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Die Nummer eins ist eine Nummer zu gross

Müder Vater mit Baby auf dem Arm

Es sollte eine Generalprobe werden, die Papi stärkt. Stattdessen zwang sie ihn in die Knie.

Eins vorweg: Das war nicht mit meinem Co-Blogger Nils Pickert abgesprochen. Der Zufall wollte es, dass ich ein verlängertes Wochenende mit meiner 11 Monate alten Tochter alleine verbringen durfte. Hätte dürfen. Und ich will es, dass das festgehalten wird. Auch ich habe mich nämlich auf die drei Tage gefreut, für einmal sollte ich zur Nummer 1 werden. Zwar habe ich derzeit bereits zwei Papi-Tage pro Woche, an denen ich Nummer 1 spielen kann, aber seien wir ehrlich: Mami ist halt einfach Mami, unerreichbar. Ausser, sie ist nicht da. Ich freute mich darauf, mir selbst beweisen zu können, dass ich das packe. Wenn ich diese Generalprobe geschafft haben werde, werde ich auch alles andere schaffen, sagte ich mir. Natürlich hatte ich aber auch den nötigen Respekt vor meiner Aufgabe, zumal sich das Wir-beide-allein-zu-Haus-Wochenende nahtlos an meine zwei Papi-Tage reihte. Ein ganztätiger Besuch bei den Grosseltern und ein Brunch hätten genug Abwechslung, Zerstreuung und Entlastung bieten sollen. Genauso wenig wie mein Töchterchen den ganzen Tag lang nur meine Visage sehen will, will ich sie nämlich stundenlang herumtragen müssen. Bädelen, in den Wald, schlemmen, lachen, kuscheln statt jömmerlen – das hatten wir vor. Kurz Mami beruhigt, kein Problem, wir packen das schon, dann gings los. Und zwar so richtig. Stiefsohn Ben war zum Glück bei seinem Vater untergebracht, ihn durfte ich schon nach wenigen Stunden abgeben. Es herrschten dennoch erschwerte Bedingungen: In einer unheiligen Allianz schienen sich Petrus und Zufall gegen mich verschworen zu haben, denn es war affig heiss und in dieser Affenhitze spielte das Immunsystem meiner Tochter verrückt. Will sagen: Fieber, Schleim und viele Tränen. Na, wenn das mal kein gelungener Anfang für eine Generalprobe ist. Ich vermute, Mütter wissen, dass sich Fieberzäpfchen an der Sonne fast wie Schokolade verhalten. Ich wusste es nicht. Mütter schaffen es auch, ihren Kindern Nasentropfen zu verpassen. Ich schaffe das auch – nur nicht in die Nase. Immerhin: Ich habe meine Tochter gekonnt so lenken können, dass ihr Erbrochenes vorwiegend in Brünneli und Badewanne landete. Dazwischen korrespondierte ich immer wieder mit Mami, wie läufts, nicht so gut, aber alles unter Kontrolle, glaube ich. Irgendwie, aber fragt mich nicht mehr wie, habe ich auch die Nacht fast ohne Schlaf überstanden und den ganzen nächsten Tag mit Herumtragen, Wiegen und Kühlen. Und wir hätten ziemlich sicher womöglich vielleicht auch den dritten Tag noch durchgestanden, hätte meine Freundin nicht beschlossen, früher nach Hause zu fahren. Ich habe weder gebettelt, noch gefleht, ehrlich, stattdessen habe ich beteuert, es ginge noch, es gab also keinerlei Beeinflussung, trotzdem war ich natürlich froh, dass sich das Leid unseres Babys bald wieder auf zwei Personen verteilte. Als Mami ankam, sass ich mit dem Baby auf der Brust auf dem Boden, wir mussten ausgesehen haben wie zwei Häuflein Elend. Und siehe da, kaum war die wahre Nummer 1 zu Hause, ging es dem Töchterchen auf einmal sehr viel besser. Ich nehme das jetzt einfach mal nicht persönlich.

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