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Entwicklung im 1. Lebensjahr

Die Bewegungskünstler

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Sich drehen, krabbeln, sitzen und die ersten Gehversuche – das alles schafft das Baby aus eigenem Antrieb und ohne fremde Hilfe.

Babys sind Bewegungskünstler. Von der Geburt an spulen sie täglich ein Fitnessprogramm ab, das sich sehen lassen kann. Über die Bewegung erkunden sie ihre Umwelt, machen erste Erfahrungen mit der Selbstständigkeit und lernen, dass Rückschläge zum Leben – oder zumindest zum Laufenlernen – gehören.

Die Meilensteine der Bewegungsentwicklung stehen in den ersten Lebensjahren im Zentrum des Interesses der Eltern und deren Umfeld. Auf den Stellenwert, den Eltern diesen Entwicklungsschritten beimessen, hat auch der Markt reagiert: Babywippe, Babysitz, Babyhopser und Lauflerngerät sollen einerseits das Kind fördern und ihm Vergnügen bereiten. Andererseits werden sie auch als Entlastung für Müttern und Vätern das Leben erleichtern. Fachleute propagieren nun aber Bewegungsfreiheit.

Es sei das Wichtigste, dass die Bewegungsentwicklung bei Babys ungestört und möglichst ohne Eingriffe von Aussen erfolge, sagt die Zürcher Säuglingsfachfrau und Erwachsenenbildnerin Susanna Fischer. «Wippe, Babyhopser und Lauflerngerät – all das braucht es eigentlich gar nicht». Statt den Aktionsradius der Kinder mit solchen Geräten einzuschränken, sei es besser, ihre Aktivitäten im Alltag zu fördern.

Nicht zu früh aufsetzen

Verteufeln will Susanne Fischer Babygeräte wie die Wippe allerdings nicht; gezielt und kurzzeitig eingesetzt, können sie im Alltag gute Dienste leisten. Grundsätzlich empfiehlt sie Eltern jedoch, das Baby so lange liegend auf dem Boden zu behalten, bis es aus eigener Kraft fähig ist, seine Position zu verändern.

«Jeder Entwicklungsschritt», betont sie, «ist nötig als Vorbereitung für den nächsten.» So wird im Liegen die Bauchmuskulatur fürs Sitzen trainiert, und die Rückenmuskulatur wird aufgebaut, um später in den «Vierfüsslerstand» zu gelangen, von da aus zu krabbeln und die ersten Schritte zu unternehmen.

Besonders wichtig sei, dass ein Kind nicht zu früh hingesetzt werde. Wenn man ein Baby passiv in die Sitzposition befördere, bevor es selbst gelernt hat, sich aufzusetzen, drohten Haltungsschäden.

Sie werden faul

Die in Deutschland tätige Kinder-Physiotherapeutin Barbara Zukunft-Huber beschreibt in ihrem Buch «Die ungestörte Entwicklung Ihres Babys» noch einen anderen Aspekt: «Durch das passive Hinsetzen werden Säuglinge faul und abhängig vom Erwachsenen», ist da zu lesen. Und: «Sie überspringen die Krabbelphase und finden kein Zutrauen zu ihrer eigenen spontanen Bewegungsentwicklung.»

Diese verlaufe bei allen Babys nach bestimmten Gesetzmässigkeiten, sagt auch Susanna Fischer. Bei den einen etwas schneller, bei den anderen langsamer. «Jedes Kind robbt oder kriecht, wenn man ihm genügend Bewegungsmöglichkeiten lässt.» Kinder müssten Schritt für Schritt ihre eigenen Strategien entwickeln, um neue Fähigkeiten zu erwerben.

Das gute alte Laufgitter

Die Zürcher Mütterberaterin Anna Urben bedauert, dass Geräte entwickelt werden, in denen Kinder passiv bleiben müssen. «Mütter und Väter sprechen darauf an, weil ihnen weisgemacht wird, es sei das Beste für ihr Kind. Hinzu kommt vielleicht auch ein gewisses Konkurrenzdenken, weil es einen mit Stolz erfüllt, wenn das eigene Kind schon robbt, steht oder gehen kann.

Aber auch Anna Urben würde den Geräten nicht jeden Vorteil absprechen. Ein Autositz wie der Maxi-Cosi sei eine «super Erfindung» zum Autofahren. Wenn das Kind jedoch auch noch während des Picknicks im Autositz bleibe und darin gefüttert werde, sei das gesunde Mass überschritten.

Susanne Fischer windet schliesslich dem guten alten Laufgitter ein Kränzchen: Im Zentrum der Wohnung platziert, kann es während einer beschränkten Zeit gute Dienste leisten, zum Beispiel während die Mutter kocht.


Buchtipp

Barbara Zukunft-Huber: Die ungestörte Entwicklung ihres Kindes Trias-Verlag, Fr. 44.90

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