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Monya Todesco Bernasconi

Geburtsschmerzen kontrollieren

Monya Todesco Bernasconi

Die Statistik zeigt, dass Frauen, die ohne medizinische Interventionen gebären, am zufriedensten sind mit der Geburt. Am unzufriedensten sind die Frauen, die natürlich gebären wollten, bei denen es aber nach vielen Stunden Wehen zu einem Kaiserschnitt kommt.

wir eltern: Monya Todesco Bernasconi, wieso sind die Mütter nicht einfach glücklich, dass ihr Leiden ein Ende hatte und sie selbst und ihr Kind überlebt haben?

Monya Todesco Bernasconi: Ich verstehe, dass die Frauen frustriert sind. Sie haben im Prinzip zweimal geboren. Oft haben sie das Gefühl, ausgeliefert zu sein und nichts mehr unter Kontrolle zu haben. Ausserdem sind die Frauen erschöpft von den Wehen. In einem solchen Zustand ist eine Operation nicht angenehm und häufiger mit Komplikationen verbunden.

Was hilft, den Geburtsschmerz zu ertragen?

Eine gute Vorbereitung und Infos über die körperlichen Vorgänge bei der Geburt. Wenn man weiss, wie der Schmerz entsteht und welchen Sinn er hat, ist er einfacher auszuhalten.

Darf die Frau zu Hause ein Schmerzmittel nehmen, wenn die Wehen eingesetzt haben?

Leichte Schmerzmittel wie Paracetamol sind erlaubt. Meistens helfen sie allerdings kaum. Medikamente wie Ponstan oder Ibuprofen haben einen negativen Effekt auf den kindlichen Kreislauf und dürfen deshalb nicht eingenommen werden.

Kann eine PDA dem Kind schaden?

Nein. Sie könnte nur indirekt Einfluss haben: Sinkt der Blutdruck der Mutter, ist die Durchblutung der Plazenta vermindert. Deshalb wird der mütterliche Kreislauf immer kontrolliert und wenn nötig sofort mit Blutdruckmedikamenten normalisiert.

Die PDA-Rate in der Schweiz ist deutlich tiefer als in den USA oder in Frankreich. Wieso das?

Das hat wohl vor allem mit der Information der Schwangeren und dem Angebot der Klinik zu tun.

Manche Frauen bekommen zu hören, es sei noch zu früh für eine PDA – oder bereits zu spät, das Kind sei sowieso gleich da. Das verärgert sie ziemlich.

da. Das verärgert sie ziemlich. Zu Recht. Eine PDA kann auch noch kurz vor der Geburt gesetzt werden. Auch ein «zu früh» gibt es nicht.

Die natürliche Geburt ist nicht die einzig richtige Geburtsart.

Monya Todesco Bernasconi

Sie haben ein Jahr lang in einer Geburtsklinik in Costa Rica gearbeitet. Wie gebären Frauen in Mittelamerika?

Im Universitätsspital in San José hatten wir 8000 Geburten pro Jahr, also etwa eine Geburt pro Stunde. Die Frauen hatten keine Wahlmöglichkeiten. Jede bekam beim Eintritt einen Einlauf, musste duschen und wurde eine Stunde lang spazieren geschickt. Danach lag sie im Bett, bis das Kind da war. Gab es Probleme, wurde relativ schnell ein Kaiserschnitt gemacht. Die PDA gab es nicht.

Ertragen Frauen aus anderen Kulturen die Geburtsschmerzen besser als Schweizerinnen?

Das glaube ich nicht. Der Schmerz wird jedoch unterschiedlich ausgedrückt. Die Frauen in Costa Rica nahmen die Umstände in Kauf, wirkten allerdings resigniert. Asiatinnen sind manchmal sehr zurückhaltend und kontrolliert. Doch auch manche Schweizerinnen sind so. Wobei es gut sein kann, in gewissen Phasen der Geburt laut zu werden – weil der Druck auf den Muttermund weicht, wenn er über die Stimme abgegeben wird.

Wo liegt die grösste Herausforderung bei der Geburt?

Es ist schwierig, die richtige Geburtsart nicht zu verpassen. Bei manchen Frauen ist dies die interventionsfreie vaginale Geburt, bei andern der geplante Kaiserschnitt, bei den dritten die Geburt mit PDA.

Was kann eine Frau tun, damit sie die Geburt nicht als enttäuschend erlebt?

Sie sollte ihre Wünsche für die Geburt kennen, aber nicht fixiert sein auf eine bestimmte Geburtsart. Wichtig sind Vertrauen und aktives Involviert-Sein in die Entscheidungen.

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