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Ferien Schweiz

Ausflüge an märchenhafte Orte

Warum in die Ferne schweifen, wenn doch das Spannendste direkt vor der Haustür liegt? Ausflugstipps zu Stellen voller Legenden, Mythen und geheimnisvollem Zauber. Weil Kinder Geschichten lieben. Und Eltern auch. Es war einmal...

Entdecken sie die magische Seite der Schweiz. In diesem Artikel stellen wir Ihnen folgende mystischen Orte und die Geschichten dazu vor:
Auf Tells Spuren - Die Hohle Gasse
Der Pakt mit dem Teufel - Die Teufelsbrücke
Töpfe der Riesen - Der Gletschergarten Cavaglia
Rettender Nebel - Das märchenhafte Schloss Heidegg
Hinkelsteine und Druiden - Steinkreise im Knoaueramt
Weitere magische Orte


Spazieren gehen mit den Eltern – das klingt in Kinderohren in etwa so sexy wie das Angebot, nachmittags freiwillig drei Schulstunden anzuhängen oder der Gotte zum Geburtstag ein Kissen mit Kreuzstich zu besticken. Langweiliger gehts nicht! Auch das Ganze zur etwas hipperen «Wanderung» umzudeklarieren macht es kaum besser. Wenn es am Ziel wenigstens eine spektakuläre Dreh-Gondel gäbe, einen Gletscher mit Schlittel-Lift oder ein Spassbad, schön pumpenvoll mit anderen Kindern … dann gings.

Aber – in diesem Sommer mit Corona-Beigeschmack stehen die Chancen dazu ziemlich schlecht. Zwar sehnen wir uns mehr denn je nach Draussensein, Wegfahren und Ausflügen aller Art, und doch wird diesmal wohl alles eine Nummer kleiner und stiller. Näher statt ferner. Macht das was? Nein.

Denn wenn Kinder (und Erwachsene) etwas genauso lieben wie Abenteuer und Exotisches, dann sind es aufregende Geschichten, Märchen, Plätze voller Magie und mystische Stellen mit Zauberkraft von alters her. Und von diesen sagenhaften und geheimnisumwitterten Orten gibt es in der Schweiz jede Menge. Eine kleine Auswahl von Stellen mit ein bisschen Hokuspokus und viel: Es war einmal …

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Lauschig, diese Hohle Gasse. In den Büschen konnte sich Tell prima verstecken.

Auf Tells Spuren

Die Geschichte
Abgespeckt für Kinder, die komplette Variante kommt ja in der Schule noch oft genug:
Wir schreiben Ende des 13. Jahrhunderts. Eine finstere Zeit. Fremde Herrscher, die Habsburger, unterdrücken die Schweizer aufs Schlimmste. Brutal pressen sie die Bewohner aus, nehmen ihnen Ernte und Geld ab und schikanieren sie mit ihrer Willkürherrschaft. Der Schlimmste von allen: Landvogt Gessler. Er befiehlt, die Untertanen müssten einen Hut auf einer Stange grüssen, als sei es ein Fürst. Wilhelm Tell, Bauer aus Schwyz, weigert sich, dem ebenso bananigen wie demütigenden Befehl zu gehorchen. Gessler wittert Aufruhr und verhaftet Tell. Frei käme er nur, so die sadistische Erpressung, wenn er mit seiner Armbrust einen Apfel vom Kopf seines Sohnes schiessen würde. Tell schiesst, trifft glücklicherweise tatsächlich Apfel statt Kind und wird trotzdem wieder verhaftet, weil er laut schwört: «Hätte ich meinen Sohn getroffen, hätte der zweite Pfeil dem Landvogt gegolten.» Kurz: Er wird in ein Schiff verfrachtet und über den Vierwaldstättersee Richtung Gesslerburg geschafft. Doch an einer Steinplatte bei Sisikon (heute: Tellsplatte) gelingt ihm die Flucht. An der Hohlen Gasse in Küssnacht lauert er dem Vogt auf, um sich zu rächen: «Durch diese Hohle Gasse muss er kommen, es führt kein anderer Weg nach Küssnacht. Hier vollend ichs. Die Gelegenheit ist günstig …» Und dann: Schuss. Treffer. Tod. Einer der berühmtesten Tyrannenmorde und der erste Schritt zur freien Schweiz.

Zu sehen
Viel Tell. Ein Schaukasten, der an der Hohlen Gasse die Geschichte erzählt, ein grünbewachsener Hohlweg, an dessen Ende ein kleines Kapellchen steht. Von dort aus führt eine landschaftlich hübsche, einfache Wanderung zur Gessler-Burgruine. Dort oben angekommen lässt sich prima und mit Aussicht rasten oder grillieren. Entweder von da aus etwa 20 Minuten zurückwandern oder gleich weiter Richtung Vierwaldstättersee. Wie wärs mit einer Schiffchentour zum nächsten Tell-Punkt? Vielleicht von Brunnen bis Sisikon? Und von dort aus am See entlang bis zur Tellsplatte spazieren. (Anlegestelle Tellsplatte derzeit im Umbau.) Am Ende gibts ein Bistro, in dem man eine Glace essen und dann die letzten paar Schritte zur Tellsplatte gehen kann. Fantastisches Panorama!

Tipp
Anschliessend ein wenig bergauf spazieren zum Glockenspiel. Oder eben nicht. Passt noch ein bisschen Bildung rein? Dann weiter mit dem Schiff zur Rütli-Wiese. Mehr Schweiz-Mythos an einem Tag geht wirklich nicht.

Adresse Hohle Gasse, Gesslerburg, 6405 Küssnacht Tellsplatte, 6452 Sisikon

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Der Teufel weiss auch, wos schön ist. In der Schöllenenschlucht etwa. Nur der Geissbock hatte Pech ...

Durch die Schöllenenschlucht

Die Geschichte
In uralter Zeit, als das Land noch wild und die Zeiten grausam waren, litten die Urner grosse Not. Die Wasser der Reuss waren so wild, ihre Strudel so tödlich, dass keine Brücke vermochte, der Macht des Wassers zu trotzen. Immer wieder stürzten Frau und Mann und Kind und Vieh in die Schöllenen-Schlucht und sie ward ihnen ein nasses Grab. So begab es sich, dass eines Tages der Landammann verzweifelt ausrief: «Da soll doch der Teufel eine Brücke über die Schlucht bauen!» Sprachs und – puff! stand der Leibhaftige vor den Urnern und sprach: «Ich werde euch eine haltbare Brücke bauen, jedoch die erste Seele, die über diese Brücke schreitet, ist mein.» Da war guter Rat teuer. Wer sollte sich opfern und des Teufels sein? Doch ein listiges Bäuerlein hatte eine Idee: «So lasst uns einen Geissbock über die Brücke treiben. Mag ihn der Teufel holen.» So geschah es. Der Teufel, der merkte, dass er hereingelegt worden war, warf ausser sich vor Zorn einen Felsblock Richtung Brücke, um sie zu zerstören. Doch ein altes Weiblein kritzelte flugs ein Kreuz auf den Felsen. Und mit Kreuzen, das weiss jedes Kind, hat der Teufel ein Problem. Der Fels verfehlte die Brücke, der Teufel verschwand und ward nie mehr gesehen. Die Teufelsbrücke jedoch steht noch immer fest an ihrem Platz.

Zu sehen
Atemberaubende Landschaft, tosendes türkises Wasser, die Brücke samt glutrotem, gemalten Teufel oberhalb der Brücke. Zudem ein Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht zwischen napoleonischen und russischen Truppen im Jahr 1799. Aber das ist wieder eine neue Geschichte.

Tipp
Von Andermatt durch die Schöllenenschlucht etwa 5 Kilometer bis Göschenen wandern. Es geht gemütlich bergab. Göschenen-Bahn retour benutzen.

Adresse
Gotthardstrasse, 6490 Andermatt.
Auf der Passhöhe gibt es zudem ein Museum mit Exponaten zum Gotthard

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Hier hat die Natur mal wirklich mit grosser Kelle angerührt. Der Blick in die Küche der Riesen.

Gletschergarten Cavaglia

Die Geschichte
Es begab sich vor langer Zeit, da hausten hoch über dem Bündner Tal Poschiavo zwischen schrundigen Felsen die Riesen. Einer von ihnen wusste gar vorzüglich zu kochen. Ob Steinpilzsuppe, Kräuter-Auflauf oder Tannzapfen-Eintopf – keiner bereitete die Gerichte so schmackhaft zu wie jener freundliche Gigant. Da Riesen naturgemäss stets einen Riesenappetit verspüren, brauchte es zum Kochen gigantische Kochtöpfe und mächtige Kellen. Keiner weiss, wann die Riesen weiterzogen – jeder aber kann hineingucken in die haushohen Töpfe, die sie zurückgelassen haben. In einige der Löcher dürfen Besucher gar auf Leitern hinuntersteigen. Kinder können sich zudem auf die Spuren des Riesen Grummo machen und an 7 Stationen das Geheimnis seiner magischen Kräuter lüften. Im Tourismus-Büro Poschiavo oder Pontresina wartet eine kleine Überraschung auf die Forscher.

Zu sehen
Im Laufe der Jahrtausende schliffen rotierende Steine und Sand, die das Gletscherwasser vom Palügletscher mit sich führte, riesige Löcher in die Felsen. Daraus entstand der Gletschergarten Cavaglia – oder eben die «Töpfe der Riesen».

Tipp
Von Mai bis Oktober finden jeweils Di, Do, Sa und So geführte Besichtigungen statt. Treffpunkt: 14 Uhr RhB-Bahnhof Cavaglia. Erw. Fr. 10.–, Kinder Fr. 5.–, gratis mit Guest Card.

Adresse
Von der Bahnstation Cavaglia gelangt man leicht zu Fuss und in wenigen Minuten zum Gletschergarten. Eintritt frei.

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Märchenhaftes Schloss Heidegg

Die Geschichte
Es lebte einst eine fromme Edelfrau. Sie war Habsburgerin und wohnte, weil die Männer im Krieg waren, allein mit ihren Mägden auf Schloss Heidegg. In der Schlacht von Sempach besiegten die Schweizer jedoch die Habsburger und im Siegestaumel zogen die Soldaten daraufhin durchs Land, vertrieben die Österreicher, brannten deren Burgen nieder und – nun ja, vergewaltigten die Frauen. (Den Part kann man ja für Kinder weglassen …) Nun war die Edelfrau auf Schloss Heidegg ein gottesfürchtiges Weib. Deshalb warf sie sich, als sie die heranrückenden Horden hörte, auf die Knie und rief: «So hilf uns, Allmächtiger!» (oder etwas in der Art). Und siehe: Wie von ungefähr wurde das ganze Schloss von dickem Nebel eingehüllt. Die marodierenden Banden konnten es nicht mehr sehen, liefen vorbei und das Schloss samt seiner Bewohnerinnen blieb verschont. Aus Dankbarkeit errichtete die Edelfrau eine Kapelle mit der Inschrift «Procul estote profani», «Fernbleiben sollen die Frevler». Da soll sich im Herbst nochmal jemand über den Nebel beklagen…

Zu sehen
Ein Märchenschloss wie aus dem Bilderbuch, ein traumhafter Rosengarten und – ein grosser Spielplatz unter Bäumen, auf dem kleine Besucher den QR-Code für eine Schloss-Drachensuche herunterladen können.

Tipp
Kleines Extra für die Eltern: Die Reben am Schloss wurden schon um 1300 gepflanzt. Den Wein daraus kann man degustieren.

Adresse
Heidegg 1, 6284 Gelfingen, im Seetal zwischen Aarau und Luzern

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Kelten, Kulte und Obelix’ komische Steine mitten im Zürcher Säuliamt.

Verborgene Menhire im Knoaueramt

Die Geschichte
Es war einmal vor 3000 oder vielleicht sogar vor 5000 Jahren im Zürcher Säuliamt. Dort lebten, so geht die Geschichte, Kelten mit ihren Druiden. Druiden, das weiss man, sind so eine Art Miraculix-Variante und zuständig für Zauber, Opfer an die Götter und heilkräftige Wunder. Hilfreich bei all diesen geheimnisvoll heiligen Handlungen waren ihnen dabei Hinkelsteine (siehe: Obelix!) zu Kreisen arrangiert.Und davon eben, finden sich noch viele im Knoaueramt: in Rifferswil, Mettmenstetten und – besonders imposant – im Wald vom Bislikerhau oberhalb von Affoltern am Albis. Wirken die Steine noch immer Wunder? Wie sahen die Götter-Kulte aus? Warum gerade hier? Viele Mutmassungen, viele im Dunklen liegende Geheimnisse und viel Magie...

Zu sehen
Ein Kreis aus neun Menhiren. Der grösste davon ist etwa 1,70 m gross, versteckt auf einer Anhöhe im Wald. Wegweiser? Fehlanzeige.
Such-Hilfe: Rücken zum Bisliker-Weiher, links halten, nach der Abzweigung zweiten Trampelpfad in den Wald nehmen. Magisch, dass der Steinkreis nur nach intensivem Suchen zu finden ist. Erwachsene fühlen sich wie Schliemann bei der Entdeckung des Pergamonaltars. Für Kinder spannender als jede Schnitzeljagd.

Tipp:
Es gibt im Bislikerhau Grillplätze und jede Menge Frösche am Weiher.

Adresse:
Bislikerhau, 8910 Affoltern am Albis.


Weitere magische Orte

Blutturm
Nähe Lorrainebrücke, Bern. Malerisch an der Aare, schauerliche Geschichten: ertränkte Hexen, heimlich Hingerichtete, Leichenhalle des Anatomischen Institutes Bern... Gruselig.

Blausee
Nähe Kandergrund. Mädchen mit tiefbauen Augen liebt Jungen. Nach dessen Tod vergiesst sie aus ihren blauen Augen so viele Tränen, dass der See entsteht. Landschaft plus Lovestory.

Zauberwald
Route du Mont-Renaud, Boncourt Alter Dorfkern, Tropfsteinhöhle samt Fee, Quellen für ewige Jugend, Wald mit Zwergen … Boah!

Eichhörnchenkurier
Thurbenthalstrasse, Bichelsee. Weder Liebe, Tod noch Zauber – trotzdem wunderlich. Boten zwischen den Burgen am Bichelsee sollen Eichhörnchen gewesen sein. Ist eins mit Briefchen in der Schnauze zu entdecken? Oder wenigstens ohne?

Riesenratte.
Zytturm, Kolinplatz, Zuger Altstadt. Gegen die Rattenplage malten die Turmwächter eine gigantische schwarze Ratte an den mittelalterlichen Turm. Mit Erfolg. Trotzdem: Igitt! (In den Turm hochsteigen! Schlüssel gibts am Kiosk.)

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