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Gesundheit

Ritalin ist für Eltern die letzte Option

Tafelzeichnung Kopf mit farbigen Pillen

Erst wenn andere Hilfsangebote nichts nützen, setzen Eltern in der Schweiz auf ADHS-Medikamente für ihre Kinder.

Seit Jahren berichten Medien darüber, dass immer mehr Kinder wegen ihrer ADHS-Erkrankung Medikamente gegen die Zappeligkeit einnehmen. Ob heute mehr Kinder dieses Syndrom aufweisen oder bessere Abklärungen und Diagnosemöglichkeiten zu steigenden Fallzahlen führen, ist unklar. Gemäss einer früheren Studie wurden 2012 in der Schweiz 2,4 Prozent der Kinder mit Methylphenidaten, vor allem Ritalin, behandelt.

Eine aktuelle, interdisziplinäre Studie (2018) von mehreren Schweizer Universitäten geht der Frage nach, weshalb Eltern sich für eine medikamentöse ADHS-Behandlung ihrer Kinder entscheiden – und zeigt: Der Einsatz von Ritalin folgt meist erst an letzter Stelle, wenn Eltern und Umfeld nicht mehr weiterwissen.

Die Ergebnisse der Studie im Detail: Für 77 Prozent der Eltern ist der «Leidensdruck des Kindes» ausschlaggebend, Medikamenten zuzustimmen. 62 Prozent nannten die «familiären Belastungen», 58 Prozent die «schulischen Leistungsanforderungen». Knapp die Hälfte (49 Prozent) kamen einer «Empfehlung von einer Fach- oder Lehrperson» nach. «Keine Wirksamkeit der bisherigen Behandlungen» machten mit 39 Prozent deutlich mehr als ein Drittel der Eltern geltend.

«Am meisten überraschte mich an den Resultaten die Bedeutung des Leidensdrucks», sagt Dominik Robin von der ZHAW und Co-Leiter der Studie. Eltern gäben ihren Kindern nicht leichtfertig Ritalin, sondern hätten zuerst einige andere Hilfsangebote ausprobiert. Für die Forscher zeigt die Studie, dass zu hohe Anforderungen in der Schule nicht nur zu einem Leidensdruck bei Kindern führten, sondern auch zu einer Überforderung der Familie.

Auf der Basis der Studienergebnisse erarbeiten die Forschenden Handlungsempfehlungen für Eltern und Lehrpersonen. Sie sollen gegen Ende 2018 zur Verfügung stehen.

Hilfe und Infos beim schweizerischen ADHS-Dachverband: elpos.ch
Mehr zur Studie: zhaw.ch

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