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Jahresbilanz für das letzte Kind

Vater mit Kind am Steuern machen

So fühlt sich also Urlaub an. Nachdem Deutschlands Sommer dieses Jahr noch tiefer ins Wasser gefallen ist als sonst und mein Bundesland ferientechnisch zu dem Letzten gehörte, hatte ich ja schon nicht mehr viel Hoffnung.

Aber es geschehen tatsächlich noch Zeichen und Wunder. Und ein paar wirklich heisse Sommertage in einem Freibad irgendwo in den österreichischen Alpen. Die Älteste ist mit ihren Pfadfindern in der Weltgeschichte unterwegs, mit dem grossen Sohn bin ich gleich zu einer Billardpartie verabredet und mein zweijähriger Kerl rutscht quietschvergnügt und ganz allein eine Monsterrutsche hinab in die Arme seiner Lieblingsmama. Meine Jüngste schläft. Von Bäumen beschattet, erschöpft von der Sonne und im Schlaf noch nach Dingen greifend. Alles ist ziemlich gut und ich gönne mir den tiefsten Atemzug seit einem Jahr. Denn es war ein sehr langes Jahr.

Ein Jahr, das nicht mit dem Neujahrstag endet sondern mit dem neuen Zeitalter, das durch die Kitaeingewöhnung meines Töchterchens markiert wird. Ich hatte sie wirklich gern für mich allein. Dieses winzige, fast schon absurd entspannte Mädelchen, das sich immer dann am wohlsten gefühlt hat, wenn um sie herum alles in Aufruhr war. Ich bin aber auch froh, dass ich sie endlich zu festen Zeiten abgeben kann und nicht mehr die Hauptverantwortung für sie habe. Was wird das geil wieder so spiessige 8 – 15 Uhr Kernarbeitszeiten zu haben und die Texte für Montag nicht mehr Sonntagnacht um 3 fertig zu stellen. Dann werden Artikel wieder vorproduziert und Steuererklärung gemacht und Akquise betrieben und Sexismus umgerempelt und aber mal sowas von aufwendig gekocht, da wird noch lange von zu reden sein, jahaaaaa. Nahostkonflikt und Theory of Everything stehen auch noch auf der Liste. Stell ich mir jetzt nicht so schwierig vor. Hier, im sonnengetränkten Halbschatten neben meiner Tochter mit satten neun Stunden Schlaf in den Gliedern, fühle ich mich sehr zufrieden und wach. Klar war das erste Jahr auch lustig und schön. Aber darüber hinaus hat es sich angefühlt wie ein Boxkampf über zwölf Monatsrunden. Niemand ist K.O. gegangen. Die Sonne scheint.

Es war ein gutes, verdammt langes Jahr.


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