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Frauenfüsse auf Holzdeck am Wasser

Gesellschaft

«Chill doch mal!» – leichter gesagt als getan.

Relaxen? Sehr gern. Allerdings muss auch die Methode zu einem passen.

Für Magische

«Vor dir ein Schneefeld, die Schneeflocken, die weisse Weite …», Erich Zulauf raunt mit der Stimme eines professionellen Märchenonkels in mein Ohr. Mal soll ich mich fühlen wie eine Katze, die sich streckt, mal sollen Bäume an einem Zugfenster vorbeifliegen. Das alles soll ich sehen. Aber mehr so innen, denn meine Augen sind ja zu. Schliesslich werde ich im Dienste der Entspannung hypnotisiert. Enttäuschenderweise trägt Erich Zulauf dabei weder schwarzes Cape noch Zylinder, kein Pendel, keine gespenstische Stimme, kein bläuliches Gruselfilmlicht. Genaugenommen überhaupt kein Hokuspokus weit und breit. War ja von einem promovierten Molekularbiologen auch kaum zu erwarten. Also sitze ich einfach in einem bequemen Sessel und tue – nun ja, nix. Er redet: laut, leise, gedehnt, flüsternd. Eigenartig und schön. Sonore Stimmen sickern ja häufig ohne Umweg vom Gehörgang direkt in den Bauch. Leider erweise ich mich als «wenig suggestibel». «Wenig suggestibel» ist die freundliche Umschreibung von bockbeinig. Bei mir zuckt nichts auf Aufforderung, nichts zappelt, nichts bewegt sich. Aber eingeschlafen muss ich sein. Mir fehlen ein paar Minuten, ein winziges Schläfchen mit rötlichem Sekundentraum. Vielleicht war das ja Trance? Denn dass Hypnose Hirnströme verlangsamt, ist wissenschaftlich erwiesen. Nach einer Stunde fühl ich mich besser. Liegt es am Nickerchen? Liegt es daran, dass sich ein einfühlsamer, kreuzsympathischer Mensch eine Stunde lang ausschliesslich mit mir allein beschäftigt hat? Am Bassbariton? Oder liegt es doch an einem Hauch von Magie? Fazit: Zauber oder nicht Zauber, das ist hier nicht die Frage. Hauptsache erholt. www.erichzulauf.ch 1 Stunde 180 bis 200 Franken.

Für Wasserratten

Super, das Tote Meer liegt in Zürich. Zumindest liege ich in etwas ganz ähnlichem, nämlich in einer fast gesättigten ballettartiSalzlake und schwebe so vor mich hin. Floating heisst das Ganze und gehört zu den neueren Trends im Relaxbusiness. Die Schwerelosigkeit soll entspannen, das Magnesiumsulfat ein Segen für die Haut sein, die Abwesenheit von Reizen dem Kopf eine Kostprobe vom Nirwana geben. Ich – als Floating-Novize – wähle allerdings Nirwana light. Hardcore-Floater liegen in einer engen Kapsel mit Deckel: nur Salzwasser, Dunkelheit und sonst gar nichts. Zu viel Nichts für den Anfang. Deshalb für mich lieber die Einsteiger-Variante: ein Becken mit 30–40 Zentimeter hohem, körperwarmem Wasser, ein Hauch von Schummerlicht, kein Badeanzug, keine Geräusche, Nix. Nur ich, das Salzwasser und – meine frischrasierten Beine. Die brennen leider wie die Hölle und verstehen sich gar nicht gut mit der Salzlösung. Doch das legt sich. Genauso wie mein ausgeprägter Kontrollzwang: Kopf aus dem Wasser strecken, ins Dämmrige blinzeln, Terrain sondieren, stets allzeit bereit. Entspannen ist harte Arbeit. Doch nach ein paar Minuten sinkt der Nacken von allein nach hinten. Die Augen schliessen sich. Leichtes Schaukeln. Schweben. Kein Gewicht. Keine Gedanken. Wunderbare Leichtigkeit des Seins. Fazit: gute Nachhilfe in Loslassen lernen. Ideal für Kontrollfreaks. Bestens geeignet auch für Schwangere, Neurodermitiker und Menschen mit Muskelverspannungen. www.float-schweiz.ch; Einzelsession Floaten in der Kapsel 90 Franken, im Becken: 140 Franken, Paarfloaten 220 Franken.

Für Vollgas-Typen

So ähnlich muss Training bei den Marines ablaufen. Oder ein Bootcamp zur Ausbildung von Personenschützern oder so. Liegestütze, springen wie ein Hampelmann auf Ecstasy, Step up, Step down, rasen auf der Stelle, 45 Sekunden durchstarten, 15 Sekunden auf der Stelle hüpfen und wieder durchstarten ... Knapp vier Durchgänge später hat mein Gesicht die unschöne Farbe Karmesin angenommen, mein Bizeps den Dienst quittiert. Bei M.A.X. – das steht für Muscle Activity Excellence und hat ein Schweizer Patent – geht es um Fitten mit voller Power, dafür in der Hälfte der Zeit. In 30 Minuten, stets an der eigenen Leistungsgrenze, soll der gleiche Trainingseffekt auf Muskeln, Ausdauer und – Entspannung erzielt werden wie durch stundenlanges Traben auf dem Laufband oder Gewichtestemmen in Endlosschleife. Warum das funktioniert? Instruktorin Karin Koller, die ebenso sanft ist wie ihr Training hart, erklärt geduldig, warum die 30 Extrem-Minuten so viel bringen: Von Muskeln, die nachher noch weiterarbeiten ist die Rede, von den Körper daran zu gewöhnen auch mal schnell hohe Leistung abrufen zu können und, ja, tatsächlich auch von Relaxen. Denn maximale Muskelbelastung mit anschliessender Entlastung führt zu besonders tiefer Entspannung. Sonderbarerweise hat sie Recht. Nach der halben Stunde fühlt man sich wie ein Kind, das sich draussen ausgetobt hat und jetzt rotgesichtig und zufrieden vom Spielen reinkommt. Nervosität? Reizbarkeit? Weggeschwemmt von den Sturzbächen von Schweiss. Fazit: Abreagieren, dann abschalten funktioniert prächtig. Und Figur-Tuning ist auch nicht zu verachten. www.tt-hedingen.ch; www.max-training.ch

Für achtsame Detailfreunde

Knie exakt an die 16. Rille der Tatami- Matte. Verneigen. Schale auf die linke Hand. Zwei Mal drehen. Aber in welche Richtung nochmal? Von «ich trink mir mal gemütlich ein Tässchen Tee» ist eine Teezeremonie in etwa so weit entfernt wie Mario Barth vom Dalai Lama. Volle Konzentration ist gefordert, will man was Teemeisterin Yumi Mukai da in ballettartiger Eleganz im hellen, kargen Teeraum im Zürcher Museum Rietberg zelebriert, nicht ruinieren. Also Zähne zusammenbeissen, eingeschlafene Füsse ignorieren und an nichts anderes denken als an – Tee. Auch wenn das Ritual der Teezeremonie schon Jahrhunderte alt ist und seit dem Mittelalter von buddhistischen Zen-Mönchen und dem japanischen Adel gepflegt wird, es wirkt noch heute. Das Korsett des bis ins Detail festgelegten Rituals der Teebereitung gibt Halt. Sicherheit. Volle Konzentration lässt keinen Platz für Gegrübel, To-do-Listen, das übliche Hirngestöber. Verstehen wir Normalmenschen unter einem gelungenen Abend mit Gästen vor allem «viel» – viel Small Talk, viel Trinken, viel Krach – ist Geselligkeit innerhalb einer Teezeremonie das Gegenteil. Hier ist alles «wenig». Wenig Gegenstände, wenig Geräusch, wenig Gespräch. Stattdessen: Achtsamkeit. Wenn ich auch nach einer Stunde knien sechs meiner zehn Zehen für ewig verloren gebe, der Kopf ist klar und ruhig. Gedanklich ausschliesslich bei exakt dem zu sein, was man im Moment tut, beruhigt enorm. Und das für den restlichen Tag. Wenn auch der gemahlene schäumende Grüntee definitiv nicht als Lieblingsgetränk in den Alltag integriert wird, die Botschaft «Tue stets nur eines, aber das richtig und umsichtig» wird es. Fazit: Konzentration schlägt Kribbeligkeit. Informationen und Daten der hochinteressanten Zeremonien unter www.rietberg.ch; Kosten: 30 Franken pro Person

Für Ayurveda-Fans

Ich fühl mich wie ein Pommes. Ölig, fettig, speckig – vermutlich sorgt mein blosser Anblick für einen Cholesterin-Schock. Aber man gewöhnt sich an alles. Und kaum zehn Minuten ist Christa Renggli mit den Streichbewegungen ihrer Ayurveda-Massage zugange, scheint auch mein Inneres tranig zu werden. Selbst das Pling und Ploing der meditativen Hintergrundmusik stört nicht mehr allzu sehr. Warum eigentlich gönnt man sich meist nur dann eine Massage, wenn es der Arzt verordnet? Kein Inder hätte dafür Verständnis. Hab ich jetzt auch nicht mehr. Fazit: Für alle mit einem Faible für Doshas,Chakren und sanfte Berührungen … www.ayurveda-thai-massagen.com; 90 Minuten 190 Franken

Für sensible Nasen

Morgens rieche ich wie griechischer Salat. Nach strengem Olivenöl und Kräutern. Ob das wirklich die Stimmung aufhellt? Naja, vielleicht um die Mittagszeit, wenn der Hunger kommt. Johanniskrautöl heisst das Farfalla Hilfsmittel, das einmassiert für ein helleres Gemüt sorgen soll. Die Haut allerdings wird dunkler. Das Öl ist braun. Ich parfümiere nach der morgendlichen Ölung grosszügig dagegen an, ignoriere meinen ungewohnt mediterranen Teint und freue mich an der ebenso ungewohnt weichen Haut. Abends öle ich mit Edelsteinöl, das sanft nach Kamille duftet statt nach Salat. Dazu ein paar Tropfen Lavendel-Duftöl auf einen Stein … In meinem Schlafzimmer riecht es nach dem Taschentuch meiner Oma und einem Sommer in der Provence. Zwei Wochen öle ich morgens, öle ich abends, öle ich den Stein. Und komisch – abends wird mir das Ganze ein liebes Zubettgeh-Ritual. Ob das winzige Klümpchen Magnesit, das im Relax-Öl schwimmt, so wundertätige Wirkung entfaltet, sei dahingestellt. Aber offenbar bin ich konditioniert. Wie der Pawlowsche Hund auf die Klingel, reagiere ich mit Müdigkeit auf Öl und Lavendel. Tiefer Schlaf und schöne Haut – keine schlechte Kombination. Fazit: Schlafrituale bringen es. Farfalla; Edelsteinöl Relax 26 Franken, Johanniskrautöl 16.50 Franken, Wilder Berglavendel, 14 Franken

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