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Rückenschmerzen bei Müttern

Armer Rücken!

Baby im Tragetuch, Kleinkind auf der Hüfte, Tasche in der Hand – Mütter schleppen viel. Kein Wunder schmerzt der Rücken.

Eltern sein ist manchmal schwer – und das ist durchaus wörtlich gemeint. Auch wenn Kinder zunächst noch gar nicht viel wiegen – sie immerzu herumzutragen kann dem Rücken ganz schön zu schaffen machen. Vor allem Mütter bücken sich tags und nachts zigmal, um den Nachwuchs hochzuheben und zu tragen. Wer Rückenschmerzen früher nur vom Hörensagen kannte, erlebt nun vielleicht selbst, wie sehr Kreuz oder Schultergürtel weh tun können.

Während der Schwangerschaft lockern sich die Bänder des Beckengürtels, insbesondere der Iliosakralgelenke. «Schmerzen im Kreuz und im Gesäss, die durch ein blockiertes Iliosakralgelenk verursacht werden, kommen während oder nach einer Schwangerschaft häufig vor», sagt die Luzerner Rheumatologin Maria Waser. Falsches Bücken und Tragen des Kindes, Stillen in verspannter Haltung sowie häufiges Aufstehen in der Nacht führen zu zusätzlichen Verspannungen der Muskulatur, was die Beschwerden verstärken kann. Weitere Ursachen für Rückenschmerzen nach Geburt und Schwangerschaft, so die Fachärztin, sind Blockierungen im Bereich der Lendenwirbelsäule und gereizte Zwischenwirbelgelenke, ausgelöst durch ein hohles Kreuz, das während der Schwangerschaft entsteht.

Eher selten steckt hinter den Schmerzen ein neu aufgetretener Bandscheibenvorfall. Dieser verursacht meistens ins Bein ausstrahlende Schmerzen, von Kribbeln begleitet. Übrigens: Frisch gebackene Väter werden kaum von Rückenproblemen geplagt, sofern sie nicht schon vorher ein Rückenleiden hatten. Darum ist es sinnvoll, dem Papa auch aus diesem Grund zumindest zeitweise das Baby zum Herumtragen zu überlassen.

Auf den Körper hören

Wichtig ist auf jeden Fall: Wer unter starken oder hartnäckigen Schmerzen leidet, sollte sich ärztlich untersuchen lassen. Eine klinische Diagnose wird durch den Hausarzt oder Rheumatologen erstellt und, falls nötig, mithilfe von Röntgen und anderen bildgebenden Verfahren erhärtet. Liegen Verspannungen vor, hilft häufig Physiotherapie.

Die Angst, dass postnatale Rückenschmerzen nur der Anfang einer chronischen Rückenkrankengeschichte sind, ist laut Maria Waser nicht begründet. Klagen Mütter von kleinen Kindern über Schmerzen im Hals- und Brustwirbelbereich, handelt es sich meistens um muskuläre Verspannungen des Schultergürtels, ausgelöst durchs Tragen oder Stillen. «Ein weiteres Kind, Stress und Hektik sind Faktoren, die zu einer Mehrfachbelastung führen, was wiederum Verspannungen fördert», sagt Maria Waser. «Oft spielen auch hohe Erwartungen an sich selbst eine Rolle».

Sie rät Müttern daher, genügend Zeit für sich selbst einzuräumen – und mehr auf den eigenen Körper zu hören. «Den Alltag möglichst rückenschonend zu gestalten fängt beispielsweise damit an, die Höhe des Wickeltisches zu optimieren. Wem es angenehmer ist, kann ja auch auf dem Boden wickeln und sich entsprechend einrichten.»

Alltagstipps für Mütter gegen Rückenschmerzen

Grundsätzlich: Vor der Geburt empfiehlt sich Schwangerschaftsgymnastik, danach Rückbildungsturnen. Rückenfreundliche Sportarten sind beispielsweise Nordic Walking, Jogging, Aquafit, Velo fahren, Volleyball, Krafttraining. Zum Sitzen eventuell ergonomisches Sitzkissen oder Gymnastikball benutzen.

Wichtig ist, im Alltagsstress immer wieder innezuhalten und auf die Haltung zu achten: die Schultern nicht hoch- sondern eher nach unten ziehen, das Becken nicht nach vorne kippen (Hohlkreuz) und die Bauchmuskeln nach innen ziehen, keine zu hohen Absätze tragen, den Kopf gerade tragen und nicht nach vorn sinken lassen.

Beugen und Hochheben: Den Rücken möglichst gerade halten. In die Knie gehen, das Kind anheben und dann mit geradem Rücken hochgehen. Dabei leicht gegrätscht oder – wem es bequemer ist – in Schrittstellung stehen.

Kind tragen: Sobald das Baby alt genug ist, sollte es auf dem Rücken getragen werden, denn vorne zu tragen ist belastender. Wie lange und bis zu welchem Gewicht ein Kind getragen werden soll, lässt sich am besten beurteilen, wenn man auf den eigenen Körper hört. Beim Kauf einer Tragevorrichtung sollten Sie sich unbedingt Zeit lassen und die für Sie bequemste Lösung auswählen.

Wickeln: Die Höhe des Wickeltisches sollte so gewählt sein, dass man bequem aufrecht stehen kann. Wer beim Heben des Kindes auf den Wickeltisch Schmerzen verspürt, kann allenfalls auf dem Bett oder auf dem Boden wickeln, in kniender Position mit gestrecktem Rücken.

Stillen: Möglichst entspannt im Sitzen. Das Baby zur Brust nehmen und nicht die Brust zum Baby (vornüber beugen). Zur Abwechslung in Seitenlage liegend stillen.

Wellness: Ein warmes Bad mit Duftessenzen entspannt. Yoga sorgt ebenfalls für Entspannung und stärkt den Rücken. Auf dem Boden zu liegen und die Beine in den Knien abgewinkelt aufs Sofa zu legen ist eine sofort spürbare Entlastung.

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