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Schwangerschaft, Ernährung, Gesundheit

(K)ein Gläschen in Ehren...

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In Sachen Alkohol und Zigaretten in der Schwangerschaft herrscht Unsicherheit. Was ist erlaubt, was ist zu viel?

Kleine Mengen Alkohol in der Schwangerschaft beeinträchtigen die Entwicklung des Kindes nicht. Zwei kleine Gläser Bier oder Wein wöchentlich sind vertretbar. Zu diesem Schluss kamen Forscher vom University College in London, nachdem sie 12 500 Dreijährigen untersucht hatten.

Nulltoleranz gefordert

«Es gibt keinen Grenzwert für ungefährlichen Alkoholkonsum in der Schwangerschaft», sagt dagegen Franziska Maurer, Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG). Fachleute befürchten, dass die steigende soziale Toleranz gegenüber dem Alkoholkonsum bei Frauen dazu führt, dass auch in der Schwangerschaft häufiger Alkoholika getrunken werden.

«Bis wir nicht absolut sicher wissen, wie viel gesundheitlich unbedenklich ist, sollten schwangere Frauen möglichst auf Alkohol verzichten», so Maurer. Die SGGG ruft deshalb Gynäkologen zu einer einheitlichen Praxis auf, die Empfehlung solle lauten: Nulltoleranz in Sachen Alkohol.

Ausrutscher mit Folgen

Unbestritten ist, dass grössere Mengen Alkohol das Kind nachhaltig schädigen – und zwar in jedem Schwangerschaftsstadium. Fachleute schätzen einen einmaligen Ausrutscher sogar als gefährlicher ein als regelmässigen bescheidenen Konsum; fünf Gläser Wein verteilt über die ganze Schwangerschaft sind für das Ungeborene harmloser als wenn sie an einem einzigen Abend getrunken werden.

Welche Folgen unkontrollierter mütterlicher Alkoholkonsum für den Fötus hat, zeigt sich an den Babys, die mit fetalem Alkoholsyndrom (FAS) geboren werden. Die Schädigungen reichen von geringen Entwicklungsverzögerungen und -störungen über bleibende Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu schweren Hirnschädigungen, körperlichen Auffälligkeiten insbesondere am Kopf und im Gesicht, Wachstumsstörungen sowie Herz- und Niereninsuffizienz bis zum Tod des Fötus.

Keine Sorgen müssen sich Schwangere machen, die in den ersten zwei Wochen nach der Befruchtung versehentlich Alkohol getrunken haben. «Entweder stirbt die befruchtete Eizelle ab oder es passiert ihr nichts», sagt Daniel Surbek, Chefarzt der Frauenklinik am Inselspital Bern. «Viel wichtiger ist, was in den nächsten acht Monaten passiert.»

Drei bis fünf Zigaretten akzeptabel

Auch Rauchen erhöht das Risiko einer Früh-, Fehl- oder Totgeburt, denn Zigarettenrauch enthält teilweise hochgiftige Stoffe die durch die Plazenta praktisch ungefiltert in den Blutkreislauf des Kindes gelangen. Das führt zu Sauerstoffmangel im kindlichen Blutkreislauf.

Gleichzeitig verengen sich die Gefässe der Plazenta, sodass weniger Sauerstoff und Nährstoffe zum Kind gelangen. Wenn es denn gar nicht anders gehe, hält Daniel Surbek drei bis fünf Zigaretten pro Tag für akzeptabel. «Besser wäre aber, ganz damit aufzuhören», so der Facharzt. Die Vorteile einer rauchfreien Schwangerschaft würden die Nachteile des Nikotinentzugs bei weitem.

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