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Gesundheit

Hat der Doktor recht?

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Viele Eltern überprüfen Diagnosen im Internet. Gut so, sagt der Kinderarzt Stephan Rupp.

wir eltern: Immer häufiger informieren sich Eltern nach dem Besuch beim Kinderarzt via Internet zu Symptomen und Diagnosen. Pfuschen Ihnen die Mütter und Väter ins Handwerk?

Stephan Rupp: Eine Internetsuche vor einer Konsultation verunsichert die meisten Eltern. Ich musste deswegen schon Untersuchungen zum Ausschluss von sehr seltenen Krankheiten vornehmen. Es ist für die meisten Laien schwierig, die Informationen richtig zu bewerten. Nach der Konsultation ist eine Recherche im Netz allerdings sinnvoll. Ich gebe Eltern manchmal konkrete Stichworte mit. Es ist gut, wenn sie sich mit Krankheiten ihres Kindes auseinandersetzen.

Worauf müssen Eltern achten, wenn sie im Netz Informationen zu Krankheiten suchen?

st wichtig, aber schwierig, die richtigen Suchbegriffe einzugeben. Zudem müssen die Treffer nach Häufigkeit und Relevanz gewichtet werden. Die meisten Kinderkrankheiten sind sehr banal. Bei der Suche im Netz erscheint aber das Gefährliche und Beeindruckende zuerst. Informationen von zertifizierten Websites sind zu bevorzugen.

Wie verhindern Mütter und Väter, dass sie zu «Cyberchondern» werden?

Allgemeinen sind Kinder gesunde Wesen. Eltern sollen nicht immer mit dem Schlimmsten rechnen. Sie sollten nicht stundenlang vor dem Computer sitzen: Je länger die Suche dauert, desto schlimmere Infos werden gefunden. Ein normaler Krankheitsverlauf oder banale Wehwehchen kommen im Netz viel zu wenig zur Sprache. Wichtig ist, dass Eltern den Kinderarzt auf Gefundenes ansprechen; nur so kann er ihre Verunsicherung klären.

Beraten Kinderärzte auch per E-Mail?

sse Kinderärzte tun das, wenn sie das Kind kennen. Ich tausche mich nur in Ausnahmefällen per E-Mail mit den Eltern aus. Bei chronischen Krankheiten kann so die eine oder andere Konsultation wegfallen. Auch gewisse psychiatrisch-psychologische Probleme können so behandelt werden. Bei jugendlichen Patienten ergeben sich durch die Unpersönlichkeit der E-Mails zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten. Eines bleibt aber klar: Der Eindruck eines Kindes in der Sprechstunde ist sehr zentral für Diagnose und Behandlung.

Auf welchen seriösen Internet-Plattformen finden Eltern medizinische Informationen?

ifische Websites für Kinderkrankheiten gibt es kaum. Eine Hilfe bietet das Qualitätslabel der von der UNO anerkannten Stiftung Health on the Net (HONcode). In der Schweiz sind www.onmeda.choder www.sprechzimmer.ch zertifiziert, Wikipedia ist meistens eine gute Quelle. Eltern können Gesundheitsdaten der ganzen Familie auch online speichern. Swisscom bietet mit www.evita.ch ein solches elektronisches Patientendossier an. Verschiedene Krankenkassen und IT-Unternehmen sind ebenfalls mit Lösungen auf dem Markt.

Person

Stephan Rupp ist Facharzt FMH für Pädiatrie und Vorstandsmitglied des Verbandes Hausärzte Schweiz (MFE).

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