch. Selbst bei Kindern, die schon gut alleine ihre Zähne putzen können, muss ein Erwachsener mindestens einmal am Tag nachreinigen, am besten abends. So kommen im Alter von etwa sechs Jahren beispielsweise neue Stockzähne, die Kinder gerne vergessen. In der Regel kann man Kindern das Zähneputzen erst ab etwa acht Jahren ganz alleine überlassen.

  • Eltern sollten Nuggis und Babylöffelchen nicht in den Mund nehmen

    Falsch. Da klaubt man den Nuggi von zuunterst aus der Tasche hervor, und…klebt da nicht was? Soll man das Ding nun notdürftig mit einem Taschentuch abwischen, da kein Wasserhahn in Sicht ist? Oder doch schnell in den Mund damit, bevor man den Schnuller wieder dem Baby zusteckt? Die Angst, dem Kind so Kariesbakterien zu übertragen, könne man sich sparen, findet der Zahnmediziner. «Bis Kinder zwei Jahre alt sind, nehmen sie von allen Familienmitgliedern ständig Bakterien auf – und das ist auch gut so», sagt Lussi. Selbstverständlich sollten Eltern aber auch bei sich selbst auf gute Mundhygiene achten.

  • Wer die Zähne seiner Kinder gesund halten will, streicht Süsses aus ihrem Ernährungsalltag

    Falsch. Ein Konfibrot am Morgen und das Dessert nach dem Abendessen sind kein Problem, wenn das Kind danach die Zähne putzt. Wichtig ist, dass Süsses im Rahmen der Hauptmahlzeiten konsumiert wird und nicht zwischendurch. Kinder – und auch Erwachsene – sollten nicht mehr als vier oder fünf Mal pro Tag zuckerhaltige Speisen und Getränke zu sich nehmen, dazu zählen auch Bananen, Ketchup oder Apfelsaft. Zum Znüni eignen sich Äpfel oder Rüebli, ungezuckerter Tee und Wasser.

  • Nächtliche Milchschoppen schaden Kinderzähnen

    Richtig. Die häufigste Ursache für Karies bei Kleinkindern sind Schoppen mit gezuckertem Tee oder Fruchtsaft, an denen das Baby über Stunden nuckelt. Besonders in der Nacht richtet auch der Milchschoppen grossen Schaden an, denn der Mensch produziert im Schlaf kaum Speichel. Speichel hat in der Kariesprophylaxe aber eine wichtige Funktion: Er verdünnt und neutralisiert die Säuren im Mund und umgibt die Zähne mit einem Schutzfilm.

  • Ein wenig Käse oder Milch nach dem Zvieri neutralisiert den Säurehaushalt im Mund

    Richtig, aber…Tatsächlich haben Milchprodukte eine ausgleichende Wirkung – aber man sollte sich nicht zu viel davon versprechen. Früher habe man gedacht, dass schon etwas Joghurt oder Käse ausreichen, um nach einer Zwischenmahlzeit den Zahn zu stärken und vor Karies zu schützen, sagt Lussi. «Dabei braucht der Körper mehrere Jahre, um aus Kalzium einen Zahn zu machen.» Den Mund mit Wasser zu spülen oder einen zahnschonenden Kaugummi zu kauen, wenn man gerade keine Zahnbürste zur Hand hat, bringt übrigens genauso viel.

  • Spätestens mit zwei Jahren steht der erste Zahnarztbesuch an

    Falsch. Nicht der Zeitpunkt ist entscheidend, sondern, dass der erste Zahnarztbesuch eine positive Erfahrung ist für das Kind und spielerisch und ohne grosses Aufheben angegangen wird. Am besten geht das Kind einmal mit der Mutter oder dem Vater mit, und beim Abschied schaut ihm die Zahnärztin en passant in den Mund. Weist ein Kind hingegen längliche weisse Flecken am Zahnfleischrand auf, sollte man sofort einen Termin vereinbaren. Sie sind Anzeichen für Karies.

  • So schlimm ist ein Loch nun auch wieder nicht. Milchzähne fallen ja sowieso irgendwann aus

    Falsch. Karies gelangt bei Milchzähnen viel rascher an die Zahnwurzel und führt zu Schmerzen, die wohl alle Eltern ihren Kindern ersparen möchten. Muss ein Milchzahn zudem gezogen werden, nehmen andere Zähne seinen Raum ein, und es kommt zu Fehlstellungen, die später mühevoll korrigiert werden müssen. Milchzähne sind Platzhalter für die bleibenden Zähne.

Mehr Informationen zu Mundhygiene und zum richtigen Zähneputzen bei Kindern gibts bei der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft SSO.

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