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Einfach mal «Sorry» sagen

Junge schämt sich.

Unser Blogger blickt – mit einem schlechten Gewissen – auf seine Kindheit zurück.

Wir sind ja immer sehr schnell und sehr gut darin, unsere Kinder zu schelten. Oder ich zumindest. Wir sind aber auch sehr gut darin, das zu vergessen, was wir als Kinder selbst so geboten haben. Oder ich zumindest.

Das wurde mir grad kürzlich schlagartig bewusst, als ich nach Hause kam, Ben mit zwei Freunden bei bestem Wetter vor dem Fernseher (Netflix natürlich, wer schaut heute noch fern?) vorfand, alle rausschickte und die Bande mit gesenktem Kopf das Haus verliess. Was kümmerte es uns früher, wie schön es draussen war, wenn sich uns die Gelegenheit bot, fernzusehen? Und wie fanden wir die Erwachsenen doof, die uns daraufhin ins Freie scheuchten.

Ich möchte darum Busse tun und mich nachträglich entschuldigen für ein paar kindische Untaten, die mir in Erinnerung geblieben sind:

  • Sorry, C., dass ich beim Tannzapfensammeln einen Tannzapfen in Katzenkacke drapiert habe und dich aufgefordert habe, ihn aufzulesen (und du dem nachgekommen bist).
  • Sorry, E., dass ich die Tafel Schokolade vor deinen Augen ganz alleine ass, ohne dir oder den anderen davon abzugeben.
  • Entschuldige, G. oder wie du auch immer heisst, dass ich deine Einladung zum Geburtstagsfest, als ich mich unbeobachtet fühlte, einfach in den Müll-Container warf (nur, weil du ein Mädchen warst).
  • Und Pardon, Mutter, dass du an meiner Stelle dann da anrufen und sagen musstest, ich könne nicht kommen. Sowieso all die Anrufe, die du für mich machen musstest, weil ich mich nicht traute.
  • Exgüsé, A., dass ich mir einbildete, ich sei Thor und meine Faust der Hammer und dir damit auf die Nase gehauen habe.
  • Tschuldigung, ihr zwei Zwerghamster, dass ich euer Terrarium kein einziges Mal selbst ausgemistet habe. Und sorry, Mutter, dass du die ganze Arbeit machen musstest.
  • Es tut mir leid, dass ich dich verarscht habe, S., und behauptet habe, wir kacken jetzt alle in das Loch im Acker, aber du den Anfang machen musstest und wir anderen dann lachend davonrannten.
  • Wie kann ich wieder gutmachen, liebe Eltern, dass ich unser Cheminée-Fenster mit einer Murmel kaputtschoss und kaum war das neue eingebaut auch dieses mit einer Murmel kaputtschoss?
  • Ich hoffe, du verzeihst mir, M.L., dass ich mit Kreide «du bist dick» auf eure Garagen-Einfahrt geschrieben habe. Ich habs ja dann wieder auswischen müssen.
  • Sorry auch, dass ich in jenem Dezember immer nur mit Fleece-Jacke herumgelaufen bin und schliesslich mit Bronchitis im Bett landete.
  • Entschuldigung, P., dafür, dass ich dir deine Batman-Sticker geklaut habe, weil du so viele davon hattest (Ich hatte so ein schlechtes Gewissen, dass ich sie wieder zurückbrachte. Ich glaube, du hast nicht mal gemerkt, dass sie weg waren.)

Und das sind nur mal jene Fälle, an die ich mich noch erinnern kann. Die Dunkelziffer ist wohl beträchtlich. Vielleicht ist es ganz gut, sich das zwischendurch mal vor Augen zu führen. Das macht uns etwas gelassener. Oder mich zumindest.


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