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Vorbelastet ist auch vorbereitet

Vater und Tochter spielen mit einer Wasserpistole

Ein Kind zu haben, kann einen in vielerlei Hinsicht erschüttern. Gut, wenn man darauf gefasst ist.

Ich bin gewappnet – denke ich zumindest. Und zwar besser als andere frischgebackene Väter. Weil ich mich vor 5 Jahren in eine Mutter verliebte. Das bringt natürlich einige Konfliktherde mit sich, verkompliziert die Beziehung zwischen Mann und Frau, die ohnehin schon kompliziert genug ist, stellt einen vor zwischenmenschliche Zerreisproben, aber es härtet ab. Dank meinem Stiefsohn (10) bin ich bestens darauf vorbereitet, was meine Tochter (10 Monate) noch mit mir anstellen wird. Ich habe etwa schnell erfahren, dass das Zusammensein mit Kindern, auch wenn es nur aus Lego spielen und Puzzle zusammensetzen besteht, enorm anstrengend sein kann. Gut, das kann man allenfalls erahnen, sofern man Situationen mit Kindern realistisch einschätzt. Ich behaupte aber mal, die allermeisten unterschätzen das – bis die Erkenntnis sie brutal trifft. Ebenfalls gelernt: Kinder machen sehr oft nicht so, wie man will. Klingt banal, ist aber fundamental. Und ich meine nicht mal unbedingt das Gehorchen, sondern eher das (Nicht-)Funktionieren. Zum Beispiel: Kind wird krank, sobald die Eltern ins freie Wochenende fahren wollen. Oder: Kind kann partout nicht einschlafen, obwohl es den ganzen Tag keine Minute ruhig gesessen hat. Ja, Kinder sind weiss Gott die unlogischsten Geschöpfe dieser Erde. Für manch einen Vater muss das ein Schock sein. Bevor ich mit meiner Freundin zusammenkam, hatte ich ja auch überhaupt keine Ahnung von Kindern. Mal angenommen, ich wäre kurz darauf Vater geworden – ich hätte alles auf die noch härtere Tour lernen müssen. Vielleicht wäre ich ernüchtert gewesen und entgeistert (vielleicht auch nicht). So aber hatte ich immerhin schon mal einen Testlauf. Zum Beispiel muss es grausam sein für einen Mann, der soeben Vater geworden ist, nicht mehr die Nummer 1 für seine Partnerin zu sein. Es war auch für nicht einfach, meine Freundin mit ihrem Sohn teilen zu müssen, aber jetzt, da ich selber eine Tochter habe, kann ich sagen: kenn ich schon. Und empfinde es nicht mehr als Problem. Vielmehr ist es nun meine Freundin, die Mühe bekundet, dass sie Konkurrenz hat.

Ich weiss auch, wie illusorisch es ist, zu glauben, meine Tochter werde ähnlich denken und handeln wie ich. Aber hoffen darf man ja immer – selbst wenn man es längst besser weiss.

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