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Was mich am Feminismus irritiert

Oben ohne - die Juso-Frauen

Unser Blogger ist absolut pro Gleichberechtigung. Gewisse feministische Strategien und Denkweisen machen ihn jedoch ratlos.

Ich bin absolut für die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Gleicher Lohn, gleiche Rechte, gleiche Pflichten. Mir ist klar, dass da noch einiges im Argen liegt und noch vieles unternommen werden muss, damit wir an jenen Punkt gelangen. Nicht nur müssen langfristig tausende konservative Köpfe umdenken, nein auch juristisch sollte die Gleichberechtigung (insbesondere Lohngleichheit) endlich verankert werden. Also, nochmals zum Mitschreiben, ich bin absolut einverstanden mit euren Zielen. Aber die Art und Weise, wie ihr dafür kämpft... naja, darüber runzle ich ab und an die Stirn.

Am vergangenen Samstag haben in Zürich Tausende Menschen, vorwiegend Frauen, am Women’s March teilgenommen. Frauen sollen gleiche Rechte haben, Frauen sollen ernst genommen werden – darum gings. Aber ernst genommen werden wollen, sich gegen die Unterdrückung wehren, gegen Stereotypen kämpfen – wie passt das bitte mit rosa Strick-Mützen zusammen? Sorry, das übersteigt schlicht meine Logik. Möchte ich mich gegen mein Hausfrauen-Image wehren, gehe ich jedenfalls nicht mit Putzwedel und Housemaid-Kostüm demonstrieren.

Was genau sich die Frauen der Juso bei ihrer Aktion überlegt haben, kann ich ebenfalls schlecht nachvollziehen. Als sich nämlich noch täglich junge Frauen auszogen, um Blick-Girl zu werden, empfanden das die Juso-Frauen garantiert nicht als emanzipierte, feministische Tat. Jaja, ich weiss, es geht darum, zu zeigen, dass die meisten Frauen nicht dem idealen Bild, welches uns Werbung und Medien vermitteln, entsprechen – was absolut okay ist. Dennoch finde ich es reichlich uninspiriert, im Jahre 2017 die eigenen BHs zu verbrennen.

Und dann habe ich noch das hier gesehen. Eine Journalistin regt sich über die Karikatur der NZZ am Sonntag auf, weil diese einen Mann zeigt, der eine junge Frau (seine Tochter?) hochnimmt. Mansplaining sei das, sprich alte Herren, die glauben, den Frauen die Welt erklären zu müssen. Das kann man natürlich so sehen. Sollte man aber nicht. Weil es nämlich eine Absicht unterstellt, die meines Erachtens unwahrscheinlich ist. Klar könnte es sein, dass die NZZ am Sonntag ihrem Karikaturisten gesagt hat: Nimm einen Mann und lass ihn es einer Frau erklären! Könnte aber genauso gut sein, dass der Karikaturist zuerst einen jungen Mann gezeichnet hat und es dann hiess: Nein, dann schliessen wir die Frauen aus, wir brauchen eine Frau. Wahrscheinlich ist, dass der Karikaturist sein Werk gezeichnet hat, ohne dass ihn die Redaktion beeinflusst hat. Und wie jeder Künstler geht er von seinem eigenen Erfahrungshorizont aus. Vielleicht hat er ja wirklich eine Tochter. Im Idealfall würde eine Frau die Sache einem jungen Mann erklären, einverstanden. Aber hinter der Karikatur eine böse Absicht der Altherrenfraktion zu wittern, finde ich leicht übertrieben.

Das ist es, was mich am Feminismus irritiert: Wenn Frauen überall Sexismus wittern und eine böse Absicht (ja, es wimmelt von Sexismus und bösen Absichten, genau deswegen muss man sie ja nicht auch noch da suchen, wo sie wahrscheinlich gar nicht sind). Wenn sich Frauen immer als Opfer und die Männer als Täter hinstellen (auch das ist leider oft genug so, schon klar, aber es hilft auch nicht, dieses Muster noch zu zementieren, wenn man doch daraus ausbrechen will).

Soweit die Meinung von einem, der in der Sache eigentlich nichts zu sagen hat. Ich versuche trotzdem, meinen Teil als Mann zu übernehmen und meine Sichtweise stets zu hinterfragen, ich finde, das bin ich meiner Tochter schuldig - sie soll möglichst nicht mehr für Gleichberechtigung kämpfen müssen. Ich helfe gerne, wo ich kann und wenn ich darf.

Nichts für ungut. Weitermachen!


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