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Frauenstreik 2019

Warum Frauen heute demonstrieren

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Dieser Artikel erscheint heute in ähnlicher Form auf verschiedenen News-Portalen der Schweiz. Journalistinnen machen auf Ungleichbehandlung, Chancenungleichheit und Diskriminierungen auch im eigenen Beruf aufmerksam.

Journalistinnen verschiedener Schweizer Medienhäuser haben zusammengearbeitet und Fakten zusammengetragen, die heute auf News-Portalen veröffentlicht werden. Die Zahlen belegen, dass die Gleichstellung in der Schweiz nicht erfüllt ist. Heute findet in der Schweiz deshalb der erste Frauenstreik seit 28 Jahren statt. Das Motto: Lohn. Zeit. Respekt. Kundgebungen gibt es in vielen Städten.

In der Schweiz bedeutet Mutterschaft ein erhöhtes Risiko für Ungleichstellung: Auch im Jahr 2019 riskiert eine Schwangere, dass sie nach dem Mutterschutz keine Stelle mehr hat. Gemäss einer Studie des Arbeitnehmerverbands TravailSuisse erhält jede 10. Frau in der Schweiz nach dem Mutterschaftsurlaub die Kündigung.

Frauen mit Kindern erleben die Stellensuche immer wieder als diskriminierend: Über die schwierige Situation von Müttern auf Stellensuche hat «wir eltern» zum Beispiel hier berichtet.

Arbeitet die Frau dann - wie 80 Prozent der Mütter in der Schweiz - in einem Teilzeitpensum, kommt sie mit Kinderbetreuung, der Betreuung von Angehörigen und Hausarbeit auf eine Wochenarbeitszeit von etwa 72 Stunden. Wie Sibylle Stillhart in ihrem neuen Buch «Schluss mit Gratis! Frauen zwischen Lohn und Arbeit» (Limmat Verlag 2019) schreibt, arbeiten auch Väter mit kleinen Kindern insgesamt rund 72 Stunden pro Woche. Der Unterschied: Bei ihm sind zwei Drittel der Stunden bezahlte Arbeit, bei ihr sind zwei Drittel unbezahlte Arbeit. Als Folge dieser Arbeitsteilung und von Arbeit tendenziell im Niedriglohnsektor sind Frauen im Rentenalter finanziell schlechter gestellt und armutsgefährdet.

Für dieselbe Arbeit erhalten angestellte Frauen weniger Lohn. Dies, obwohl der Verfassungsauftrag zur Lohngleichheit klar ist: Gleicher Lohn für Frauen und Männer für gleichwertige Arbeit. Die Diskriminierung beginnt schon mit dem Berufseinstieg: Unerklärbare rund 7 Prozent mehr Lohn erhalten männliche Berufseinsteiger, wie Michael Marti und Kathrin Bertschy in einer Längsschnittstudie herausgefunden haben.

Die Kolleginnen der verschiedenen Redaktionen haben zudem weitere Punkte zusammengetragen, die hier in Auszügen mit Fokus auf Themen, die in der Schweiz relevant sind, kurz erwähnt werden:

  • Die Pink Tax ist auch in der Schweiz Realität. Obwohl Frauen weniger verdienen, zahlen sie für gewisse Dinge wie den Coiffeurbesuch oder diverse Hygiene- und Beautyprodukte deutlich mehr als Männer.
  • Die grundlegenden Hygieneprodukte Tampons und Binden sind in der Schweiz bisher Luxusgüter. Auf sie wird der volle Mehrwertsteuersatz erhoben – bei wesentlich unwichtigeren Produkten wie Schnittblumen, Streumittel für Tiere oder Kaviar hingegen der reduzierte Mehrwertsteuersatz.
  • Frauen sind in politischen Ämtern untervertreten. Im Nationalrat sind 32 Prozent Frauen, im Ständerat 15.2 Prozent. Auf kantonaler Ebene sieht es ähnlich aus: In den kantonalen Regierungen sind 24 Prozent Frauen, in den kantonalen Parlamenten sind es 27.9 Prozent.
  • 2016 waren 73% der 10 040 von häuslicher Gewalt geschädigten Personen Frauen. Als häusliche Gewalt gelten unter anderem Tätlichkeiten und Vergewaltigungen.
  • Pro Monat werden durchschnittlich zwei Frauen durch häusliche Gewalt getötet.
  • Viele Formen sexueller Belästigung sind weit verbreitet. 59 Prozent aller Frauen in der Schweiz wurden bereits unerwünscht berührt, umarmt oder geküsst.
  • Beschneidungen finden auch hierzulande statt. Gemäss Terre des Femmes sind bis zu 13 000 Mädchen in der Schweiz von genitaler Verstümmelung betroffen.
  • Auch im Journalismus sind Lohndiskriminierungen und ein Geschlechterungleichgewicht über die Hierarchiestufen hinweg nachgewiesen. Der Frauenanteil nimmt bei Mitarbeitenden über 30 rasant ab.

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